Umweltschutz geht alle an. Aber je nach Branche ist es gar nicht so leicht, ihn auch wirklich umzusetzen.

Es ist eine stolze Zahl: 43'393 Unternehmen wurden 2017 neu gegründet. Ein neuer Gipfel in einer ununterbrochenen Liste jährlicher Rekorde seit Mitte der 2000er. Doch die Sache hat einen Haken. Viele Firmen befinden sich in Segmenten, in denen Umweltschutz schwierig umzusetzen ist. Warum deshalb gerade die jungen, dynamischen Gründer umdenken müssen, erklärt der folgende Artikel.

Die Sache mit dem Computer

Werfen wir einen Blick auf die wertvollste Gründung aller Zeiten, Facebook. Denn das sich im stetigen Wandel befindliche Unternehmen ist der Archetypus des Umwelt-Gründer-Problems: Gigantischer Wert, extreme Marktmacht, dabei aber nichts, was physisch produziert wird.

Bricht man es auf die reine Technik herunter, ist Facebook nicht viel mehr als eine gigantische Serverfarm. Keine Produktionsprozesse, die man straffen könnte, keine Industrieschornsteine, die man mit Filtern versehen könnte. Die einzige Umweltschutzmassnahme, die sich implementieren liesse, wäre es, den Server-Stromverbrauch zu reduzieren. Das geht aber nur bis zu einem gewissen Grad, hinter dem die Performance leidet. Die Seite würde langsamer, Facebooks Kunden sich abwenden.

Überspitzt formuliert hat da noch jedes Päckli-Versandunternehmen die wesentlich grösseren Optionen. Schon dadurch, dass vielleicht Kurzstrecken mit E-Autos beliefert werden, dass Lieferstrecken optimiert werden. Je mehr die Unternehmens-Ausrichtung in Richtung produzierendes Gewerbe geht, desto grösser wird zwar der ökologische Fussabdruck, desto umfangreicher aber auch seine Reduktionsmöglichkeiten.

Doch das Problem der meisten Gründer ist, dass auch sie im „Facebook-Umfeld“ agieren. Der eine hat sich vielleicht auf den Versand von Schweizer Andenken spezialisiert, der nächste bietet Online-Bildbearbeitungsservice für Produktfotos, der dritte macht Social-Media-Kampagnen. Auch da gibt es nur wenig, was man offensichtlich tun kann.

Alternative Ansätze

Wenn die jungen Gründer jedoch eines besitzen, dann ist es Kreativität. Ohne sie gäbe es schliesslich gerade im Internet-Bereich einen Grossteil der Firmen-Neugründungen nicht, weil E-Commerce ja nicht erst seit gestern besteht und die unbesetzten Lücken immer kleiner werden.

Um dieser Kreativität einen Umwelt-Schubs zu geben, eignen sich vielleicht die folgenden Ideen:

  • Es ist durchaus möglich, ein Online-Unternehmen klimaschonend zu betreiben. Das geht in Zusammenarbeit mit Drittfirmen. Diese errechnen den CO2-Fussabdruck und gleichen ihn durch Investitionen in Schutzprojekte wieder aus.
  • Mehr Elektronik kann durchaus die Umwelt schützen. Indem man noch stärker auf Digitalisierung setzt und so das papierlose Büro zum erreichbaren Endziel macht, lassen sich Wäldern schonen, wird der Verbrauch von Tinte und Toner reduziert.
  • Die Liberalisierung des Schweizer Strommarktes geht l in die Endrunde. Daher wird es in allernächster Zeit auch für kleine und mittlere Abnehmer möglich werden, sich einfach einen grünen Anbieter zu suchen, der vollständig auf Ökostrom setzt. Und das sollte man dann auch tun.
  • Im kleineren Massstab lässt sich die Umwelt ebenfalls dadurch schützen, dass man sein Unternehmen „grün“ ausstattet. Das bedeutet beispielsweise, die Möblierung aus nachhaltigen Materialien zusammenzustellen. Es geht aber auch so weit, nur Geräte zu kaufen, die sich immer wieder aufrüsten lassen (also bspw. Verzicht auf Smartphones mit fest eingebautem Akku).
  • Generell sollte bei der Elektronik nicht Masse, sondern Klasse das Mass beim Kauf sein. Beispielsweise Computersysteme nur so leistungsfähig, wie sie tatsächlich sein müssen.

Und natürlich kann auch ein frisch gegründetes Unternehmen, das sein Geld nur im Internet erwirtschaftet, noch weiteren Schutz betreiben. Denn wer sagt denn, dass die gesamte Firmeneinrichtung brandneu sein muss? Und es geht auch soweit, dass der Firmenstandort ein nach allen energetischen Regeln der Kunst ausstaffiertes Gebäude sein sollte, um die Belastung durch Heizung und Klima zu reduzieren.

Der Lifestyle macht’s

Im Serverraum arbeiten nur energiesparende Geräte. Die Büros stecken in einer dicken Dämm-Umhüllung und werden durch eine energiesparende Wärmepumpe beheizt, die mit Ökostrom betrieben wird. Die CO2-Abgaben werden dadurch umgekehrt, dass ein Partnerunternehmen für jedes Kilogramm des Klimagases irgendwo Bäume anpflanzt. Das ist, zugegeben, schon ein sehr umweltfreundliches Startup. Und auf der grossmassstäblichen Ebene gibt es hier kaum noch etwas, was sich verbessern liesse.

Allerdings gilt natürlich auch hier die Regel, nach der Kleinvieh auch Mist produziert. Umgesetzt also, dass sich auch durch tausenderlei kleine Schritte im Alltag die Umwelt noch weiter schonen lässt. Etwa auf folgendem Weg:

  • Die Beleuchtung im Unternehmen sollte nur per LED funktionieren. Und gerade in Räumen, die selten betreten werden, kann der Lichtschalter ohne Komfortverlust gegen einen Bewegungsmelder ausgetauscht werden.
  • Eine um nur ein Grad Celsius abgesenkte Heizung bedeutet ungefähr sechs Prozent eingesparte Heizungsenergie – ohne dass selbst kälteempfindliche Mitarbeiter das bemerken würden, denn unsere Haut, als „Thermometer unseres Körpers“ kann. Temperaturveränderungen nur in wesentlich grösseren Schritten registrieren.
  • Dort, wo Papierverbrauch unvermeidlich ist, sollte nur auf Recyclingmaterial gesetzt werden – das ist überdies auch billiger.
  • Alle Kollegen sollten zu einer echten Mülltrennung angehalten werden. Einen Mülleimer für alles sollte es absolut nicht geben.

Und in jedem Unternehmen lassen sich noch weitere solcher Kleinst-Schritte implementieren, ohne dass dadurch die Leistungsfähigkeit leidet. Dazu braucht es nur Kreativität – aber von der haben Gründer ja mehr als genug.