Tabea Münger trägt eine Kiste mit Forellensalat in den Hofladen des Eulenhofs in Möhlin und sucht einen Platz in der Auslage zwischen Kresse, Rucola, Batavia, Kraussalat und Schnittsalat. Der rotsprenklige Salat wurde vor wenigen Minuten hinter dem Hof geerntet. Frischer geht es nicht mehr. «Forellensalat ist eine alte Sorte und mit dem Lattich vergleichbar», erklärt die Gemüseproduzentin. Mit einem Blick kontrolliert sie das vielseitige Salat-, Gemüse- und Früchte-Angebot. «Wir verkaufen möglichst ausschliesslich saisonale Produkte. Deshalb gibt es jetzt noch keine Tomaten.» Der Hofladen ist eine Freude für alle Sinne. Nebst frischen Produkten sind hier viele Delikatessen wie Wurstwaren, Öle, Fruchtessige, Käse, Joghurts, Honig, Konfitüren und vieles mehr aus dem Eulenhof sowie anderen Landwirtschaftschaftsbetrieben erhältlich. 

Tabea Münger geht schnellen Schrittes wieder hinter den Hof zu den weissen Gemüsetunnels. Es wartet noch viel Arbeit auf sie. Unterwegs wird sie von einem kleinen Knirps gestoppt. Dieser schaut sie freudig an, klaubt aus seinem Korb ein frisch gebackenes Brötchen und streckt ihr das Znüni entgegen.

Viel Handarbeit ist gefragt

Der Eulenhof von Edi Hilpert wird seit über dreissig Jahren streng biologisch bewirtschaftet. Seit 1996 hat sich Edi Hilpert vor allem auf Gemüse spezialisiert. Das ganze Jahr herrscht auf seinem Hof Saison. In weissen Folientunnels sowie im Freiland werden im Winter und im Sommer Gemüse und Salate angepflanzt und geerntet, auf dem Feld und Freiland hingegen nur von Frühling bis Herbst. Typisch für den Bio-Anbau ist die meist einmalige Nutzung der Anbaufläche im Jahr und der regelmässige Fruchtwechsel in der Gemüsekultur mit anderen landwirtschaftlichen Kulturen. «Das heisst, wir pflanzen zum Beispiel alle vier Jahre Blumenkohl an der gleichen Stelle. Wir befolgen einen bestimmten Pflanzenturnus. Mindestens 20% der Anbaufläche wird während eines Jahres mit Kleegras belegt. Dieses dient als Nährstoff für den Boden», erklärt Edi Hilpert. Die Arbeit auf dem Bio-Hof ist abwechslungsreich. Vieles ist Handarbeit. Alle auf dem Hof sind mit unermüdlichem Engagement bei der Arbeit. «Auch Jäten macht mir sehr viel Spass. Das ist mir lieber als all die administrativen Arbeiten», verrät Tabea Münger.


Auf den Gemüsefeldern stehen viele Obstbäume. «Mehrjährige Hölzer und einjährige Nutzpflanzen auf derselben Fläche haben viele Vorteile. Zum Beispiel wird die Bodenerosion verringert oder bei starkem Regen versickert das Wasser besser im Boden. Die Bäume und Sträucher bieten für Tiere wichtigen Lebensraum und das Landschaftsbild verschönern sie.» Leider sind dieses Jahr in den Frostnächten alle Blüten der Chriesi- und Zwetschgenbäume erfroren. In diesem Bereich hat Edi Hilpert nahezu 100% Verlust. «Das ist sehr schade. Doch die Natur gibt den Takt vor. Dank unserer Vielseitigkeit können wir diesen Verlust mit anderem ausgleichen.» Er blickt optimistisch auf die Saison. Die Gestelle im Hofladen werde stets mit erntefrischen Produkten aufgefüllt sein. «Wir verkaufen unsere Produkte im Hofladen, auf dem Markt in Rheinfelden und an ein paar Bioläden oder für Mitglieder der Solila in bestimmten Depots», sagt Tabea Münger.

So frisch wie saisonal: Gemüse und Früchte im Ernteanteil

Um den Bio-Hof erfolgreich und sinnvoll zu bewirtschaften, muss Edi Hilpert den Blick in die Zukunft gerichtet haben. Im August 2016 wurde der Verein Solila Eulenhof gegründet. Der Eulenhof bietet ihrer Kundschaft die Möglichkeit einer solidarischen Landwirtschaft an. Dieser basiert auf einer engen Zusammenarbeit von Produzenten und Konsumenten (Prosumenten). «Wir schliessen mit den Mitgliedern einen Vertrag ab. In diesem ist festgehalten, dass sie während eines Jahres wöchentlich mit einem entsprechenden Anteil der Ernte vom Eulenhof zu Vorteilspreisen versorgt werden.» Das hat viele Vorteile. Die Mitglieder erhalten der Saison entsprechend frisch geerntete Gemüse, Salate und Früchte; dafür sollten sie auf dem Hof für einige Stunden mitarbeiten. «Das Verständnis für die Natur sowie für den Aufwand der Nahrungsmittelproduktion wird so Jung und Alt wieder nähergebracht.» Es kann viel präziser geplant werden - somit werden Überschüsse vermieden. «Unsere Kundschaft bestimmt auch mit, welche Sorten angepflanzt werden», bemerkt Tabea Münger. Sie ist die Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um die Solila.

www.eulenhof-moehlin.ch