Natur

Kleines Naturparadies von nationaler Bedeutung

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Vom Weidenpalast gibt es viel zu entdecken.

Vom Weidenpalast gibt es viel zu entdecken.

Die Aue Chly Rhy in Rietheim ist ein wohltuender Erholungsraum und bietet zugleich unzählige Möglichkeiten, die Natur von der schönsten Seite zu sehen sowie die Tier- und Pflanzenwelt zu allen Tages- und Nachtzeiten hautnah zu erleben.

Es ist kurz nach Mittag. Der Himmel ist an diesem Tag bedeckt. Doch der Frühling zeigt sich trotzdem von seiner besten Seite für eine kleine Exkursion durch die Aue Chly Rhy in Rietheim. Die 35 Hektaren grosse Aue und der 1,5 Kilometer lange Seitenarm Chly Rhy gehören zu den grössten im Aargau und sind zugleich von nationaler Bedeutung sowie Bestandteil des Auenschutzparks Aargau. Üppig blühende Magerwiesen grenzen an frisch gesäte Äcker. Die kleinen und grösseren Stillgewässer sind mit Blütenstaub und Wasserpflanzen bedeckt. Das Wasser in den Bächen der Aue und im Rhein fliesst ruhig. An den Bäumen und Sträuchern spriessen Blätter in verschiedenen zarten Grüntönen. Kahle abgestorbene Bäume im Gebüsch oder im Wasser liegend bilden dazu einen Gegensatz – alles ist vergänglich.

«Das ist das Werk des Bibers. Hier in diesem Gebiet ist er mit seinen scharfen Zähnen als Baumeister der Aue sehr willkommen», sagt Ulysses Witzig, Geschäftsführer creanatira und Projektleiter Pro Natura Aargau. Der Biber nagt Bäume und Sträucher um und hinterlässt sichtbare Spuren, sei dies mit gefälltem Holz oder mit Wegspuren. Zu dieser Tageszeit lässt er sich jedoch nicht blicken. «Wer Glück hat, kann den Biber bei der Arbeit in der Dämmerung beobachten. Auch Hermeline und Iltisse streifen durch die Gegend.» So vielseitig, wie die Auenlandschaft sich zeigt, sind auch die Bewohner.

Die Biber sind die grossen Baumeister der Aue.

Die Biber sind die grossen Baumeister der Aue.

Bunker als Hotel für Insekten

«Vor drei Jahren sah das renaturierte Naturschutzgebiet kahl aus. Wir waren gespannt, wie kreativ die Natur sich wieder ihren natürlichen Weg durch die Aue sucht», sagt Ulysses Witzig. Wir stehen auf dem alten Militärbunker. Dieser dient jetzt als Aussichtsturm und gleichzeitig als Insektenhotel, denn er wurde zur Verschönerung mit Holzstämmen und Insektenschlupfkästen eingekleidet. Der Blick in die Landschaft ist ein Erlebnis für alle Sinne. Aus den nahe gelegenen Tümpeln ist ein Konzert der Frösche zu hören, welches begleitet wird von Vogelgezwitscher in allen Tonlagen. Sogar der Kuckuck gibt an diesem Nachmittag eine Soloeinlage und Ulysses Witzig greift sofort in die Tasche. Er lacht. «Ja, ich habe Geld im Sack. So wird mir dieses Jahr nie das Geld ausgehen, wie es in einem alten Sprichwort heisst.» Der Chly Rhy ist wie der Klingnauer Stausee nicht nur für einheimische Vögel eine Oase, sondern beide Naturschutzgebiete dienen vielen Vogelarten als Rastplatz auf ihrem Weg von Süden nach Norden und umgekehrt.

Auch der Baumfalke lässt sich gerne hier nieder.

Auch der Baumfalke lässt sich gerne hier nieder.

Emsiger Eisvogel

Plötzlich schimmert es blau über dem Wasser. Es ist einer der Eisvögel, welcher sein Nest in einer Steilwand gebaut hat. Wahrscheinlich ist dieser auf der Nahrungssuche. «Bis zu hundert kleine Fische kann der Eisvogel für sich und seine Jungen am Tag fangen.» Fische gibt es in Hülle und Fülle in den Bächen und in den Teichen. Oft schwimmen sie sichtbar am Rand. Viele Seefische, unter anderem Hechte, Karpfen, Schleie, Alet sowie die vom Aussterben bedrohten Fische des strömenden Rheins wie Nasen und Lachse, sind hier beheimatet.» Zwei ungewöhnliche Freunde fühlen sich in den kleinen Buchten der Aue wohl: Am kleinen Bitterling docken sich die kleinen Teichmuscheln an. «Beide sind voneinander abhängig, denn der Fischlaich wird in der Muschel sicher schlüpfen. Auch die Muschel ist für ihre Ausbreitung vom Fisch abhängig.»

Der Chly Rhy ist ein Fisch-Eldorado für Eisvögel.

Der Chly Rhy ist ein Fisch-Eldorado für Eisvögel.

Grossartiger Ausblick vom Weidenpalast

Ein Eldorado für selten gewordene Amphibien ist das Gebiet im hinteren Teil in der Nähe des Weidenpalastes, von dem man einen fantastischen Rundblick geniessen kann. Dazu gehören die Gelbbauchunke, verschiedene Molcharten mit ihren gepunkteten Rücken und Ringelnattern. Ulysses Witzig kommt pro Monat ein- bis zweimal hierher und nimmt sich Zeit, um die faszinierende Landschaft mit seinen Auenbewohnern zu beobachten. «Der Naturpark ist ein guter Ort zum Entschleunigen. Je mehr Zeit man sich nimmt, um an einem Ort stehen zu bleiben, desto mehr kann man entdecken.» 

Wir befinden uns auf dem Rückweg von der «Blauen Lagune» zum Parkplatz. Ulysses Witzig macht eine seltene Entdeckung und freut sich. Für einmal flitzt der Flussregenpfeifer nicht auf den Kiesbänken umher, sondern er lässt es sich auf dem kahlen Acker am üppig gedeckten Vogeltisch mit Würmern und anderen Insekten schmecken.

www.auenrietheim.ch
www.pronatura-aargau.ch

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