Bürgerpräsident Edgar Meier gab seiner Freude Ausdruck, dass trotz schlechter Witterung eine Hunderschaft von interessierten Gästen beim Waldhaus eingetroffen waren. Besonders herzlich durfte der Präsident im Namen vom Bürgerrat und der Forstkommission viele Bürgerpräsidenten und Delegierte der umliegenden Gemeinden, Däniken, Dulliken, Gretzenbach und Starrkirch-Wil und Walterswil, sowie unseren Gemeindepräsidenten Peter Hodel begrüssen. Ein besonderer Gruss galt der Ehrenbürgerin Alice Gruber. Auch dem Forstpersonal und den Jägern, die ihre Posten im Wald bezogen hatten, galt sein Gruss.
Diesmal wurde unser Revierförster Daniel Kleger von Forstwart Markus Lüdi, der seinerzeit die Forstlehre im Werderamt absolvierte und nun in der Försterschule seinen Abschluss macht, vertreten.
Dieser begleitete die Anwesenden in den Wald, wo verschiedene Stationen zum Thema Artenvielfalt vorbereitet wurden: Drei vom Forst, eine von den Jägern und eine vom Imker.

Die grosse Gästeschar wanderte also mit Kind und Kegel in den Wald. Geschützt vom Blätterdach der Bäume, welche die gelegentlichen Regenschauer praktisch nicht durchliessen, kamen alle zum ersten Posten.

Der angehende Förster erklärte die drei Begriffe, Biodiversität, (die genetische Vielfalt), die Artenvielfalt (Flora und Fauna) und das Oekosystem Wald.
Die Nahrungskette wird bestimmt vom Fressen und gefressen werden. Wobei der letzte im Glied immer ein Fleischfresser ist. Schlussendlich kommt alles wieder auf den Boden und wird von Microorganismen zersetzt und als Erde dem Wald überlassen, dabei entsteht neues Leben.

Zwischendurch beantwortete der Forstwart viele Gästefragen. Als Beispiel nannte er die Gallwespe, welche eigentlich als Schädling von Buche und Ahorn gilt, jedoch zugleich ein Nützling für viele Vogelarten ist.

Markus Lüdi erklärte anhand von Tafeln den Waldboden. Rohhumus, Moderboden und Mullboden mit Streuauflage. Unter der Streu geschieht die Fermentation. Laub und Nadeln werden zersetzt durch Bodenorganismen. In einem m2 Boden mit 30 cm Tiefe befinden sich 50 Schnecken, 50 Spinnen, 50 Asseln, 80 Regenwürmer, 100 Käfer und Larven, 50‘000 Springschwänze, 100‘000 Milben, 100‘000 Fadenwürmer, sowie 1 Milliarde Pilze und 1 Billion Bakterien. Diese Artenvielfalt existiert nur auf gesundem Waldboden.

Zahlreiche Asthaufen, die durch unsere Frondienstler und Waldarbeiter aufgetürmt worden sind, verrotten langsam zu Humus.

Markus Lüdi hatte einen Suppenlöffel mit Erde vorbereitet. Alle durften rätseln, wie viele Organismen sich darauf befänden. Alleine auf diesem Löffel hatte es mehr Organismen, als Menschen auf der Erde leben. Dies liess die Anwesenden einmal mehr staunen.
Weiter erklärte Lüdi, dass auf der kleinen Fläche wo wir standen über 20 verschiedene Baum- und Straucharten wachsen. Lüdi war kürzlich im Norden, wo es die Forststudenten einfacher haben, denn dort wachsen nur drei Baumarten.

Leider wurden auch fremde Pflanzen in den Wald eingeschleppt. Beispielsweise das drüsige Springkraut oder der Japanknöterich. Hier muss die aufwändige Pflege von Hand erfolgen, damit einheimische Pflanzen nicht verdrängt werden. Mit Gift wird nicht gearbeitet.

Bei den Jägern
Mit Anschauungsmaterial warteten die Jäger Werner Scheibler, Hugo Büchler und Hanspeter Lüdi mit Hund der Jagdgesellschaft Schönenwerd-Gretzenbach auf. Anschaulich wurde die biologische Aufgabe der Tiere, sowie
ihre Eigenheiten erklärt. Als Kulturfolger hat sich der Waldfuchs inzwischen auch zum Stadtfuchs gemausert. Im Wald sowie in der Stadt frisst er verendete Tiere und waltet somit als Gesundheitspolizei. Zudem macht er in der Stadt den Ratten das Leben schwer.
Auch der Marder ist ein Kulturfolger und hat sich zum Teil in Gebäude eingenistet. Dagegen hilft nur das Verstopfen aller Durchschlupfe.

Wenn Jungtiere imstande sind getrennt von den Alten zu leben, findet die Herbstjagd statt. Sie dauert fünf Tage. Auf Grund des umfangreichen Wissens und stundenlangen Beobachtungen vom Hochsitz aus, entscheiden die Jäger gemeinsam, welche und wie viele Rehe und Füchse zum Abschuss freigegeben werden. Hasen werden keine bejagt.

Werden Rehe angefahren, ist es Pflicht, den Wildhüter zu verständigen. Damit angeschossene Rehe nicht lange leiden müssen. Die Arbeit mit einem Schweisshund wurde mittels eines gelegten Rehfelles demonstriert. Der Hund löste seinen Auftrag gut und wurde belohnt.

Beim Bienenhaus
Am Frybachweg vor seinem Bienenhaus zeigte Peter Grob zuerst eine Weisselzelle. Dies ist eine ca. 3 cm lange Wachszelle in welcher eine Bienenkönigin aus einem Ei heranwuchs. Um eine Königin zu züchten füllen die Bienen diese speziell verlängerte Zelle mit Gelée Royal, den sie aus Nektar, Wasser und hochwertigen Zutaten herstellten. Der Imker erklärte, dass die Königin nur einmal im Leben auf ihrem Hochzeitsflug von einigen Drohnen befruchtet und die Eier lange Zeit im Körper aufbewahren kann. Die Drohnen sterben nach diesem Flug. Die weiblichen Bienen, Arbeitsbienen genannt leben je nach Schlupftermin 40 - 50 Tage, durch den Winter bis zu 9 Monaten. Sie verfügen über einen ausgezeichneten Farben- und Geruchssinn und einen ihrer Art entsprechenden Geschmackssinn. so finden sie die Blüten in optimalem Zustand und teilen einander die besten Standorte durch einen besonderen Flugtanz mit. Ihren heimgebrachten Nektar lagern sie in den wunderbar regelmässigen Bienenwaben und verwandeln diese in Honig. Dieser ist zur Aufzucht der Larven und als Winternahrung gedacht. Der Imker füttert deshalb bei Wegnahme von Honig seine Bienen (60‘000 pro Volk!) mit Zucker und Kräutertee.
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Peter Grob zeigte Bienenwaben, zum Teil angefüllt mit Honig und wer wollte, konnte noch einen Blick ins Innere des Bienenhauses werfen.
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Die Aufgabe des Imkers besteht auch in der Überwachung der Schädlinge.
Edgar Meier überreichte im Namen der Bürgergemeinde am Schluss des Waldgangfestes jeder Familie ein Gläschen Honig aus diesem Bienenhaus.


Zeigerpflanzen
Auf dem Rückweg zeigte Forststudent Lüdi einige Pflanzen. Wie Salomonssiegel, Wolfsmilch, Knoblauchrauke, Waldschachtelhalm, Waldmeister, Brennnessel, Storchenschnabel, Kriechender Günsel, Breitwegerich, Weissklee, Eschenwelke etc. Diese, sowie verschiedene Moose zeigen dem Förster auf, welche Bäume im entsprechenden Boden am besten gedeihen.

Ausklang
Bei Sonnenschein empfing uns die Musikgesellschaft Schönenwerd. Sie spielte während des vom Bürgerrat vorbereiteten Apéros auf. Damit verdankte sie den Beitrag der Bürgergemeinde an die neue Uniform. Anschliessend nach Dankesworten lud der Präsident Edgar Meier alle Anwesenden zu einem Zvieri ein.
Das Feuer brannte schon und die Kuchen lockten.

Ein wunderschöner Regenbogen konnte durchs Waldhausfenster beobachtet werden. Ein guter Abschluss eines gelungenen Nachmittags.