Mit Freude konstatierte man, dass der Gastgeber mit seinem Stammquintett die Partie be­gann. Eine Tatsache, die seit Monaten nicht mehr der Fall war. Der Grund hiefür war, dass Spielmacher Petar Babic, trotz Bänderriss, spielen musste. Auch Allyn Hess, seit einem Monat wegen seinem komplizierten Nasenbeinbruches der Maskenmann, spielte, obwohl man das Gefühl bekam, dass er nahezu „blind“, ohne Sicht und Blickwinkel, agierte.

Tyran de Lattibeaudière.

Tyran de Lattibeaudière.

Und auch Brunelle Tutonda stand auf dem Platz – auch er wäre, unter normalen Umständen, spielunfähig, da er an diverse Blessuren leidet. Aber sie „mussten“ spielen, denn mit Alexis Herrmann und Björn Schoo fehlten wieder (Herrmann) und erstmals (Schoo) in dieser ver­flixten Saison 2017/18 zwei Leistungsträger. 

Ein Top-Allrounder

Der Auftakt glückte dem Stammquintett; nach 90 Sekunden stand es 5:0. Sechs Minuten später stand es jedoch 5:16 – und beim Gast sass Tyran De Lattibeaudière (27) noch im­mer auf der Bank. Der Jamaikaner kam als 7. Mann nach acht Minuten zum Einsatz – und was dieser Mann zeigte, ist etwas vom Allerbesten, das man im Schweizer Basket­ball je­mals gesehen hat.

Der Mann mit den drei Pässen (nebst jenem von Jamaika hat er auch die amerikanische und spanische Staatsbürgerschaft) ist 196 Zentimeter gross und kann in der Schweiz im Aufbau, als Flügel, aber auch unter den Körben spielen. Und aus allen Lagen – ob aus der Distanz, Sprungwürfe oder Penetrationen zum Korb – punkten. Gegen jeden. Auch gegen mehrere Verteidiger.

Ein kurzes Strohfeuer

Nach der Pause hatten die Starwings eine sehr gute Phase, sozusagen einen zweiten Atem, obwohl Cheftrainer Roland Pavloski seinem Stammquintett keine Pausen geben konnte. Weil aber Tutonda nach 24 Minuten sein 4. Foul beging, musste U18-Nationalspie­ler Luca Streich forciert werden.

Und auch Robert Devcic, eigentlich verletzt, musste auch noch aufs Spielfeld. Nach 23 Minuten stand es nur noch 47:51; in der 26. Minute leuchtete von der neuen Anzeigetafel gar ein 55:58 auf. Aber es war bloss ein Strohfeuer. Gäste­coach Randoald Dessarzins, der Mann, der einst den BC Boncourt von den Niederungen der 1. Liga zu Meistertiteln und Cupsiege geführt hatte sowie auch Nationaltrainer gewe­sen war, beorderte De Lattibeaudière wieder aufs Feld.

Zwei Minuten später stand es 55:71 – der Überflieger hatte Korb um Korb er­zielt. Und damit dem Gastgeber jede Hoff­nung auf einen Sieg, verbunden mit einer Playoff-Qualifikation, genommen.

Pully Lausanne statt „Barça“...

In nur 22 Minuten erzielte der „Jamaika-Boy“ sagenhafte 35 Punkte. Bei einer Wurfquote 90 Prozent (13 von 16 Zweipunktewürfen). Die „Wings“ müssen sich hiefür nicht schämen; De Latti­beaudière hatte in der letzten Saison in Granada, jeweils vor 7'000 Zuschauern, ähnliche Werte erzielt.

Und die Andalusier fast in die 1. Division geworfen. Er wurde mit den Welt­klubs Real Madrid und FC Barcelona in Verbindung gebracht – und landete, oder „strande­te“, am Lac de Léman. Dies ist Irrtum und Märchen zugleich.

Nun ruht der Meisterschaftsbetrieb für zwei Wochen. Dann reisen die Starwings zum letz­ten Match der Qualifikationsphase ins Wallis zu Monthey. Danach gibt es die 3. Runde mit fünf Matches unter den Teams auf den Plätzen 7 bis 12. Da wird es mindestens einen Sieg, am besten gegen das Schlusslicht Winterthur, brauchen, um den Ligaerhalt auch mathe­matisch zu bewerkstelligen. Gut wäre es, wenn man dies mit dem gesamten Kader tun könnte. Es wäre allerdings in dieser 13. Nationalliga-A-Saison ein Novum...