Ansprache von Christine Egerszegi:

Ganz herzlich begrüsse ich Sie zur Vernissage von drei bekannten Kunstschaffenden aus der Region: Cordula Christina Burkart, Beat Haldemann und Sven Heizmann.

Es ist ein strahlender Morgen. Und so stelle ich über meine Einführungen ein Wort von Picasso:

Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.

Ich lade Sie ein, den ersten Schritt dazu gemeinsam zu machen.

Cordula Christina Burkart

Cordula Christina Burkart wuchs in einer Familie auf, in der künstlerisches Schaffen auf manchen Gebieten dazu gehörte. Sie begann als Baumalerin; beherrschte so die grosszügigen Striche, wie die feinen Ergänzungen. Durch einen Bruch in ihrem Leben erhielt das eigene Kunstschaffen eine andere, grössere Bedeutung.

Heute ist sie eine bekannte Tierfotografin, doch in dieser Ausstellung zeigt sie uns Bilder, die sie auf ganz aussergewöhnliche Art geschaffen hat: im Airphotopainting. Es sind Fotos aus ganz ungewohnter Perspektive, zu der sie ihre kreative Neugier brachte:

Sie wollte einen Schäfer auf der Weide mit 300 Schafen ablichten und fand nur unbefriedigende Wege dieser Vielfalt von Tieren in der ganzen Herde gerecht zu werden. So kam sie auf den Gedanken, das von oben herab zu versuchen, liess einen Helikopter chartern und war erschlagen von den erweiterten Möglichkeiten dieser neuen Dimension. Je nach Winkel, Lichteinfall und Höhe verändern sich Farben und Strukturen, und es entstehen einmalige Bilder. Alle haben den Hauch von anderen Welten und doch ist es die Kiesgrube, das Ackerfeld oder die Mohnwiese der näheren Umgebung, aus Niederbipp, Grenchen, Safenwil, Schönenwerd oder höchstens vom Trutmanngletscher im Wallis.

Die Kamera wird zum Werkzeug, die Erde zur Farbpalette.

Das braucht offene Augen für die unsichtbaren Perlen der Natur, ein feines Gespür, eine gute Technik, ganz viel Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen und einen Piloten, der alle diese Eigenschaften teilt, denn das sind alles andere als Touristenflüge.

Mit aufwändiger Technik werden die Bilder dann auf sattgewobene Leinen transferiert. Dabei ist ihr wichtig, dass nicht zuviel verändert wird. So entstehen Fotografien, die wir als Gemälde wahrnehmen. Das ist Airphotopainting.

Es lohnt sich diese Bilder aus verschiedener Distanz zu betrachten, und so für sich die Verdichtung zu variieren. Speziell sind ihre Trilogien. Das sind keine Zusammenschnitte einer Landschaft, sondern eigene Bilder im Schwebeflug vom Ort, die in einer nachvollziehbaren Logik in Form, Farbe und Fluss zusammengehörig erscheinen.

Cordula Christina Burkart wirkt im Umgang eher quirlig, ungeduldig, auf dem Sprung…. Aber nur bis sie sich an die Arbeit macht. In der kreativen Motivation findet sie Ruhe; in der Stille ihre enorme Schaffenskraft.

So lebt sie ihren Traum. Sie malt in der Luft und nimmt uns mit auf die Reise um von oben die Einmaligkeit der Natur zu entdecken.

In dieser Betrachtungsweise steckt ein Riesenstück Wahrheit. Ja, durch Distanz nehmen wir Geschehenes, Erlebtes oder Erfahrenes verändert auf. Wir gewichten anders: Kleinigkeiten stören uns weniger, Unrecht tut weniger weh. Ein harmonisches Grundgefühl ist leichter zu erhalten, schrille Farben beruhigen sich. Und doch können Schatten eine zentrale Wirkung behalten. Wir sollten sie aber mit der Grosszügigkeit der Entfernung einordnen können. Den Staub abschütteln.

Den Bildern des zweiten Künstlers, von

Beat Haldemann

begegnen Sie auf der Treppe und im oberen Stock.

Beat Haldemann ist ja kein Unbekannter. Sie kennen ihn auch von Ausstellungen in der Galerie am Bach. Allerdings sehen sie hier nur wenige Fotofusionen, es sind vorwiegend Bilder einer Reise durch verschiedene Länder Südamerikas. Sie sind so beeindruckend in der Aussage, so unmittelbar in ihrer Wirkung, dass sie der Künstler nicht mit Übereinanderlegen im Fotofusing verändern konnte, ja verändern durfte.

Mit Aufmerksamkeit und Geduld fängt er Schönheiten und Eigenwilligkeiten der Natur mit der Kamera ein: eine Salzwüste, Marmorkapelle, Gletscher, die noch wachsen, Terra Inkognita.

Es sind Fotos unberührter Landschaften mit fast unglaublich satten Farben in einer glasklaren Atmosphäre ohne jeglichen Dunst und Staub, ohne geringste Trübung. Es sind wunderbare, fast unwirklich schöne Bilder, die in Höhen von bis zu 5‘000 m und bei extremen Klimaverhältnissen entstanden sind. Die Aussagekraft dieser Fotos zieht uns von Anfang an auf einmalige Weise an: Das warme Abendlicht das sich von den Gipfeln verabschiedet, der knallgelbe Mond der seine Stellung hält. Es sind unerwartete Begegnungen mit natürlichen Abläufen.

Der Erhalt solch unberührter Landschaften ist für Beat Haldemann ein grosses Anliegen. Der Respekt vor der Natur, die Achtung der Elemente, der Schutz von Wasser, Land und Bäumen entspricht seiner inneren Haltung. Seine Fotos führen uns in Gegenden, in denen es weit und breit keine Menschen hat. Es ist die abgebildete Einsamkeit; und doch sind wir überrascht über den Reichtum an Eindrücken, die wir daraus entnehmen können.

Oft gibt es dort keine Strassen, nur Pisten. Aber die Landschaft verändert sich stetig von selbst. Es gibt keine Schönheit die beständig ist:

Ein Regen lässt die Pisten verschwinden, danach ist wieder alles unberührt. Neue Pisten entstehen in unendlicher Ruhe. Bis zum nächsten Regen.

Vergänglichkeit ist Ausgangspunkt zum Neubeginn.

Durch die Fotos werden wir nicht nur eingeladen zum freudigen Betrachten. Sie führen uns aus dem Alltag und buchstäblich aus unserem gewohnten Tramp. Sie regen uns an zum Nachdenken, Träumen und Weiterspüren.

Sie sollten sich im oberen Stock das Salzfeld ansehen. Es ist aufgeteilt in 6, oder 8 eckige gleichförmige Waben. Es sind regelmässige Elemente wie Bausteine, die sich bis zum Verschwinden am Horizont verdichten. Man wird überrascht und fasziniert von einem fixen natürlichen Bauplan im menschenleeren Raum. Weshalb haben sie diese Form? Oder betrachten sie das Bild mit dem tausendjährigen Eis, das sich in eigenständigen Formen bildet und selbständigen Gesetzen nachlebt.

Beat Haldemann konfrontiert uns hier mit den tiefsten Geheimnissen der Natur, die uns – auch wenn sie wissenschaftlich aufgeschlüsselt werden – zutiefst erstaunen lassen.

Ja, diese Fotos entführen uns in eine Welt, die uns packt; sie bilden Orte ab, die uns Horizonte öffnen und uns staunen und träumen lassen. Staunen verbindet Freude, Verwunderung, Träume und Denken zu einer Kraft, die uns Menschen wachsen lässt. Kinder staunen immer wieder, wir Eltern verlernen es leider allzu leicht. So stelle ich dankbar fest, dass wir dieses Staunen hier erneuern dürfen.

Eine bemerkenswerte Verbindung zwischen den Bildern schafft

 Sven Heizmann

mit seinen Holzskulpturen.

Bis 63 leitete er ein Familienunternehmen, dann hat er die Verantwortung an seine Tochter übergeben und seine Lebensbahn fundamental gewendet. Sein Arbeitsplatz ist heute das Aare-Atelier für Holz-Gestaltung in Aarau mit seiner hervorragend ausgestatteten Werkstatt. Es ist ein 1 Mann-Betrieb. Einziger Berater – aus gutem Holz geschnitzt - ist ihm Hansdampf, der allwissende Compagnon mit Leder-Krawatte, es ist einer, - der wie der Künstler sagt-, einfach alles weiss.

Für Sven Heizmann ist der Baum zu seinem Lebensweg geworden, seine tiefe Verwurzelung in der neuen Aufgabe ist spürbar.

Mit grossem Geschick formt er eigenwillige Skulpturen, faszinierende Pendelobjekte, fein geschwungene Schalen, wunderbare Schatullen mit Intarsien oder sauber gedrechselte pagodenartige Behälter. Er beherrscht sein Handwerk von der grosszügigen Behauung bis zur feinsten „Knübliarbeit“.

Manche seiner Skulpturen ragen der Sonne entgegen. Eben wie ein Baum. Aber nicht jedes Holz motiviert ihn gleich. Er findet Birke und Linde eher eintönig und schwärmt von Zwetschgenholz oder Nussbaum mit den markanteren Strukturen. Es lässt sich auch nicht jeder Baum gleich einfach bearbeiten.

Holz behält immer sein Eigenleben, und das ist ihm ganz wichtig: Es arbeitet, lebt, reagiert auf die Umwelt, spaltet sich, erweitert oder zieht sich zusammen. Das fasziniert ihn. So erhalten seine sorgfältig er- und bearbeiteten Schalen ihre Einmaligkeit. Oft nimmt die Entwicklung einen unerwarteten Verlauf.

So setzt das Holz seinen Willen durch. Die Natur behält ihre Kraft.

Sven Heizmann fühlt sich als Verbündeter. Er erzählt, wie er Entdeckungen macht, wenn er dem Baum das Hemli, die Rinde, abzieht. Manchmal kommen verschiedenartige Hölzer im gleichen Stück vor. Er nutzt diese Strukturen, baut sie ein, sogar Löcher und Unebenheiten vermag er kunstvoll zu integrieren. Unregelmässigkeiten merzt er nicht aus, sondern erfreut sich an ihnen.

Ich bin immer wieder fasziniert von dieser Kunst: knorriges Material wird so kundig bearbeitet, so fein behandelt, dass man –ob man will oder nicht-, wie von Zauberhand angezogen wird um es zu berühren, zu streicheln, es richtiggehend zu begreifen.

Die Achtung, dieser Respekt vor der Natur und ihrer Einmaligkeit, die Sven Heizmann, wie auch die beiden andern Künstler auszeichnet, prägen die heutige Ausstellung ganz besonders. In ihrem künstlerischen Schaffen gelingt es jedem Verborgenes zu entdecken, herauszuarbeiten und zu betonen. Sie überzeugen uns mit ihren Begabungen, und ermöglichen uns tatsächlich mit ihrer Kunst ein Stück den Staub des Alltags von unserer Seele zu waschen.

Noch ein Wort des Dankes an Brigitt Wittwer. Ich war in der letzten Zeit ein paar Mal in der Galerie am Bach und bin immer wieder beeindruckt von der Vitalität und der Offenheit dieser Frau. Ich weiss wohl, dass es nicht einfacher geworden ist, Bilder zu verkaufen. Die Häuser haben mehr und grössere Fenster, viele Junge zieren ihr Heim eher mit Designermöbel, als mit Bilder oder Skulpturen. Der Konkurrenzkampf ist gross. Dass Brigitte Wittwer es immer wieder schafft wirklich interessante Künstlerinnen und Künstler zusammen zu bringen und ihnen eine solch gute Plattform zu vermitteln, verdient grossen Respekt und Achtung.

Nun schicke ich Sie gerne auf die Reise der Träume. Schütteln Sie den Staub des Alltags ab! Ich danke Ihnen, dass Sie uns diesen Morgen geschenkt haben.

Christine Egerszegi-Obrist