Die Tier-, Pflanzen- und Pilzwelt in unserem Land ist in ständigem Wandel. Die Verbreitungsgebiete von Arten verändern sich und passen sich neuen Verhältnissen an. Problematisch wird es dort, wo der Mensch Arten absichtlich oder unabsichtlich über natürliche Verbreitungsgrenzen hinweg transportiert und sich diese Arten invasiv entwickeln. Solche invasive gebietsfremde Arten können sich in einem Lebensraum fast ungestört vermehren und ausbreiten und verdrängen dadurch einheimische Arten. Invasive gebietsfremde Arten stellen deshalb eine der wesentlichen Bedrohungen für die Biodiversität dar. Eine aktive Bekämpfung ist also angezeigt, sei es in den Privatgärten, den öffentlichen Anlagen oder im Wald.

Die Neophytenproblematik stellt uns vor eine grosse Herausforderung. Zum Erhalt unserer heimischen Pflanzen- und Tierarten, naturnahen Lebensräume und dem vertrauten Landschaftsbild sowie zur Verhinderung von Ertragsausfällen in Land- und Forstwirtschaft, dem Schutz von Infrastrukturen und unserer Gesundheit, sind unbedingt Massnahmen gegen die Verbreitung der invasiven Organismen zu ergreifen.

Der Obst- und Gartenbauverein Lostorf hat vor einiger Zeit einen Vortrag zum Thema Neophyten organisiert. Dort kam der Wunsch von Teilnehmern auf, dass auch einmal ein praktischer Teil angeboten werden sollte. Dies hat der Verein nun in Angriff genommen und zusammen mit der Lostorfer Umweltkommission und der Waldarbeitsgruppe der Bürgergemeinde Lostorf einen ersten Neophytenbekämpfungsmorgen durchgeführt. Eine Gruppe von rund 16 motivierten Personen traf sich am 23. Juni, um im Gebiet der Vollenbrunnenquelle die sich dort stark ausbreitende kanadische Goldrute zu bekämpfen. Nach einer Instruktion durch Heinz Born machten sich alle ans Werk und rissen die Pflanzen behutsam aus, um auch alle Wurzeln zu erwischen. Wichtig ist sicher auch der Zeitpunkt der Bekämpfung. Um langfristig Erfolg zu haben, müssen die Pflanzen noch vor der Blüte entfernt werden. Schon schnell sah man einen gewaltigen Unterschied. Die grüne Fläche war nun kahl und einheimische Pflanzen können wieder Fuss fassen. Das Wetter war ideal, der Boden zum Glück noch feucht genug, um die Wurzeln auch zu entfernen und so bildeten sich schnell grosse Haufen von ausgerissenen Goldruten. Nach einem kurzen Imbiss ging es weiter, aber trotz hoher Motivation und fleissigem Arbeiten, konnte die Gruppe nicht alle Pflanzen entfernen. Die Organisatoren und Teilnehmer waren sich einig. Dieser Anlass muss, um langfristig erfolgreich zu sein, unbedingt wiederholt werden und zwar möglichst noch in diesem Jahr, um Jungpflanzen, die jetzt eventuell übersehen wurden oder neu ausgetrieben haben, sofort zu entfernen. Da wünscht man sich jedoch auch mehr Unterstützung der Gemeinde und vor allem noch mehr helfender Hände.

Kann denn nur die öffentliche Hand etwas zur Eindämmung von Neophyten unternehmen? Nein, auch Private können die Ausbreitung von invasiven Neophyten bremsen: dulden Sie keine Problempflanzen in ihrem Garten. Setzen Sie stattdessen auf einheimische, standortgerechte Pflanzenarten. Melden Sie Fundstellen von invasiven Neophyten dem Kanton oder der Gemeinde, oder packen Sie mit an beim nächsten Arbeitseinsatz zur Bekämpfung der invasiven Problempflanzen.

Damiano Cagnazzo