Die topografische Vielfalt, die unterschiedlichen Bodenverhältnisse entlang von Flüssen und Seen oder an den Jurahängen sowie die mikroklimatischen Gegebenheiten führen dazu, dass der Weinbau im Aargau vor allem aufgrund seiner Vielfalt den Anspruch erheben kann, in der Deutschschweiz einzigartig zu sein. Die Winzerinnen und Winzer zeigen Jahr für Jahr, dass es möglich ist, herausragende Leistungen zu erbringen. Für ein gutes Image und eine vortreffliche Qualität der Aargauer Weine wurde in den letzten Jahren viel unternommen.

Weinbaukanton Aargau

Mit einer Rebfläche von knapp 400 ha ist der Aargau heute hinter den Kantonen Zürich, Schaffhausen und Graubünden der viertgrösste Deutschschweizer Weinbaukanton.
Der Kanton verfügt über eine grosse Weinvielfalt. Zwei Drittel der Rebfläche sind mit blauen Sorten bestockt, ein Drittel mit weissen Trauben. Aktuell sind im Aargau über 60 verschiedene Rebsorten zu finden, aus denen durchschnittlich rund 18'500 hl Wein gekeltert werden. Es werden vor allem zwei Hauptsorten angebaut, der Blauburgunder und der Riesling-Sylvaner. Diese Sorten erwiesen sich offensichtlich als geeignete Pflanzen für das aargauische Anbaugebiet. Andere Sorten wie Sauvignon blanc und Chardonnay, aber auch Pinot gris, Gewürztraminer oder Räuschling werden zunehmend als Spezialitäten angebaut. Zusätzlich kommen vermehrt auch neue, robuste Sorten zum Einsatz.

Nachhaltiger Anbau

Für die Aargauer Weinbaubetriebe ist nachhaltiger Weinanbau schon lange ein Thema, um nicht zu sagen, eine Selbstverständlichkeit, denn ein guter Wein hat seinen Ursprung immer in einem sauber gepflegten Rebberg und in einem ausgeglichenen Ökosystem. Der Aargauer Weinbau fusst heute zu nahezu 100 Prozent auf der naturnahen, umweltschonenden Integrierten Produktion. Viele Weine sind – als Zeichen für die Einhaltung vorgegebener Qualitätskriterien – mit dem Label Biosuisse, Demeter, Fair ’n’Green oder Vinatura ausgezeichnet.

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Aargauer Weinbau hat auch eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung. Anbauflächen, Erntemengen sowie die produzierten Weinmengen ergeben bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 13 Franken pro Flasche einen jährlichen Gesamtbruttoumsatz von 36 bis 40 Mio. Franken. Der allgemeine Weinkonsum sinkt zwar seit einigen Jahren, aber die Nachfrage nach heimischem Wein steigt trotzdem, auch wenn der Aargauer Wein vor allem im Kanton getrunken wird.

Branchenverband Aargauer Wein

Die Aargauer Weinbaubetriebe werden vom Branchenverband Aargauer Wein vertreten. Heute sind im Verband die meisten der rund 600 Winzerinnen und Winzer sowie weitere wichtige Akteure wie Weinbaugenossenschaften und der Weinhandel zusammengeschlossen. Der Branchenverband feierte 2017 sein 150-jähriges Bestehen. Ziel des Verbands war damals und ist heute noch, die Interessen des aargauischen Weinbaus nach aussen zu vertreten sowie die Qualität des Weines auf hohem Niveau zu halten. Alle Massnahmen des Verbands sollen dazu beitragen, dass die Position und Stellung der Aargauer Weine gegenüber ausserkantonalen wie auch ausländischen Weinen behauptet oder sogar verbessert wird.

Herausforderungen der Zukunft

Die Branche steht vor grossen Herausforderungen: Im europäischen wie auch im schweizerischen Vergleich sind die Produktionskosten im Aargau relativ hoch. Die hohe Nachfrage nach Aargauer Qualitätsweinen und insbesondere das konsequente Streben nach Verbesserungen lassen die Preise für einheimische Produkte aber als moderat erscheinen. Auch der Umgang mit neuen Krankheiten und Schädlingen wie beispielsweise der Kirschessigfliege sowie der wohl überlegte, aber nicht vollständig vermeidbare Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfolgt in vorbildlicher und naturschonender Art und Weise.