Das diesjährige Stück der ‚Schloss-Spiele Falkenstein’ unter der Regie des über die Kantonsgrenzen hinaus bekannten Christoph Schwager, handelt von der Zeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts als die Schweiz das Armenhaus von Europa war. Viele wussten sich nicht mehr weiter zu helfen, als mit dem letzten Ersparten nach Amerika auszuwandern. Rund 400'000 Schweizer und Schweizerinnen liessen die alte Heimat zurück. Im Hafen von Le Havre steht um 1870 die „Normandie“, ein Dampfschiff, bereit, die unterschiedlichsten Passagiere aller sozialen Schichten und mit den verschiedensten Berufen ins Land der Hoffnung und der Zukunft zu bringen.

„Interessant war es, die Motive der einzelnen Passagiere herauszuarbeiten“, sagt Christoph Schwager. Immer wieder wird in Rückblicken die Geschichte der einzelnen Passagiere ausgeleuchtet. Ernst Wyss, der sich für die Schlossspiele nicht nur als Präsident der Kulturkommission und als Vizepräsident des Vereins „Falkensteiner Schlossspiele“ seit Jahren einsetzt und auf dem Schiff den Kapitän Uwe Schmidt spielt, meint ergänzend: „Die Rollen erarbeiten zusammen mit dem Regisseur, ist sehr spannend, ist ein Prozess.“ All die Dialoge auf dem Schiff, hat Schwager frei erfunden. Allerdings weiss man, dass es die Passagiere Elisabeth Kümmerli, Bruno Wyser und Joseph Joachim wirklich gab. Die Geschichte vor und nach der Schiffsreise des Kestenholzers Joachim erzählte Christoph Schwager kürzlich in Kestenholz, wo anlässlich der 700-Jahr Feier das Stück „Denk-mal“ uraufgeführt wurde. „In Kestenholz war der Raum, nahe bei der Autobahn, schon eine Herausforderung, der Schlosshof hier ist um einiges ruhiger“, so Schwager. „Der Gesang der Chöre war in Kestenholz in das Stück integriert, jetzt gibt’s dafür Musik“, fügt der Regisseur an. Neun Männer, neun Frauen und fünf Kinder, die sich vier Rollen teilen, wirken in Niedergösgen mit. Der jüngste ist 12 Jahre alt, der älteste um 70.  Murielle Kälin spielt eine der Zwillingsschwestern Grob: „Uns gibt es nur als Einheit, wir sind Weberinnen aus Winznau, denen gekündet wurde. Wichtig ist das Team, bei solchen Laientheatern entsteht immer so etwas wie eine kleine Familie.“

Eine Ärztin, die freiwillig nach Amerika geht, ein Pfarrer der seine Schäfchen nach Übersee begleitet und zu Beginn der Agent Kunz, der die Auswanderer in Empfang nimmt und sie den verschiedenen Klassen zuteilt. Geschminkt werden die Schauspieler von den Visagistinnen von Colorline. Die Profis machen Christoph Schwager Vorschläge, so dass die einzelnen Darsteller ins beste Licht gerückt werden. Stürme auf offener See und das Aufeinandertreffen der verschiedenen Charaktere auf Deck, sorgt für gehörige Turbulenzen. Auch eine kleine Liebesgeschichte darf natürlich nicht fehlen. Mehr sei aber nicht verraten. ZVG