LunchLab zu „Holacracy – Arbeiten ohne Chef und Hierarchie“

Die Teilnehmenden waren bereits im Vorfeld aufgefordert, eine Einschätzung abzugeben zur Frage, ob Arbeiten ohne Chef und Hierarchie möglich sei. Bei LunchLab, der Eventreihe von Coworking Uferbau und Trans4m rund ums Thema Arbeitswelt der Zukunft, ist der Austausch untereinander ein wichtiger Bestandteil. Die Meinungen gingen auseinander. Von „skeptisch, es wird immer Alphatiere geben“ bis „Ja, Autorität kann in Teams verteilt sein“ gab es sehr viele unterschiedliche Rückmeldungen. Eine spannende Ausgangslage für diesen Event.

Doch vor der kontroversen Diskussion galt es, einen Überblick über dieses System von Selbststeuerung zu gewinnen. Daniel Sigrist, ein Holacracy-Experte, der bei Swisscom und in anderen Unternehmen, auch KMU's, die Entwicklung von selbstgesteuerten Organisationssystemen begleitet, räumte gleich zu Beginn mit einigen Vorurteilen auf. So ist Holacracy nicht hierarchielos. Im Gegensatz zu traditionellen Modellen spricht man bei Holacracy jedoch von einer Hierarchie der Arbeit und nicht einer Hierarchie der Menschen. Autorität wird auf Rollen verteilt. Schritt für Schritt erklärte Daniel wesentliche Unterschiede. Häufig scheint uns diese Art von Organisation sehr fremd. So fragte denn auch eine Teilnehmerin, ob dieses System nicht zu einem „Jekami“ ausarte und häufig Dinge nicht erledigt werden, die wenig attraktiv erschienen. Diese Erfahrungen hat der Referent nicht gemacht. Das System gibt darauf gewisse Antworten, grundsätzlich kann aber niemand verpflichtet werden, eine Rolle zu übernehmen. Holacracy stützt auf die Selbstverantwortung der einzelnen Mitarbeitenden. 

Im Anschluss an diese Übersicht kamen sowohl kritische als auch befürwortende Stimmen zum Zug. Deutlich spürbar wurde, dass das System für die meisten, die sich traditionelle hierarchische Organisationen gewohnt sind, sehr fremd ist. Einige sind erst richtig neugierig geworden durch den Austausch. Andere wiederum haben sich ihre Meinung bereits gemacht. Eine Mehrzahl scheint interessiert, mit Elementen daraus mindestens einmal zu experimentieren, wie eine Kurzumfrage zeigte. Die Moderatorin Stefanie Moser fasste denn auch zum Schluss zusammen: Selbstorganisierte Systeme sollen nicht zum Selbstzweck eingeführt werden. Sie unterstützen das Ziel, eine anpassungsfähige Unternehmung mit hoher Innovationsfähigkeit zu werden. Klassisch hierarchische Systeme verfügen über andere Vorteile, so zum Beispiel eine Klarheit der Verantwortlichkeiten, Planbarkeit und Verbindlichkeit. Es gilt gut abzuwägen, welches Organisationssystem im Unternehmen Sinn macht. In Anbetracht des aktuellen Wandels der Arbeitswelt lohnt es sich, über diese Thematik nachzudenken. Damit verbunden ging auch die Einladung an die Teilnehmenden, bei der nächsten Veranstaltung von LunchLab am 2.3.2018 zur Methode „Prototyping – aus ersten Ideen handfeste Fakten schaffen“ wiederum mitzuwirken.

Nähere Infos zu LunchLab unter der Facebook-Seite von LunchLab: www.facebook.com/LunchLabSolothurn/ oder unter info@trans4m.ch