Nun wird der Schlüssel gedreht

Vor einem Jahr schockte die Lysser Feintool-Gruppe die Region mit der Ankündigung, die Tochterfirma Mühlemann zu schliessen. Jetzt geht ein Stück Biberister Industriegeschichte zu Ende.

Drucken
Nun wird der Schlüssel gedreht

Nun wird der Schlüssel gedreht

Solothurner Zeitung

Christof Ramser

Am 18. Dezember letztes Jahr wurde die letzte Maschine stillgelegt. Die Automationsanlage wurde zu einem Grosskunden nach Deutschland transportiert. Die betriebseigenen Maschinen wurden entweder verkauft oder über ein Auktionsbüro versteigert. Seit drei Monaten steht die Produktion in den ehemals pulsierenden Mühlematt-Werkhallen in Biberist still. Von den 200 Angestellten, die vor der angekündigten Werkschliessung vor rund einem Jahr in Biberist beschäftig waren, sind noch 30 vor Ort. Bis am 30. März erledigen sie vor allem Instandhaltungsarbeiten am Gebäude. Dann wird der Schlüssel definitiv gedreht. «Und die Räume werden besenrein abgegeben», sagt Karin Labhart, Mediensprecherin der Mühlemann-Mutterfirma Feintool.

Sozialplan nach Plan abgewickelt

Knapp die Hälfte aller Angestellten der Zulieferfirma für die Autoindustrie konnte weitervermittelt werden. Diese 100 Betroffenen wurden laut Dominik Lütolf, Leiter Personal der Feintool-Gruppe, in Firmen in der Region untergebracht. «Wir sind froh, dass das eingerichtete Jobcenter trotz angespannter wirtschaftlicher Situation einen Erfolg gebracht hat», sagt Lütolf. Zudem hätten alle 13 Lehrlinge eine neue Ausbildungsstelle gefunden.

Markus Baumann, Sekretär der Unia Solothurn, ist zufrieden mit der Abwicklung des Sozialplans, den die Gewerkschaft mit der Betriebskommission und der Feintool-Leitung ausgehandelt hatte. Die Vereinbarung sah unter anderem Abgangsentschädigungen in der Höhe von 3,9 Millionen Franken sowie einen Zuschlag zu den im Frühpensionierungs-Reglement der Feintool festgesetzten Leistungen für die Mitarbeiter ab 59 Jahren vor.

Erster Mieter eingezogen

Doch was passiert mit dem knapp 22000 Quadratmeter grossen Grundstück? Noch hängt ein grosses Transparent an der weinroten Fassade und weist darauf hin, dass Mietraum zur Verfügung steht. Das gesamte Gebäude zu verkaufen, sei kaum möglich, sagt Mediensprecherin Labhart. Als erster Mieter ist die Zuger Kunststoffspritzgiesserei Mythentec AG eingezogen. Die Feintool-Firmenleitung ist im Gespräch mit weiteren Interessenten.

Aktuelle Nachrichten