Vor 18 Jahren übernahm Uwe Block (57) den Mordfall Nicole Denise Schalla. Zu diesem Zeitpunkt war die Schülerin schon seit 7 Jahren tot: Am 14. Oktober 1993 war die 16-Jährige in Dortmund abends von einem Mann in ein Gebüsch gezerrt, vergewaltigt und erwürgt worden. Er war nach ihr aus dem Bus gestiegen und verfolgte sie, ehe er sie nur 20 Meter von der Bushaltestelle entfernt attackierte. Ihr Leichnam wurde am nächsten Morgen gefunden.

Die Tat liess den Dortmunder Kriminalhauptkommissar nie los. "Die Akten standen über all die Jahre in meinem Büro", sagte Uwe Block an der Pressekonferenz in Dortmund, an der die Ermittler mitteilten, dass sie den mutmasslichen Mörder von Nicole nach fast 25 Jahren mit einer neuen DNA-Methode überführt und in Münster festgenommen haben. Es handelt sich um Ralf H., einen 52-jährigen Sozialhilfe-Empfänger. 

"Es war ein ganz tolles Gefühl", sagte Block zum Onlineportal von "Der Westen" über die Festnahme. "Insbesondere weil ich über all die Jahre einen sehr guten Kontakt zur Familie Schalla hatte. Ich habe ihnen immer gesagt, dass wir noch etwas tun."

So ein Fall beschäftige einen schon mehr als andere, sagte er zu "Bild": «Nicole-Denise war jung, hatte das ganze Leben noch vor sich.»

Freundin völlig überrascht

Die Ermittler wendeten eine neue DNA-Methode an, den Einzelschuppennachweis. Dadurch fanden sie eine winzige Hautschuppe und konnten die DNA herauslösen. Diese wiederum ergab in der Datenbank einen eindeutigen Treffer. 

Der Täter kam 2003 wegen sexueller Nötigung für zwei Jahre ins Gefängnis. Er hatte mehrere Frauen von hinten attackiert. Das Gericht ordnete anschliessende Sicherungsverwahrung an. Aus dieser wurde er sechs Jahren später im Jahr 2011 entlassen. In diesen Jahren wurde seine DNA festgestellt und in die Datenbank eingespiesen. Nach der Festnahme wurde ihm eine Speichelprobe abgenommen. Deren DNA bestätigte den Treffer. Dann informierten die Ermittler die Öffentlichkeit. Sein Aussehen passt zu den Angaben, welche die Zeugen, die damals im Bus sassen, gemacht hatten.

Nichtsdestotrotz bestreitet Ralf H. den Mord. Laut Block schaute dieser den Kommissar bei der Festnahme mit starrem Blick an und sagte sekundenlang nichts. Für seine Lebensgefährtin kam der Mordvorwurf aus dem Nichts. "Die Freundin war zunächst recht aufgebracht. Sie war vom plötzlichen Zugriff natürlich auch überrascht." Sie konnte sich nicht vorstellen, dass ihr Lebensgefährte eine solche Tat begangen hat. (pz)

Ab Minute 38: "Aktenzeichen xy ungelöst" über den Mordfall Nicole Schalla (08.04.1994)