Der Gestaltungsplan Dorfzentrum Nord in Horriwil lag ab dem 1. Juli 2016 während 30 Tagen auf. Obwohl die Auflage mitten in die Sommerferienzeit gelegt wurde, gingen gegen den Gestaltungsplan über 70 Einsprachen an den Gemeinderat von Horriwil ein. Die Einsprachen kritisieren die Unausgereiftheit und die Uneinheitlichkeit des Gestaltungplanes. Hauptkritikpunkt ist die fehlende Mitwirkung der Bevölkerung. Die meisten Einsprechenden fordern einen Gestaltungplan, der das Überbauen des gesamten Dorfzentrums regelt und bei dessen Ausarbeitung die Bevölkerung durch eine aktive Mitwirkung miteinbezogen wird.

Im Dorfzentrum von Horriwil soll Wohnraum für Seniorinnen und Senioren entstehen. Dadurch soll den Dorfbewohnern ein Verbleib im Dorf auch in betagteren Jahren möglich sein. Die frei werdenden Häuser wiederum bieten Wohnmöglichkeit für die jüngere Generation, so der Plan des räumlichen Leitbildes von Horriwil, das 2014 von der Gemeindeversammlung verabschiedet wurde. Dieses sieht vor, dass eine Überbauung im Dorfzentrum sich typologisch in die Umgebung einpassen soll, das heisst, dem historischen Charakter der Kernzone soll Rechnung getragen werden. Soweit regelt das räumliche Leitbild die Eckpfeiler für einen Gestaltungplan im Dorfzentrum.

Gross war deshalb das Erstaunen bei Teilen der Bevölkerung, als sie im Rahmen der Auflage erstmals Einsicht nehmen durften in den Gestaltungplan Dorfzentrum Nord. Von den Eckpfeilern aus dem räumlichen Leitbild ist dabei nicht mehr viel übrig geblieben. Die geplanten Häuser sind kubische Bauten mit einem Pultdach mit minimaler Neigung. Der Grundriss der Gebäude weist eine grössere Tiefe als Länge auf. Einen solchen Typus Haus sucht man in Horriwil heute vergebens. Von einer typologischen Einpassung in die Umgebung, wie es das räumliche Leitbild verlangt, kann keine Rede sein.

Unverständlich ist die Tatsache, dass der Gestaltungplan nur einen Teil der Überbauung des Dorfzentrums regelt. Die Einsprechenden wünschen sich einen Gestaltungsplan über das gesamte Dorfzentrum, der sämtliche Grundeigentümer miteinbezieht. Für den Teil Dorfzentrum Nord möchte der Gestaltungplan nämlich die Ausnützungsziffer von 60% auf 72% erhöhen und somit eine maximale Ausnützung zulassen. In einem Dorfzentrum muss aber auch Raum sein für Begegnung. Diesen Raum sieht der Gestaltungsplan in der Mitte des Dorfzentrums vor, auf den Grundstücken, die der Einwohnergemeinde und der Bürgergemeinde gehören. Die Einwohnergemeinde und die Bürgergemeinde werden dadurch als Grundeigentümerinnen im Dorfzentrum benachteiligt.

Der Gemeinderat von Horriwil hat sich gegen einen runden Tisch entschieden und verzichtet weiterhin auf eine Mitwirkung durch die Bevölkerung, wie dies dem Gemeinderatprotokoll vom 10.8.2016 entnommen werden kann. Vielmehr möchte der Gemeinderat am Gestaltungplan festhalten und hat entschieden, 10'000 CHF für einen Anwalt auszugeben, der die Behandlung der Einsprachen juristisch begleiten soll. Der Gemeinderat setzt somit Steuergelder ein, um juristisch gegen einen beachtlichen Teil der Einwohner und Steuerzahler vorzugehen. Mit diesem Vorgehen begibt sich der Gemeinderat auf dünnes Eis.

Horriwil zählt rund 660 Stimmberechtigte, davon wurden also über 10% der Stimmberechtigten innert kurzer Zeit aktiv und erhoben Einsprache. Es wäre wünschenswert, wenn der Gemeinderat die Anliegen der Bevölkerung ernst nehmen und die Horriwilerinnen und Horriwiler aktiv in die Ausgestaltung ihres Dorfzentrums miteinbeziehen würde.

Für den 16. September sind nun Einspracheverhandlungen zwischen dem Gemeinderat und den Einsprechenden angesetzt. Ob es um das Dorfzentrum Horriwil zu einem juristischen Hickhack kommt, oder ob daraus doch noch ein gutes Projekt entsteht, das in Zusammenarbeit mit den Einwohnern von Horriwil erarbeitet und schlussendlich von allen getragen wird, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen entscheiden.