EHC Olten

Der schöne Vorsprung ist dahin: Visp gewinnt das vierte Spiel und gleicht die Serie aus

Der EHC Olten verliert in Visp 1:2 und kassiert in der Viertelfinalserie den Ausgleich zum 2:2. In einer offenen Partie vergaben die Oltner zu viele Möglichkeiten und blieben in der Offensive insgesamt zu blass.

Aus Sicht der Gäste musste man vor dem vierten Spiel in der Viertelfinalserie gegen Visp auf so ziemlich alles gefasst sein. In erster Linie aber sicher auf einen Sturmlauf der Walliser nach dem ersten Scheibeneinwurf. Dies umso mehr, weil selbst Visp-Coach Scott Beattie vor dem gestrigen Aufeinandertreffen eine Kampfansage in Richtung seines früheren Arbeitgebers gesandt hatte. So gesehen war es eher unerwartet, wie sich die Partie im ersten Drittel entwickelte. «Wir haben jetzt doch schon ein paar Spiele in den Beinen», trug Cédric Schneuwly der starken Belastung der letzten Rechnung, «vor allem die letzten zwei waren pickelhart.» Das könne ein Grund dafür sein, dass beide Mannschaften doch sehr verhalten gestartet seien, viele Fehlpässe produziert und wenig gute Chancen kreiert hätten.

«Wir haben jetzt doch schon ein paar Spiele in den Beinen»

Cédric Schneuwly

«Wir haben jetzt doch schon ein paar Spiele in den Beinen»

Rapuzzi trifft im zweiten Anlauf

Man habe in der ersten Pause deshalb versucht, sich des eigenen Gameplans zu besinnen, so Schneuwly. «Wenn wir den durchziehen, sieht es für uns sehr gut aus. Dazu fehlte aber ein wenig der letzte Wille.» Nachdem vor allem in den ersten zwanzig Minuten auf beiden Seiten sehr vorsichtig agiert und die Räume extrem eng gemacht wurden, genoss Diego Schwarzenbach plötzlich alle Freiheiten – schaffte es aber nicht, die Scheibe im Powerplay im Visper Gehäuse unterzubringen. Nicht nur in dieser Szene hatte EHCO-Topscorer Justin Feser den Weg bereitet und hätte den Assist mehr als verdient gehabt. Hatten die Gäste bis dato noch grosse Defizite in der Passgenauigkeit, womit sie sich immer wieder selber ihrer grössten Waffe, dem Tempospiel, beraubten, klappte es jetzt ein bisschen besser. Aber immer noch zu wenig gut, um Schoder vor wirklich ernsthafte Probleme zu stellen.

Und selbst, als es nach Spielmitte definitiv brenzlig wurde für den Visper Keeper, hielt dieser seinen Kasten rein. Zuerst gegen Remo Meister, dann parierte er auch zweimal bravourös gegen Schneuwly und Wüst. Zwar machte es auch Rapuzzi, alleine gegen Mischler, nicht besser. Und doch war es ein Warnschuss des Herausforderers. Denn nur drei Minuten später nahm der Jüngste auf dem Eis den nächsten Anlauf. An der blauen Linie vergessen gegangen, zog Nico Hischier (17) von der Seite aufs Tor und traf zum 1:0. Er sei mit der klaren Vorstellung auf Mischler zugefahren, genau diesen Trick zu probieren, so das Visper Jungtalent, welchem von Fachleuten bescheinigt wird, im Sommer, wenn der nächste NHL-Draft für den Jahrgang 1999 ansteht, unter den ersten zehn Namen zu figurieren.

«Müssen noch härter arbeiten»

Die verpassten Grosschancen der Oltner schmerzten umso mehr, als dass Rapuzzi die nächste der Walliser zum 2:0 verwertete. War Shayne Wiebe zwei Minuten zuvor am Pfosten gescheitert, konnten die Gäste in der 48. Minute endlich jubeln. Romanenghi überlief die jetzt noch etwas defensiver ausgerichteten Visper und verkürzte auf 1:2. Zeit, den zweiten Schritt ebenfalls noch zu machen und damit wenigstens eine Verlängerung zu erzwingen, wäre genügend da gewesen. Und nicht nur das: Auch Chancen kreierten die Gäste zuhauf. Alleine in den zweieinhalb Minuten ohne Torhüter hätte der Ausgleich mehrfach fallen können, ja müssen. «Daran müssen wir arbeiten», meinte Schneuwly zur fehlenden Kaltblütigkeit. «Auf der anderen Seite hatten wir auch viel zu wenig Schüsse. Nur, wenn wir in diesem Bereich besser werden, greift auch ein Schoder einmal daneben.»

Scott Beattie wollte keineswegs von einem mentalen Vorteil für seine Mannschaft sprechen.

Scott Beattie wollte keineswegs von einem mentalen Vorteil für seine Mannschaft sprechen.

So sieht man sich in dieser Serie, welche mit zwei Vollerfolgen perfekt lanciert worden war, plötzlich unter Druck – wenngleich Scott Beattie keineswegs von einem mentalen Vorteil für seine Mannschaft sprechen wollte. Der Charakter der kommenden Spiele bleibe genau gleich, entscheidend sei das Körperspiel sowie, dem Gegner möglichst wenig Raum zu lassen. Für Cédric Schneuwly bedeutet die neue Ausgangslage, der 2:2-Ausgleich in der Serie, vor allem eines: «Für einen Hockeyspieler ist das eine der geilsten Situationen überhaupt. Wir müssen noch härter arbeiten, dann gehen wir als Sieger aus dieser Serie!»

Lesen Sie hier den Liveticker zum Spiel nach:

EHC Visp - EHC Olten

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