Naturkünstler Patrick Horber vergleicht die LandArt mit dem Kochen: «Da stehe ich einige Stunden in der Küche und lasse mich von den Zutaten zu einem schmackhaften Gericht anregen - dann heisst es essen und geniessen. Übrig bleibt hoffentlich nichts, bis auf ein paar Krümel auf dem Teller.» Dasselbe sei bei der LandArt der Fall: Es gehe darum, sich Zeit zu nehmen, sich von den vorgefundenen Materialien zu einem Kunstwerk inspirieren zu lassen, dieses dann zu geniessen, bevor es sich die Natur wieder durch Wind und Wetter zurücknehmen.

Eine Frage der Geduld

Patrick Horber packte das Fieber, als er mit Jugendlichen eine Waldwoche verbrachte. Die freie Zeit nutzte der Erlebnispädagoge dazu, Naturmaterialien zu sammeln und zu kleinen LandArt-Kunstwerken zu verarbeiten. «Ich zeige die Fotografien meiner Arbeiten Freunden und Bekannten, die begeistert davon waren und sogleich anfragten, ob ich dazu nicht Kurse geben möchte.» So begann Horber sich vertieft zu informieren, kaufte Bücher und ging in die Natur, um weiter auszuprobieren und zu entdecken.

Die LandArt ist für Patrick Horber nicht nur ein Zeitvertrieb, sondern auch viele Stunden harte Arbeit. «Es braucht Geduld und teilweise mehrere Anläufe, bis ein Kunstwerk im Kasten ist. Ein 2,5 Meter hoher Steinturm fiel sechsmal in sich zusammen, bis er beim siebten Mal endlich hielt. Und für eine Laubfarbfahne aus Blätter benötigte ich mehrere Ausflüge, bis ich endlich alle gewünschten Farbnuancen beisammen hatte.» Doch genau dies mache die Faszination aus: das entschleunigte Sein in der Natur. Unter Stress oder Zeitdruck gelingt nichts. «Mit Glück und einem guten Suchinstinkt sind sicher auch LandArt-Kunstwerke in 15 Minuten möglich. Doch einen halben bis einen ganzen Tag sollte man sich sonst schon Zeit nehmen», so Patrick Horber.

Das Malen der Schneekreise auf dem zugefrorenen Bach bei eisigen Temperaturen brachte Patrick Horber an seine körperlichen Grenzen.

Das Malen der Schneekreise auf dem zugefrorenen Bach bei eisigen Temperaturen brachte Patrick Horber an seine körperlichen Grenzen.

Gast in der Natur

Für seine LandArt-Kunst sammelt Patrick Horber ausschliesslich Naturmaterialien: «Eine weggeworfene Blechbüchse findet bei mir keine Verwendung.» Den genutzten Naturmaterialien und Künsten sind dabei keine Grenzen gesetzt - bis auf Zeit, Kraft, Kosten und Naturschutz. «Es gibt LandArt-Künstler, die mit riesigen Gerätschaften Landschaften verändern. Dafür fehlen mir schlichtweg die finanziellen Mittel», so der Erlebnispädagoge. Entsprechend kreiert Patrick Horber Objekte, die aus eigener Kraft zu schaffen sind. «Dies kann dann auch bis an die Grenzen gehen.» Beispielsweise, als Patrick Horber Kreise aus Schnee auf einen zugefrorenen Bach zeichnete. Am Ende waren die Finger vor Kälte so klamm, dass er den Abzug am Fotoapparat nur noch mit Mühe drücken konnte.

Totes Material lässt sich ohne weiteres sammeln und weiterverarbeiten. «Achtsamkeit gilt bei Pflanzen, die in Landschaftsschutzgebieten wie Mooren oder Biotopen wachsen.» LandArt-Künstler seien Gäste in der Natur und hätten sich entsprechend zu verhalten. «Geschützte Pflanzen gehören nicht in ein LandArt-Kunstwerk.»

Nicht auf Anhieb fand Patrick Horber Blätter in allen gewünschten Farben. Mehrere Anläufe waren nötig, bis die Farbspirale im Kasten war.

Nicht auf Anhieb fand Patrick Horber Blätter in allen gewünschten Farben. Mehrere Anläufe waren nötig, bis die Farbspirale im Kasten war.

Weniger ist mehr

Wie sieht es mit ästhetischen Vorgaben aus? «Nun, für mich ist nicht alles LandArt. Es muss klar ersichtlich sein, dass das Werk von Menschenhand geformt oder gestaltet ist», sagt Patrick Horber dazu. Bei der Ästhetik spiele das eigene Empfinden eine wichtige Rolle. «Und natürlich die Wirkung: Ein Farbenspiel aus gelegten grünen Blättern hat wenig Aussagekraft.» Das Gespür für wirkungsvolle Kunstwerke bekomme man am besten über Experimentieren, Fotografien und anschliessendes Zeigen nahen Freunden oder Bekannten für ein ehrliches Feedback.» Und eine wichtige Grundregel, die Patrick Horber auch immer gern seinen Kursteilnehmern mit auf den Web gibt: «Weniger ist oftmals mehr!»