Vereinsreise des Männerturnvereins Obergösgen, Freitag 29. Juni 2018

Kleine Aufregung zu Beginn: ein Teilnehmer fehlt. So startete unser Bus-Chauffeur, Matthias Zwygart vom Reiseunternehmen Wyss, nur mit 22 Teilnehmern. Unsere Reise führte uns über Biel nach St. Imier. Vor uns lag majestätisch der Mont Soleil, der Sonnenberg, bei unserer Durchfahrt aber leider nicht sonnenbeschienen. Nun gings über den Col du Mont Crosin, mit Blick auf den dortigen Windpark. Den Windrädern gefiel der kräftig wehende Wind. Sie drehten sich recht munter, wohl zur Freude der BKW, ihrer Eigentümerin.  

Etwas später erreichten wir in  Le Roselet die Stiftung für das Pferd, ein Alters- und Pflegeheim für alternde Pferde. Sie standen etwas gelangweilt in ihrem Auslaufgelände herum, irgendwie verunsichert ohne Arbeit. Ein klarer Unterschied zum Homo Sapiens. Die kalte Bise trieb uns aber schnell in die nahegelegene Cafeteria, wo  heisser Kaffee und knusprige Gipfeli auf uns warteten. Auf der Weiterfahrt wiesen die typischen Jura-Häuser, dicke Mauern, kleine Fenster und schwach geneigte Dächer, auf das recht kühle Klima  hin. Über Saignelégier, dem Zentrum der Zucht für die Freiberger Pferderasse, führte die Reise nach Les Rangiers und schliesslich nach St. Ursanne.

St. Ursanne, ein charmantes Städtchen, hat seinen Charakter erhalten können und präsentierte sich richtig herausgeputzt: Schön renovierte  mittelalterliche Bürgerhäuser und malerische Gassen. Wir besuchten die historische Kirche und den  700-jährigen Kreuzgang des ehemaligen Klosters.  Das Städtchen gehörte früher zum Herrschaftsbereich des  Fürstbischofs von Basel. Bekanntlich waren die Bischöfe im Mittelalter bis weit in die Neuzeit auch weltliche Herrscher. Das endete 1803, zur Zeit Napoleons, mit der Trennung von Kirche und Staat. Zum  Mittagessen kehrten wir im sonnig gelegenen Restaurant Demi-Lune ein, am Südufer des Doubs gelegen.  Aperitif, Bouillon mit Einlage, ausgezeichneter Braten und ein feines Dessert entschädigten uns für die Strapazen des  Vormittags. Beim Nachschenken des Weines verrechnete sich die Kellnerin, und unser Präsident und sein Tischnachbar gingen leer aus.  Sie wollte bereits eine neue Flasche holen, da tönte es: “Abfahrt  in einer Stunde“, worauf jemand schlagfertig antwortete: “In diesem Falle zwei Flaschen“.

Die Weiterfahrt führte uns in die Ajoie. In der Ferne erblickten wir Pruntrut mit dem  imposanten, elganten  Schloss, das nach der Reformation, Basel wurde protestantisch, längere Zeit dem Bischof von Basel als Wohnsitz diente. Kurz vor der französischen Grenze gelangten wir zu den Höhlen von Réclère. Eine seltsame Unterwelt tat sich auf: Tropfsteinsäulen, sogenannte Stalagmiten, die von unten nach oben wachsen, dank ständigem Tropfen von kalkhaltigem Wasser von der Decke. Ihr Wachstum ist sehr gemächlich. Es braucht 200 Jahre für einen Zentimeter, also rund hunderttausend Jahre , bis ein solcher Tropfstein 5 m hoch wird. Ganz in der Tiefe ein kleiner See, aber niemand wollte ein Bad nehmen. Verständlich, denn die Wassertemperatur liege bei 7 Grad, meinte der Höhlenführer. Nach dem kühnen Eindringen ins kalte Erdinnere waren wir froh, draussen wieder der strahlenden Sonne zu begegnen.  Noch ein geselliger Umtrunk, und wir stiegen wieder in den Bus für die Rückreise.

Lieber Hansruedi, Du hast es perfekt verstanden, unsere tolle Reise mit viel Unbekanntem zu bereichern. Ein herzliches Dankeschön für die perfekte Organisation. 

Peter Businger