Wahlen 2019

Die Ausgangslage im Kanton Thurgau – es tut sich etwas im Staate Thurgau

Wahlen sind im Thurgau selten spannend. Doch dieses Mal spekuliert alles über einen Sitzverlust der SVP.

Die Ausgangslage im Kanton Thurgau

  • Nationalrat: 6 Sitze, Verteilung: 3 SVP, 1 CVP, 1 FDP, 1 SP, Rücktritte: Markus Hausammann (SVP)
  • Ständerat: 2 Sitze, Verteilung: 1 CVP, 1 SVP, Rücktritte: Roland Eberle (SVP)
Muss er am 20. Oktober einen Sitzverlust erklären? Ruedi Zbinden, Präsident der SVP Thurgau.

Muss er am 20. Oktober einen Sitzverlust erklären? Ruedi Zbinden, Präsident der SVP Thurgau.

Böse Zungen behaupten, im Kanton Thurgau müsse gar nicht gewählt werden. Es stehe sowieso immer alles vorher schon fest. Böse − aber zumindest statistisch gut abgestützt. Sechs Sitze hat der Kanton im Nationalrat. Und in den letzten 40 Jahren wurden im Gefolge von eidgenössischen Wahlen ganze fünf Sitzverschiebungen gezählt. Der Rest war Stabilität pur.

Die Chronisten hatten etwas zu melden

Allerdings: Es tut sich etwas im Staate Thurgau. Anlässlich der letzten beiden Nationalratswahlen 2011 und 2015 konnten die Chronisten jedes Mal echte Neuigkeiten vermelden. Zuerst schnappte dank einer grossen Listenverbindung der kleinen Parteien die GLP der FDP ihren angestammten Nationalratssitz weg. Die Freisinnigen waren in einem Anflug von politischem Übermut ohne die traditionelle Listenverbindung mit der SVP angetreten und mussten sich prompt geschlagen geben. Vier Jahre später machten sie es dann − zurück in der gewohnten Allianz − wieder besser: Der Sitz wanderte vom glücklosen GLP-Nationalrat Thomas Böhni wieder zur FDP.

© CH Media

Und auch mit Blick auf die Wahlen in diesem Herbst gibt es einige Politbeobachter, die sich erneut eine Sitzverschiebung in der Thurgauer Nationalratsdelegation vorstellen können. Im Blickpunkt steht die kantonale SVP, die mit drei Mandaten seit zwanzig Jahren die Hälfte der Nationalratssitze hält. Spekulationen, dass es bald einer weniger sein könnte, werden zum einen durch die schlechte Performance der nationalen SVP angeheizt. Das umstrittene Apfel-Plakat, im Obst-Kanton Thurgau ein absolutes Unding, lässt grüssen. Dazu kommt, dass der bisherige Nationalrat Markus Hausammann eine erneute Kandidatur in den Wind geschlagen und allein auf die Karte Ständerat gesetzt hatte. Dort aber parteiintern den Kürzeren zog.

Nun fehlt der kantonale Bauernpräsident als Wahllokomotive für den Nationalrat. Richten müssen es die beiden Bisherigen Verena Herzog und Newcomerin Diana Gutjahr. Gutjahr ist selber erst seit 2017 im Parlament und für Hansjörg Walter nachgerückt. Gegen die These eines Sitzverlustes der SVP spricht, dass es der letzte verbliebene Sitz der Thurgauer Bauern ist, der am 20. Oktober auf dem Spiel steht. Entsprechend gross dürfte die Mobilisierung der Basis sein, um weiterhin einen der Ihren nach Bern zu entsenden.

© CH Media

Klar hingegen ist, wer profitieren dürfte, falls die SVP wider Erwarten doch einen Sitz abgeben müsste. Links-Grün hat zur traditionellen Listenverbindung von SP und GP zusammengefunden und erstmals auch die GLP an Bord genommen. Zusammen hofft das Trio auf so viel politischen Rückenwind, dass es neben dem SP-Sitz der langjährigen Nationalrätin Edith Graf-Litscher zu einem weiteren Mandat reicht. Für die rechnerisch aussichtsreichste Variante, nämlich zusammen mit den Grünliberalen und ohne SP ein Päcklein zu machen und damit faktisch den SP-Sitz anzugreifen, war die grüne Basis nicht zu haben. Zu gross war in ihren Augen die Gefahr, dass letztlich der umtriebige und dauerpräsente GLP-Kantonsrat Ueli Fisch und nicht die GP selbst in die Kränze kommen könnte.

Alle wollen in den Ständerat

Erfrischend verläuft auch der Ständeratswahlkampf, denn es gibt etwas zu gewinnen. Weil das Thurgauer Polit-Schwergewicht Roland Eberle (SVP) seinen Sitz im Stöckli räumt, sind die Kandidatinnen und Kandidaten reihum in den Ring gestiegen. Allerdings dürfte es die Konkurrenz schwer haben, an Regierungsrat Jakob Stark vorbeizukommen, den die SVP mit der Mission Sitzverteidigung beauftrag hat. Stark, ein Allrounder, der schon drei Departemente geleitet hat, scheint für den Ständeratsjob prädestiniert. Er tritt gemässigt auf und ist bis weit in die politische Mitte wählbar. Das Ziel von Nina Schläfli (SP), Ueli Fisch (GLP) und Kurt Egger (GP) kann wohl nur heissen, einen zweiten Wahlgang herauszuholen. Während die amtierende Ständerätin Brigitte Häberli-Koller (CVP) dem bunten politischen Treiben entspannt zuschauen kann. Sie sitzt fest im Sattel.

Thurgauer Politikerinnen und Politiker, die zu reden geben

© Reto Martin

Sie ist die einzige Frau im Stöckli, die wieder antritt: CVP-Ständerätin Brigitte Häberli-Koller. Politisch völlig unbestritten, spricht alles dafür, dass sie erneut gewählt wird.

© Andrea Stalder

Er dürfte das neue Thurgauer Gesicht im Ständerat sein: Regierungsrat Jakob Stark (SVP). Seit 2006 sitzt Stark in der Kantonsregierung und hat bereits drei Departemente geführt.

© Donato Caspari

Noch nicht lange dabei und schon aufgefallen ist Nationalrätin Diana Gutjahr (SVP). Die Newcomerin wird im Wahlkampf von einem SRF-Fernsehteam begleitet.

© Andrea Stalder

Der Unternehmer und GLP-Kantonsrat Ueli Fisch hat wohl die grössten Wahlchancen, sollte das grüne Lager sein Wahlziel erreichen und der SVP einen Nationalratssitz abnehmen.

(Bild:Key/Alessandro della Valle)

(Bild:Key/Alessandro della Valle)

Weil sein Vorgänger Hermann Hess im Nationalrat nicht glücklich geworden war, rückte bereits in der Legislaturhalbzeit Hansjörg Brunner für die FDP Thurgau ins Parlament nach.

Edith Graf-Litscher, Präsident der nationalrätlichen Verkehrskommission und Gewerkschaftssekretärin beim SEV, der Gewerkschaft des  Verkehrspersonals.

Edith Graf-Litscher, Präsident der nationalrätlichen Verkehrskommission und Gewerkschaftssekretärin beim SEV, der Gewerkschaft des Verkehrspersonals.

Sie musste vorübergehend zittern: Doch mit der jetzt zu Stande gekommenen Listenverbindung ist die langjährige SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher wieder so gut wie gewählt.

Die Video-Analyse von TZ-Chefredaktor Dave Angst:

Die Ausgangslagen in den anderen Ostschweizer Kantonen:

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