1.Liga

Zuchwil Region gewinnt die grosse Finalissima gegen Lyss

So sollte Eishockey immer sein: Zuchwil Regio zeigte in der Seelandhalle gegen das starke Lyss eine begeisternde Leistung und gewann die grosse Finalissima 6:3. Goldmedaillen und ein grosser Pokal waren die ersten Belohnungen. Als Sieger der zentralen Gruppe der 1. Liga dürfen die Zuchwiler nun gegen Sierre und Wetzikon um den Schweizer Meistertitel der Amateure spielen.

Nach vier Spielen hiess es im Playoff-Final nach Siegen 2:2 und so waren Stimmung und Spannung in der Lysser Seelandhalle am Samstag schlicht phantastisch. Das hatten sich die beiden Teams mit ihren bisherigen Leistungen auch so verdient.

Jetzt ging es um alles oder nichts und da wurde nicht lang gefackelt. Lyss begann schwungvoll und nutzte die Überzahl gleich zum 1:0. Es sollte der Weckruf für die Zuchwiler sein, die sofort reagieren konnten. Das 1:1 gelang ihnen ebenfalls in Überzahl.

Mit Pirouetten schiesst man keine Tore

Im zweiten Drittel wurde wieder einmal die alte Weisheit bestätigt, dass eine Mannschaft mehr ist als die Summe der Einzelspieler. Lyss wirkte nämlich etwas eleganter und geschmeidiger, während Zuchwil mit Willen, Geradlinigkeit und Effizienz bestach. Plötzlich ging es sehr schnell und die Solothurner zwangen mit zwei Treffern das Glück auf ihre Seite.

Zur Spielmitte setzte sich Lyss minutenlang im Angriffsdrittel fest. Doch selbst eine kurze Phase der doppelten Überzahl nutzten die Seeländer nicht zum Anschlusstreffer aus. Da noch ein Schnörkel und dort noch eine Pirouette – so schiesst man keine Tore.

Kraft für Eleganz

Ganz anders Zuchwil, das mit geradlinigen Angriffen den Erfolg fand. So stand es in der zweiten Pause 1:4. Kevin Bösigers Schuss verkündete mit einem «Bling», dass er den Pfosten gestreift hatte. «Wäre der rein, hätte das wohl die Entscheidung bedeutet», sagte Walter Urlich, seit Jahrzehnten Präsident und der Macher im Hintergrund beim EHC Zuchwil Regio, vor dem  Schlussdrittel. «Wir haben noch nicht gewonnen, jetzt wird eine Reaktion kommen, die wir überstehen müssen.»

Obwohl kurz darauf das 1:5 fiel, sollte er beinahe Recht bekommen. Endlich ersetzte Lyss die Eleganz durch Kraft. Mit der Brechstange verkürzten die Seeländer auf 3:5. «Die sind jetzt total nervös, dort drüben», rief der Lysser Trainer Patrick Glanzmann seinen Spielern so laut zu, dass es auch die Gegner hören mussten.

Der Jubel kennte keine Grenzen

Dann lag da ein Zuchwiler auf der Torlinie und zwei Lysser stocherten auf ihn ein, um den Puck über die Linie zu zwingen. Die Schiedsrichter unterbrachen das Spiel und zogen sich in die Kabine zum Studium des Regelbuchs zurück. Penalty, lautete das Verdikt. Kaj Leuenberger gegen Sandro Zaugg. Der Zuchwiler Goalie wehrte zwei Minuten vor Schluss erfolgreich ab und gleich darauf traf Captain Marco Müller ins leere Tor zum 6:3 für Zuchwil.

Der Jubel der Solothurner kannte keine Grenzen. Vor drei Monaten schien der Erfolg in weite Ferne gerückt, es lief nicht optimal. «Manchmal waren in dieser Phase auch harte Worte nötig, und das hat gewirkt», erklärte Trainer Manfred Reinhard die unglaubliche Steigerung. «Jeder einzelne konnte sich steigern und die Mannschaft ist gereift.»

«Manfred Reinhard darf stolz sein, denn jeder einzelne Spieler hat in dieser Saison sehr viel gelernt und grosse Fortschritte gemacht», lobte Präsident Walter Ulrich. «Alle haben Tolles geleistet. Die Trainer, der Staff, die Mannschaft. Alle wollten diesen Titel und wir haben diesen verdient.»

Wie steht es um den Aufstieg?

Nun geht es gegen beiden anderen Gruppensieger Wetzikon und Sierre noch um den Titel des Schweizer Meisters der Amateure. Diesen Titel konnte Zuchwil Regio schon 2007 und 2008 gewinnen. Und so steht die Frage an den Präsidenten im Raum: Wie sieht es mit dem möglichen Aufstieg in die halbprofessionelle «MySports League» aus?

«Bevor wir darüber entscheiden, wird es noch eine Analyse brauchen. Wir müssten die Gegner kennen, um zu entscheiden, ob unser Verein einen solchen Aufstieg finanziell stemmen könnte oder nicht», blieb Präsident Walter Ulrich selbst im Moment der Euphorie nüchtern.

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