Brittnau
Ermittlungen zu Brittnauer Mordfall: «Diese Fragen waren das Allerletzte»

Mitte April schockierte im Aargau der Mord am Brittnauer Willi Moor. Tage später verhaftet die Kantonspolizei den Täter. Jetzt wird bekannt: Auch der Brittnauer Bauer Walter Weber wurde verdächtigt, weil er auf seinem Land ein Asyldorf wollte.

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Mitte April 2012 wird Willi Moor tot in seiner Wohnung in Brittnau aufgefunden – von einer unbekannten Person ermordet. Kurze Zeit später verhaften die Ermittler einen Marokkaner in der Asylunterkunft in Muri. Der 27-jährige mutmassliche Täter gesteht in darauffolgenden Befragungen, für den Tod des 63-jährigen Schweizers verantwortlich zu sein.

Nur zwei Tage vor dem Mord schlägt der Brittnauer Bauer Walter Weber in der Aargauer Zeitung vor, man könnte auf seinem Land Wohncontainer für Asylbewerber aufstellen. Nach dem Mord wurde es dem Bauer Weber zu viel und er begrub sein Projekt.

Antworten auf über 50 Fragen

Erst jetzt wird klar, weshalb: Die Ermittler kontaktierten Bauer Weber nach dem Brittnauer Mord und luden ihn letzten Herbst zu einer Einvernahme ein.

Der Ermittler sei bei der Einvernahme freundlich gewesen. Aber die Fragen, die er stellte, seien «das Allerletzte» gewesen, beklagt sich Bauer Walter Weber gegenüber Tele M1. So musste er beispielsweise über seine sexuellen Vorlieben Auskunft geben.

«Ob ich homosexuell oder heterosexuell bin, diese Frage empfand ich als zu viel», wehrt sich der Bauer.

«Ich glaube, sie wollten mich in U-Haft nehmen»

Die Ermittler wollten im Zusammenhang mit dem Mord auf über 50 Fragen eine Antwort des Bauers. Weber nahm erst jetzt mit den Medien Kontakt auf, weil er aufgrund laufender Ermittlungen ein halbes Jahr über seine Befragung schweigen musste.

Der Brittnauer Landwirt vermutet noch heute, dass er wegen seiner Asyldorf-Idee in Verdacht geraten ist: «Ich glaube, dass man mit irgendeiner Unsauberkeit versucht hatte, Anhaltspunkte zu finden, sodass man mich in Untersuchungshaft hätte nehmen können», sagt Weber.

Bei der Schwulenorganisation «Pink Cross» zeigt man sich empört über die Fragen der Ermittler nach den sexuellen Vorlieben eines Zeugen. Doch warum stellte man dem Brittnauer Landwirt diese Frage?

Die Aargauer Staatsanwaltschaft wollte auf Anfrage von Tele M1 keine Stellung zu diesem Fall beziehen. So heisst es lediglich: «Kein Kommentar.» (sha)