Der kleinste Turm steht in Spreitenbach: Der Kapfturm ist mit seiner Gesamthöhe von 7 Metern der Zwerg unter den Türmen. Gefolgt wird er vom Chly-Rhy-Auen-Turm in Rietheim, dessen Aussichtsplattform auf 5 Metern über Boden liegt. Diese Türme sind - wie der 10-Meter-Holzturm von Böttstein am Klingnauer Stausee - eigentliche Beobachtungstürme.

So richtig hoch ist der Esterliturm in Lenzburg. Die Spitze der Stahlbetonkonstruktion erreicht 48 Meter, die Plattform liegt auf 45 m Höhe. Weiter folgen der Baldegger Wasserturm in Baden mit 38 Metern Höhe und der Maiengrünturm bei Hägglingen mit 35 Metern Höhe. Einige der bekannten Türme haben schon ein stattliches Alter, so wurde der Reinacher Hombergturm (17 m) bereits 1910 aufgerichtet. Nur wenig jünger ist der Sonnenbergturm (21 m) von 1913. Er steht auf dem höchsten Punkt der Gemeinde Möhlin, auf der «Fricktaler Rigi». Der älteste Aargauer Turm ist der Baldegger Restaurantturm (12 m) bei Baden, er kann seit 1905 bestiegen werden und liegt in der Nähe des Wasserturms von 1985.

Der Turm auf dem Maiengrün von 1929 steht auf der Hochwacht, einem Gebiet, das einst dem Kloster Muri gehörte. Während des 2. Villmerger Krieges von 1712 soll der Beobachtungspunkt Maiengrün eine wichtige Rolle gespielt haben. Der Hägglinger Gemeindammann und Grossrat Johann Huber hat 1892 hier Grundstücke erworben und sie zur Hochwacht vereinigt. 1913 liess er hier einen ersten, 13 m hohen hölzernen Turm errichten 1929 wurde dieser durch eine Stahlkonstruktion ersetzt. Der Reinacher Homberg war im bernischen Alarmsystem ein wichtiger Punkt, hier war eine «Hochwacht» mit einem Wachtposten eingerichtet. Seit 1910 steht hier ein 17 m hoher Turm. Bekannt geworden ist der Esterliturm in Lenzburg nicht nur wegen seiner Höhe von 48 m, sondern auch wegen des Sportlers Kurt Hess aus Unterkulm. Hess holte sich hier 2007 den Weltrekord im Treppensteigen. Innert 24 Stunden rannte er 413-mal auf den Esterliturm und bewältigte dabei eine Höhendifferenz von 37 170 Metern.

Vier Wanderrouten, die an einem Turm vorbeiführen

Viele der Aussichtstürme sind direkt und einfach zu erreichen. Meist führt ein Wander- oder Spazierweg von einem Parkplatz hin zu dem Aussichtspunkt. So richtig Freude machen das Besteigen eines Turms und das Geniessen der Aussicht natürlich dann, wenn der Turm auf dem Scheitelpunkt einer Wanderung steht. Vier Vorschläge zu bekannten Aussichtstürmen folgen dieser Idee:

1. Von Zetzwil über den Reinacher Homberg nach Beinwil am See

2. Von Hausen über die Reuss und die Baldegg nach Baden

3. Von Mellingen übers Maiengrün nach Lenzburg

4. Von Elfingen zum Chaisacherturm und nach Mönthal


1. Von Zetzwil über den Reinacher Homberg nach Beinwil am See

Gleich vis-à-vis dem Bahnhof Zetzwil steigt der Wanderweg leicht an zum ersten Zwischenziel, dem Weiler Seeberg oberhalb der Gemeinde Leimbach. Beim Waldeingang, wo der Weg zum Homberg nochmals ansteigt, weist ein gelber Pfeil nach rechts: Nur 200 Meter sind es bis zum Leimbacher Strohdachhaus. Erbaut worden ist das Gebäude im Jahr 1783. Es ist ein typisches Hochstudhaus, die älteste im Aargau bekannte Hausform. Besichtigungen sind auf Anfrage bei der Gemeindekanzlei möglich. Nach der Besichtigung kehrt man auf die Hombergroute zurück und steigt zum Oberflügelberg, dem Weiler mit dem Gasthof Homberg, auf. 400 Meter südlich, am Ende des Hochplateaus, steht der Aussichtsturm (Hochwacht, 788 m). Der Homberg ist zwar nicht der höchste Berg im Aargau, aber einer der bekanntesten. Von der obersten Plattform auf 17 Metern Höhe kann man einen Rundblick geniessen. Eine Panoramatafel weist darauf hin, was je nach Witterung zu sehen ist oder wäre. Im Hintergrund erblickt man von Osten her die ganze Alpenkette: Säntis, Glärnisch, Titlis bis zu den Berner Alpen. Im Nordwesten sind die Juraketten zu erkennen. Am Fuss des Turms laden mehrere Grillplätze und Spielgeräte für Kinder zum Verweilen ein. Der Abstieg nach Beinwil führt südöstlich  am Gehöft Biswind vorbei talwärts ins Dorf hinunter bis zum Bahnhof. Eine Variante ist der Abstieg nach Reinach.


2. Von Hausen über die Reuss und die Baldegg nach Baden

Diese Wanderung führt von Hausen im Eigenamt am Nordende des Birrfelds ostwärts nach Baden. Hundert Meter nördlich der Postautohaltestelle in Hausen biegt der Wanderweg nach rechts von der Hauptstrasse ab und steigt an. Durch den Nordhang des Eitenbergs erreicht man Müllingen. Die Route führt quer durchs Dorf an die Reuss hinunter. Über die Autobrücke gelangt man nach Birmenstorf. Im Nordosten des Dorfes beginnt der steile Aufstieg durch die Rebberge hinauf bis zum Weiler Petersberg auf 536 Metern. Rebbau wird in Birmenstorf seit Jahrhunderten betrieben. Bald erreicht man die Baldegg und hat die Möglichkeit, den Wasser- und Aussichtsturm aus dem Jahr 1985 zu besteigen. Zum Restaurant auf der Baldegg gehört der älteste Aargauer Turm von 1905 mit 12 Metern Höhe. Von der Baldegg führt die Wanderroute in Baden direkt an der Ruine Stein vorbei. Da bietet sich ein Abstecher auf die Terrasse geradezu an. Eine steile Treppe führt von der Ruine mitten in die Altstadt hinab, der Bahnhof Baden ist in wenigen Minuten erreicht. 


3. Von Mellingen übers Maiengrün nach Lenzburg

Ausgangspunkt ist der Bahnhof Mellingen-Heitersberg. In knapp 20 Minuten erreicht man auf  dem markierten Wanderweg das Städtchen Mellingen. Die Kleinstadt hat heute 5380 Einwohner. Im Mittelalter lag die Stadt nur am linken Reussufer. Das Stadtrecht erhielten die Melliger 1296 von den Habsburgern, seit 1803 gehört Mellingen zum Kanton Aargau. Der Weg führt im Westen aus der Stadt in Richtung Wohlenschwil und steigt zum Weiler Igelweid (509 m) hinauf. Nach weiteren 1,5 km erreicht man den Ausflugspunkt Maiengrün mit Aussichtsturm, Restaurant und Kinderspielplatz. 35 Meter hoch ist der Aussichtsturm aus dem Jahr 1929. Eine fantastische Rundsicht, Alpenkranz, Jura und Schwarzwald, öffnet sich, steht man einmal auf der obersten Plattform des Turmes. Vom Maiengrün führt der Wanderweg durch den Wald nach Othmarsingen hinunter. Beim Bahnhof unterquert man sowohl Bahngleis als auch Autobahn. Die Route führt parallel zum Autobahnviadukt ins Bünztal hinab und geht weiter durch den Lindwald bis zum Lenzburger Römerstein. Hier findet sich ein lauschiger Rastplatz bei einem erratischen Block, auf den schon Generationen von Kindern geklettert sind. Vom Römerstein führt der Weg durch den Wald auf die Schützenmatte und weiter ins Städtchen Lenzburg und zum Bahnhof.


4. Von Elfingen zum Chaisacherturm und nach Mönthal

Diese Wanderung im Jurapark Aargau beginnt in Elfingen, Postautohaltestelle Sternen (Linie 137 von Brugg). Der Weg führt aus dem Dorf in nordöstlicher Richtung an den Rebbergen vorbei zum Weiler Sennhütten hinauf. Hier lädt das Sennhüttenstübli mit Gartenwirtschaft zur Rast ein. Ein kurzer Abstieg führt zur Hauptstrasse Elfingen-Mönthal auf der Ampferenhöhe. Die Route geht weiter über den Dimmis nach Neumatt, unmittelbar vor dem Hügelzug Chaisacher. Hier verlässt man die gelb markierte Route und folgt den weissen Pfeilen zum Chaisacherturm hinauf. Der Chaisacher ist ein markanter Jurahügel mit 698 m Höhe. Nebst einer Sternwarte steht in deren Nähe, auf dem höchsten Punkt, seit 2010 ein neuer, moderner Aussichtsturm. Er ist 25 Meter hoch und überragt den Wald um rund 7 Meter. Von der Plattform aus hat man eine einmalige Rundsicht bis in die Alpen, den Schwarzwald und die Vogesen. Man erhält auch einen Einblick auf die näher liegende landschaftliche Vielfalt dieses Schutzgebietes von nationaler Bedeutung.
Vom Turm aus geht es zuerst weiter ostwärts auf dem Grat ins Gebiet Unter Chaisacher, dann an der Lichtung Bannhalde vorbei in Richtung Bürersteig. Bei Punkt 550 betritt man die Hauptstrasse, die nach Mönthal hinunterführt. Allerdings zweigt auf der Höhe der Kiesgrube ein Feldweg ab und man gelangt direkt ins Zentrum von Mönthal. Die kleine Gemeinde mit 400 Einwohnern liegt in der obersten Mulder der Ampferenhöhe, einen Übergang, der das Aaretal mit dem Rheintal verbindet.