Zum Jahreswechsel

Den Geist von Balsthal 1830 neu beleben

Beat Nützi
Relief auf dem Munzinger-Denkmal in Olten

Relief auf dem Munzinger-Denkmal in Olten

Ein ereignisreicher Jahreswechsel: Mit dem Brand der Sägerei Rütti am Silvesterabend hat sich in Balsthal auf einen Schlag das Dorfbild verändert. Kurz vor Weihnachten hat sich ein anderes Ereignis aus Balsthal gejährt.

Die Festtage sind rasch verflogen und wir sind bereits im neuen Jahr gelandet. Der Jahreswechsel und -anfang erwies sich als ereignisreich. Nicht nur auf der problem- und konfliktbeladenen Weltbühne, sondern auch in unserer Region. Besonders an die Nieren gingen zwei Geschehnisse: Der vernichtende Grossbrand auf dem Areal der Sägerei/Schreinerei Rütti in Balsthal und die Ankündigung der Werkschliessung des Glasbaukonzerns Trösch in Trimbach, die 52 Beschäftigte betrifft. Das beweist einmal mehr: An der Nachrichtenfront gibt es keine Pausen, auch zwischen Weihnachten und Neujahr nicht. Die Welt dreht sich immerzu und sorgt für Schlagzeilen.

Schweizer Skigebiete mit unterschiedlichem Charakter

Aufsehen erregte über die Festtage auch das Wetter. Die einen genossen die milden Temperaturen, die andern vermissten Kälte und Schnee. Wer das nötige Kleingeld hatte, konnte in gewissen Skigebieten beides geniessen, Sonne und Schnee. Mancherorts war sogar das Skifahren möglich – den Schneekanonen sei Dank! Doch der Schneemangel bildete eine Ausnahmesituation, in welcher sich der Charakter von Skiorten widerspiegelte. Während zum Beispiel die Verantwortlichen des Skigebietes der Weissen Arena in Laax GR den Schneemangel als Anlass nahmen, zwischen dem 26. Dezember und 3. Januar den Preis der Tageskarte von 76 auf 100 Franken zu erhöhen, gewährte man in der Aletsch Arena VS (Riederalp/Bettmeralp/Fiesch-Eggishorn) im gleichen Zeitraum auf den Tageskarten einen Rabatt von 10 Prozent. So kostete die Tageskarte in der Aletsch Arena 50 Franken – halb so viel wie in Laax! Im Gegensatz zur Aletsch Arena sind in Laax offenbar nur betuchte Wintersportler/-innen erwünscht. Das beweist in diesem Skigebiet auch die einzigartige «Bonzenkarte», die es VIPs mit einem dicken Geldbeutel ermöglicht, die Warteschlangen zu überholen und an den Talstationen und bei den Skiliften über separate Zugänge an die Lifte zu gelangen – vorbei an wartenden Normalos, vielen Familien mit Kindern, bei denen die Bevorzugung auf Unverständnis stösst.

Wer viel Geld hat, darf in der Schweiz offenbar alles

Missmut erregte während der Festtage auch eine andere «Bonzenaktion»: Wegen eines Beinbruchs, den der frühere Emir von Katar, Scheich Hamad Bin Khalifa al-Thani, in der renommierten Schulthess-Klinik in Zürich behandeln wollte, wurde die Nachtflugsperre auf dem Flughafen Kloten aufgehoben. Der milliardenschwere Scheich und dessen Entourage durften deshalb in der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember zu unüblicher Zeit mit drei Airbus-Jets in Zürich landen. Dieses grosszügige Entgegenkommen der Schweiz hat wohl weniger mit einem medizinischen Notfall, sondern vielmehr mit dem finanziellen Engagement der katarischen Herrscherfamilie in unserem Land zu tun. Schliesslich gehören ihr hierzulande bereits Luxushotels wie der Berner «Schweizerhof» und das «Bürgenstock» über dem Vierwaldstättersee. Hinzu kommen Beteiligungen an Banken. Und in den Ferien lässt die Königsfamilie in den noblen Juwelierläden von Genf, Interlaken und Zürich viel Geld liegen. So viel Geld vermag in der Schweiz offenbar alles auf die Seite zu spülen, auch die Selbstachtung. Das kann ins Auge gehen, wie beispielsweise der Weltfussballverband Fifa nach der Vergabe der Fussball-WM 2022 an Katar erfahren muss.

Gegen Privilegien des neuen Geldadels

Da erinnern wir uns lieber an ein denkwürdiges Jubiläum, das kurz vor Weihnachten im Kanton Solothurn zu feiern gewesen wäre: Am 22. Dezember 2015 jährte sich zum 185. Mal der historische Volkstag von Balsthal, als der nachmalige Bundesrat Josef Munzinger aus Olten auf der Rösslitreppe lauthals forderte: «Die Souveränität des Volkes soll ohne Rückhalt ausgesprochen werden.» Damit wurde die Herrschaft der Aristokraten beendet und der Weg zu persönlicher Freiheit und Verantwortung aller Menschen eröffnet. Von diesem Weg dürfen wir uns nicht durch den Geruch des Geldes weglocken lassen. Auf diesem Weg steht auch ein Wegweiser zur Chancengleichheit – zum Recht auf einen gleichen Zugang zu Lebenschancen. Dazu gehört insbesondere das Verbot von Diskriminierung, beispielsweise aufgrund des Geschlechtes, des Alters, der Religion, der kulturellen Zugehörigkeit, einer Behinderung oder der sozialen Herkunft, das in den Menschenrechten festgeschrieben ist. Das entspricht dem Geist von Balsthal 1830, den wir heute neu beleben sollten – gegen Privilegien des neuen Geldadels.

Autor

Beat Nützi

Beat Nützi

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