Technikwoche
Kinder haben Spass an Technik

Eine 6. Klasse der Primarschule Hausen erlebte eine spannende Technikwoche Wie kommt der Schaum in den Mohrenkopf? Wie produziert man eine Musicstar-Sendung? Waren bei der ersten Mondlandung wirklich drei Fliegen dabei? Viele Fragen rund um Technik konnten nicht nur beantwortet, sondern praktisch erfahren werden.

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Technikwoche

Technikwoche

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Von Regula Zellweger

Seit über 25 Jahren finanziert die Organisation „IngCH - Engineers Shape our Future" jährlich bis zu dreissig Technikwochen für Mittelschulen und Pädagogische Hochschulen. Ziel ist die Nachwuchsförderung von Ingenieuren. Nun kam erstmals eine 6. Primarklasse in den Genuss einer solchen Woche. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich nicht nur während der Technikwoche Ende Mai intensiv und lustvoll mit Technik auseinander, bereits vorher befassten sie sich im Unterricht mit Ingenieurberufen und einem Schokoladeprojekt. Als Folgeaktivitäten sind ein Besuch bei Weiss Medien in Affoltern und ein Papiertechnologie-Workshop geplant. Vor den Sommerferien werden die Kinder ihre alten Schulhefte unter der Leitung von Peter Schmidt in frisch geschöpftes Papier verwandeln, eine symbolische Handlung für den Übergang in die Oberstufe.

Mohrenköpfe bei 30 Grad am Schatten

Am Montag reiste die Klasse nach Waltenschwil. Holly beschreibt: „Als wir in die Fabrik kamen, spürte ich, wie es am Boden klebrig war und der süsse Duft wurde noch stärker". In der Mohrenkopffabrik Dubler konnten die Kinder zuschauen, wie in riesigen Töpfen Zuckermasse zu weissem Schaum gerührt wurde. Die warme, klebrige Masse wurde dann mit Düsen präzis auf die kreisförmigen Bisquitunterlagen portioniert und platziert. Die quellende Masse formte sich automatisch zur typischen Mohrenkopfform. Die weissen Köpfe machten sich per Förderband auf den Weg zur Schokodusche, zum Trockenföhnen und Abkühlen. Fasziniert beobachteten die Kinder auch die rein mechanisch arbeitende Verpackungsanlage. Das Beste an der Sache jedoch war das Degustieren, draussen im Schatten.

Bericht vom «Inferno am Türlersee»

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich gut auf die Arbeit in der Media Factory im Verkehrshaus vorbereitet. Blitzschnell kapierten sie den Umgang mit Mikrophon und Mischpult. Sie produzierten Werbespots, Sportsendungen und stellten ein ganzes 10 vor 10 inklusive Wetterbericht zusammen. Sie bewegten sich sicher vor der Kamera und speicherten ihre Produkte auf ihre Sticks, um sie sich zuhause in aller Ruhe anzuschauen. „Wir wollten eine Shampo-Werbung machen, bei der wir unsere Haare schütteln mussten. Doch das wurde dann so peinlich, dass wir es löschten. Dann machten Petra und ich ein Interview. Das kam ziemlich gut heraus", schreibt Bina. Yannic und seine Kollegen hatten am Tag zuvor den Brand auf dem Campingplatz miterlebt. „Natürlich sprachen wir das aktuelle Thema vom Inferno am Türlersee an", berichtet er.

Nach einer kurzen Führung durchs Verkehrshaus, wo momentan vieles im Umbau ist, durften sich die Kinder selbständig ansehen, was sie interessierte. Die einen zog es zu den Schiffen, die anderen zu den Flugzeugen. Abgerundet wurde dieser erlebnisreiche Dienstag mit einem Besuch im IMAX-Kino. Mit 3-D Brillen auf den Nasen begleiteten die Schüler drei Stubenfliegen, sie sich selbst in eine Rakete geschmuggelt hatten, um an der ersten Mondlandung eines Menschen teilzunehmen. Witzige Unterhaltung, kombiniert mit Wissensvermittlung.

Schokolade wie Musik

Zwei Wochen zuvor haben die Klassen zwei Firmen gegründet, sich für einzelne Abteilungen beworben und bestimmt, wie ihr Produkt, Geschenkschokolade, aussehen sollte, beispielsweise ein Rechteck mit einer Musiknote. Sie hatten Form und Zielgruppen definiert und sich Slogans ausgedacht. Nun ging es darum, entsprechend der Zeichnung ein Modell, dann ein Positiv und schliesslich die Gussformen im Tiefziehverfahren herzustellen. Mit einem Heissluftföhn wurde die Folie erwärmt und mittels Staubsauger in die Form gezogen.

Eine zweite Gruppe designte die Verpackung und machte sich an die Massenproduktion der Geschenkschachteln, während die Gruppe, die für das Giessen der Schokolade verantwortlich war, sich erst einmal im professionellen Degustieren von Schokolade übte. Mancher Weinkenner würde staunen, wie aufmerksam und mit allen Sinnen Schokolade zum Teil blind getestet wurde.

Ganz fertig wurden die Produkte noch nicht an diesem Mittwochmorgen - aber Spass gemacht hat es auf alle Fälle.

Praktische Lösungen finden

Der Besuch im Technorama bot unzählige Möglichkeiten, Versuche selbst durchzuführen. „Es hatte voll coole Experimente. Es hatte eine grosse Glaskugel. Im Inneren der Kugel wurden Blitze nach aussen gestrahlt. Also konnte man die Hand an die Kugel halten, jemanden berühren, und wenn man jemanden berührte, bekam man einen ziemlich starken Zwick", beschreibt Severin. Michael hat das Karussell gefallen, wo die ganze Klasse die Creoliskraft und die Zentrifugalkraft erleben durfte: „Wir mussten versuchen, im Drehen zum Beispiel Hände und Füsse zueinander zu bringen. Dies war fast unmöglich, weil man durch das Drehen immer zur Seite fiel".

Roboter lernen gehorchen

Viele Kisten mit Lego Mindstorms Elementen und Laptops brachte der Amerikaner Vance Carter ins Schulhaus in Hausen. Ziel des Tages: Einen Roboter bauen und so programmieren, dass er beispielsweise Legoblöcke aus einem Viereck am Boden schiebt, dass er einen Ball in einen Behälter befördert und einer schwarzen Linie am Boden folgt. Unglaublich, wie schnell die Roboter Form annahmen und die Schülerinnen und Schüler sie an den Computer andockten, um zu programmieren. Eine erste Klasse kam gleichzeitig zu Besuch, und es war rührend, zu sehen, wie die sonst doch recht wilden Sechstklässler den Kleinen liebevoll erklärten, wie man Roboter baue. Nach wenigen Stunden schon Robotikexperten!

Kinder haben von klein auf Spass an Technik. Idealerweise geht dieser im Lauf der Schulzeit nicht verloren. Tüfteln, ausprobieren, entwickeln, mit Denken und Handeln praktische Lösungen finden - all das mögen Kinder. Zum Glück, denn viele der heutigen Kinder werden sich in Zukunft beruflich mit Technik befassen.