Der falsche «Seelendoktor»

Freude am Theaterspielen führte vor 15 Jahren zur Gründung der Turbenbühne Bellach. Freude wird sie den Besuchern auch heuer wieder bereiten mit der herzlichen Komödie «Der Neurose-Kavalier».

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Der falsche «Seelendoktor»

Der falsche «Seelendoktor»

Solothurner Zeitung

Agnes Portmann-Leupi

«Theaterspielen macht ganz einfach Spass.» Darüber sind sich die Mitglieder der Turbenbühne einig. Es sei die beste Möglichkeit, den Alltag hinter sich zu lassen. Nicht nur sei es spannend, eine andere Person zu verkörpern, sondern es tue schlicht dem Seelenleben gut. Diese Worte widerspiegeln sich in den Gesichtern der Beteiligten, die sich vor der Hauptprobe noch unbefangen inmitten des extravaganten Bühnenbildes aufhalten. Bei der Firma Stofer Wohn-Collection in Bellach durften die Theaterleute etwa das rote Sofa, den imponierenden Sessel und die silberglänzende Theke ausleihen.

In der Komödie «Der Neurose-Kavalier» ist aus dem Radio der psychotherapeutischen Praxis zu hören, dass ein als Weihnachtsmann verkleideter Dieb die Kasse im Ladendorf ausgeraubt habe. Auf der Flucht landet er in eben dieser Praxis. Von der koketten Sprechstundenhilfe Fräulein Engel (Lea Reimann) wird er für die Urlaubsertretung gehalten. Gauner Felix Bollmann (Giuseppe Graziano) wird so zum Neurosen-Kavalier und wendet als Doktor de Witt seine eigenen Methoden an. Nicht umsonst war schliesslich Tierarzt sein Traumberuf.

Neurosen und Ängste schwinden

Durchschlagend behandelt Bollmann die Autorin des Bestsellers «Sturm im Wasserbett», Claudia Carrera (Yvonne Pürro), die an einer Bikini-Neurose leidet. Helfen kann er dem an neurotischen Ängsten erkrankten Finanzbeamten Appelhans (Martin Pürro). Erfolg erzielt er bei der kleptomanischen Witwe Bast (Anita Reimann) sogar in knisternder, zwischenmenschlicher Hinsicht. Selbst der depressive Kriminalkommissar Maiwald (Präsident Bernhard Epp) blüht zu guter Letzt auf, nachdem er 46 lange Jahre vergeblich hoffte, einen Täter zu verhaften. Anstrengend wird es für den gewieften falschen Doktor, als der richtige Doktor de Witt (Christoph Tschui) auftaucht.

«Mich fasziniert die Wandelbarkeit der Spieler, und ich freue mich, wenn jeder in seiner Rolle wächst», sagt die Regisseurin Lotti Flury. Das heurige Stück sei besonders anspruchsvoll. Jeder durchlebe mehrere Facetten. Gerade diese Gemütsbewegungen verkörpern die Spielenden in der mit viel Witz und Pointen untermalten Komödie natürlich und überzeugend. Allen voran vollbringt der sympathische Gauner Bollmann mit rund 600 Einsätzen eine Glanzleistung. «Wir sind auch im normalen Leben ganz unterschiedliche Charaktere, das macht das Ganze spannend, braucht aber auch viel Toleranz und Akzeptanz», beschreibt die Regisseurin die insgesamt 33 Mitglieder der Turbenbühne.

Aufführungen Heute Freitag und morgen Samstag, 20 Uhr, Sonntag, 14. März, 14 Uhr.

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