Oldtimer

Restauration eines BMW aus der Vorkriegszeit

Der Niederlenzer Toni Felder restauriert einen BMW aus der Vorkriegszeit. Dabei sind Geduld und Kreativität gefragt.

Wir haben Glück: Der Regen lässt noch etwas auf sich warten. Für ein paar Fotos darf die Rohkarosse von Toni Felders BMW 3/20 PS ins Freie gerollt werden. Danach kommt der Oldtimer, der zwischen 1932 und 1934 nur 7215 Mal gebaut wurde, wieder zurück in seine Garage. Nur noch rund 15 Stück existieren von diesem Modell in Europa. «Die Karosserie ist noch nicht lackiert», erklärt der Karosseriespengler aus Niederlenz. «Bei Nässe würde sie sofort rosten.»

Das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden. Denn es war schon ein riesiger Aufwand, den BMW vom Rost der vergangenen Jahrzehnte zu befreien. Mindestens 5000 Stunden seien schon in das Restaurationsprojekt geflossen, meint Felder. «Doch irgendwann hört man auf, das so genau zu zählen.» Die Totalrestauration eines Vorkriegsoldtimers zählt zu den aufwendigsten Projekten, die man als Autofan angehen kann. Denn während bei jüngeren Fahrzeugen vieles genau dokumentiert ist und auch noch zahlreiche Ersatzteile zu haben sind, ist man hier mehr oder weniger auf sich allein gestellt. «Vor allem Blechteile findet man für diese Autos kaum mehr», erklärt Felder. Als Werkstattchef beim Carosserie- Betrieb Bürgin Rupperswil AG kann er zum Glück nicht nur auf viel berufliches Know-how, sondern auch auf professionelle Ausrüstung und die Unterstützung des Arbeitgebers zählen, um die benötigten Teile nachzubauen. Im Gegensatz zu modernen Autos sind die Teile aus sehr dünnem Blech gebaut und bieten deshalb kaum Stabilität. «Das Auto ist eher wie eine Kutsche gebaut. Unter dem Blech gibt es eine Holzkonstruktion, die für den nötigen Halt sorgt», so Felder. Diese Holzkonstruktion baut er momentan nach, da das alte Holz morsch war. In Handarbeit, versteht sich. Und an manchen Ecken auch ohne detaillierten Bauplan. Denn längst nicht alle Einzelheiten der Karosserie, die von Mercedes in Sindelfingen für BMW angefertigt wurde, sind genau dokumentiert.

Stunden für Details

Das Projekt des BMW AM1, wie der Wagen werksintern genannt wurde, begleitet Toni Felder schon seit 1991. Damals kaufte er den Wagen zusammen mit seinem Schwiegervater.
Das Auto, oder vielmehr, was davon noch übrig war, wurde in einer Scheune in der Nähe von Stuttgart entdeckt und kam schon 1982 in die Schweiz. Doch der vorherige Besitzer hat mit der Restauration nie begonnen – und den BMW schliesslich an die Felders weiterverkauft. 1994 starteten Toni Felder und sein Schwiegervater schliesslich mit der Restauration. «Man nimmt erst einmal alles auseinander. Und entdeckt dabei immer mehr Stellen, die erneuert werden müssen.» Danach wird das Auto Stück für Stück wieder aufgebaut. Dabei sind oft auch Einfallsreichtum und Improvisationstalent gefragt. «Beim Anlasser fehlte eine kleine Feder. Nirgendwo war ein passendes Ersatzteil zu finden. Also machten wir uns daran, selbst eine passende Feder zu drehen», erinnert sich Felder. So wurde getüftelt und probiert, bis die Feder schliesslich in passender Länge und mit dem korrekten Zug eingebaut werden konnte. Ein Beispiel, das gut aufzeigt, wie aufwendig die Restauration eines so alten Autos ist. Während man ein solches Kleinteil für einen jüngeren Oldtimer vielfach kurzerhand im Internet bestellen und danach in wenigen Minuten einbauen kann, vergehen hier Stunden oder gar Tage und Wochen, bis man eine passende Lösung gefunden hat. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist Toni Felder ein grosser Fan der Autos aus dieser Zeit. «Die Technik, die man mit vergleichsweise einfachen Mitteln realisiert hat, begeistert mich nach wie vor.»

Vorwärts und rückwärts

Ans Aufgeben hat Toni Felder aber trotz aller Hürden nie gedacht. «Als wir das Getriebe untersuchten, haben wir festgestellt, dass es bei einer früheren Revision wohl falsch zusammengebaut worden war. Statt vier Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang gab es nur drei Vorwärtsgänge – und zwei Rückwärtsgänge», erinnert er sich schmunzelnd. «Aber es gibt natürlich Momente, wo man eine Pause braucht und sich eine Weile nicht mit dem Auto beschäftigen will», meint er. Nach dem Tod des Schwiegervaters musste Felder das Projekt eine Weile ruhen lassen, um Abstand zu gewinnen. Auch wenn sich Felder inzwischen keine Zeitvorgabe mehr setzen mag, wann das Auto bereit für die erste Ausfahrt sein soll: Es geht voran.

Der Motor ist komplett revidiert, die Pläne für die elektrische Verkabelung stehen und die Karosserie ist bald schon bereit, um lackiert zu werden. «Man darf nur nicht in die Ferne blicken. Es ist viel besser, sich immer auf das gerade anstehende Teil zu konzentrieren. Ansonsten verliert man den Mut und denkt, dass man es nie zu Ende bringen wird.» Gleichzeitig versucht Felder, mehr über die Geschichte des Autos zu erfahren. «Demnächst fahre ich nach Eisenach in Deutschland, wo der BMW einst gebaut wurde. Im dortigen Staatsarchiv soll es noch Dokumente zur Zulassung geben.»

So wurde der Wagen damals beworben. Er war mit festem Dach, aber auch mit grossem Sonnendach zu haben.

So wurde der Wagen damals beworben. Er war mit festem Dach, aber auch mit grossem Sonnendach zu haben.

Vorbeugen statt nachbauen

Eine Totalrestauration ist also ein Projekt, das sich über Jahre hinwegziehen kann. Es kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld, auch wenn man, so wie Toni Felder, vieles selbst erledigen kann. Was kann man also tun, damit eine Komplettrestauration so lange wie möglich vermieden werden kann? «Wichtig ist, dass man das Auto regelmässig pflegt und kleine Reparaturen sofort erledigt», rät der Fachmann. Denn gerade kleine Lackschäden können sich mit der Zeit ausbreiten und zu grösseren Rostproblemen führen. «Zudem sollte man, wenn immer möglich, darauf verzichten, im Regen zu fahren!»

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