Dreimal den Sternensaal bis auf den letzten Platz gefüllt, das hat der Gemischte Chor Matzendorf in der 99-jährigen Geschichte so kaum je erlebt. Die Stimmung war locker und aufgeräumt, was der zum Teil frenetische Applaus der Zuschauer bestätigte.

Der vorausgehende Liederkranz des Chores, unter der Leitung von Susanne Tadge Schelhorn, versucht in zum Teil kecker Weise den Liebesweg von «Jack» nachzuempfinden. «Mit Lieb bin ich umfangen…», «…viel lieber möchte ich sterben…» als dich je zu verlieren. Aber nach der Liebe der hundert Arten auf Französisch gesungen («cent manières») wird Jack im «King of the road» zum Vagabunden. Das Solo des Jacks, alias Raphael der «Schöne» (Schöni), lässt den Sternensaal kochen. «Hit oft he road, Jack» zeigt, dass Rückkehr nicht immer möglich ist («I’ll have to pack my things and go»), oder werden mit «Drück die Eins» alle Probleme mit dem Telefon gelöst? «Wenn du mir sagen willst, dass du jetzt um mich weinst, drück die Eins», «…ist deine Kohle weg … ist es die Einsamkeit, die dir zu schaffen macht, drück die Acht». Vielleicht bleiben nach der grossen Liebe am Schluss mit «Souvenirs» nur noch die Erinnerungen…

Durch das Programm führt, locker und spontan, die Präsidentin vom «Gemischter Chor Matzendorf», Heidi Hertig-Käsermann.

«Jetz chunnts nid guet» von Armin Vollenweider ist ein «Schwank aus dem Leben», welcher der erprobten und erfolgreichen Theatergruppe des Gemischten Chors Matzendorf, unter der bewährten Regie von Fredy Jorns, auf den Leib geschrieben ist. Mit pointierten Auftritten, aber auch mit der gewohnt passenden Besetzung entlocken die einzelnen Schauspieler – Charakteren den Zuschauern nicht nur oft ein Schmunzeln, sondern auch spontane und bauchmuskelzehrende Lacher.

Der Kronenwirt Sepp Stalder (Hans Peter Christ) versucht die Kasse des heruntergekommenen Lokals mit illegalen Spielabenden im Säli aufzubessern. Seine beiden Freunde und Nachbarn, Metzgermeister Kari Sieber (Roger Kobel) und Rolf Unger (Mathias Roth), erwecken bei ihren Frauen Senta (Sonja Anderegg) und Rosa (Regula Fischer) grossen Frust. Als Sepp mit der Einstellung von Gabi Renfer (Nicole Neuschwander) und Bea Heller (Miriam Haefeli) mit einem nachhaltigen Gesundheitsprogramm für Männer aufwartet, scheint alles eine positive Wendung zu nehmen. Doch wo neue Lebensgeister erwachen, ist es mit der Eifersucht nicht weit her… Und durch das Auftauchen von Polizeiwachtmeister Emil Ötterli (Raphael Schöni) und der Gesundheitskommissarin Frida Felber (Ruth Zeltner) werden die Probleme für alle Beteiligten nicht weniger. Als Souffleuse unterstützt Ruth Schöni die Theatercrew.

Wird der tapsige, etwas vertrottelte und zu redselige Wachtmeister nach 28 Dienstjahren endlich einen Fall erfolgreich abschliessen…? Welche Erfolge winken der selbstbewussten, leicht hochnäsigen Gesundheitstante…? Und kann sich der schlitzohrige Wirt nach seinen Eskapaden und Lügen noch aus der immer enger werdenden Schlinge ziehen…? Die Antworten können die rundum zufriedenen Zuschauer nun kompetent geben.

Josef Bader