Offeriert von der Bürgergemeinde fand kürzlich der im Zweijahresturnus durchgeführte Waldgang für alle in Schönenwerd wohnhaften Personen statt. Während die Bio-Diversität das Leitthema des letzten Waldganges war, wurde diesmal der finanzielle Aspekt der Waldbewirtschaftung erörtert.

Der im Niederämter Anzeiger erschienenen Einladung folgten zahlreiche Interessierte. Herzlich wurden alle Gäste von Bürgerpräsident Edgar Meier willkommen geheissen, wobei er auch das Revierforstpersonal nicht vergass, welches die vielfältige Arbeit im Wald leistet.

Ebenso dankte er auch den Frondienstlern, die an einem oder mehreren Samstagen jeweils in kameradschaftlicher Atmosphäre viele Arbeiten im Wald oder rund ums Waldhaus erledigen und so zur Kostensenkung beitragen. Im Moment werden auch Wegweiser erneuert und „Bänkli“ gesetzt.

Heute, so führte Edgar Meier weiter aus, hat die Bürgergemeinde 167 ha Land, das zum grössten Teil aus Wald besteht, durchzogen von einem Wegnetz von 18 Km. Förster Daniel Kleger werde nun dazu allerlei Wissenswertes vermitteln.

Was gibt uns der Wald, was kostet der Wald?
Förster Kleger hatte den Waldgang in fünf Etappen aufgeteilt, sodass Wissenswertes und auflockerndes Gehen sich die Waage hielten. Am Fohracherweg orientierte er über die Schwierigkeit, die Balance zwischen Oekologie und Oekonomie zu finden, denn die Nutz- Schutz- und Wohlfahrtsausgaben sind einerseits ethische Verpflichtung, andrerseits müssen sie kostendeckend erbracht werden. Unter hoheitlichen Aufgaben sind Vollzug der forstlichen Planung, Öffentlichkeitsarbeit bezüglich der Waldgesetze (Aufsicht), sowie Natur- Landschaft und Gewässerschutz zu verstehen. Unter betrieblichen Aufgaben werden nachhaltige Produkteherstellung und Vermarktung, operative Planung und Umsetzung, Unterhalt und Beschaffung der Infrastruktur und Betriebsmittel, Leistungen und Erholungsraum für die Öffentlichkeit definiert.

Der Unterhalt der Waldstrassen
Am Brudermattweg angekommen, vernahmen die Waldgänger, dass die Waldstrassen nicht eigentlich als Spazierwege angelegt werden, sondern als betriebliche, mit LKWs befahrbare Strassen zum Transport des Holzes. Der Strassenbau- und Unterhalt obliegt dem Waldbesitzer. Dies verursachte der Bürgergemeinde beispielsweise im Jahr 2012 pro Laufmeter 90 Rappen Kosten, also insgesamt Fr. 14`300.-.Die Kosten beinhalten Oberflächenentwässerung, Schlaglöcher ausbessern, Lichtprofil erstellen (Strassenränder aufasten), sowie Bankett mulchen (mähen der Strassenränder). All dieser Aufwand hat für die Bevölkerung den schönen Nebeneffekt, für Spaziergänge zur Verfügung zu stehen. Gratis, nota bene!

Nebst dem Waldstrassennetz gibt es noch die sogenannten „Rückegassen“, wo gefälltes Holz zum Wegrand gebracht wird.

Holzernte
Über die Nutzung des Waldes wurde am Tiergartenweg orientiert. Um die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Holzernte zu erhöhen, werden Unternehmen mit modernsten Arbeitsverfahren beigezogen. Sie bewerkstelligen die sogenannte Vollernte. Das eigene Betriebspersonal ist dabei mit der Planung und dem Vorfällen beschäftigt. Bis das Holz zum Verkauf bereit liegt, erwachsen sich die Unkosten pro Festmeter auf Fr.48.- (2012). Nach der Ernte müssen die Waldparzellen von herumliegenden Ästen geräumt werden, was teilweise von den Frondienstlern getan wird. Danach kann neu angepflanzt werden oder Naturverjüngung (Samenwuchs, hergebracht durch Wind, Vögel, Eichhörnchen etc.) zugelassen werden, was auch Pflege erfordert. Diese Vorbereitungsarbeiten inklusive Wildschutz betragen pro Pflanze ca. Fr. 4.20.

Unterwegs kam die Gruppe am „Bahnhöfli“ vorbei. Dort kredenzten Mitglieder des Bürgerrates einen erfrischenden Apéro, der freudig genossen wurde.

Pflege
Nach dieser Verpflegung kam auch die Pflege des Waldes zur Sprache. Wie an allen vorgängigen Posten, hatte Förster Kleger auch am Stelliweg anschauliche Plakate vorbereitet. Diese hier bestanden aus Bildern zur a) Jungwuchspflege, b) Dickungspflege und c) Stangenholzpflege. Die Erfolgskontrolle der Waldpflege ist erst nach Ablauf der Umtriebszeit möglich. Diese kann bis zu 250 Jahre dauern. Wir ernten von unsern Vorfahren und pflegen für unsere Nachkommen. Bei der Jungwuchspflege entfernt der Forstwart die Konkurrenzvegetation der zu schützenden Pflanze, also Krautschicht, Strauchschicht und bedrängende Nachbarbäume. Kosten pro Are: Fr 28.-. Bei der Dickungspflege geht es um Selektion, also Reduktion der schwächeren Bäumchen. Dabei spielt die Planung eine erhebliche Rolle: Welche Pflanzen werden auf lange Sicht an diesem Standort, in dieser Bodenbeschaffenheit am besten gedeihen? Welche Bäume ergeben den besten Mischwald in dieser Parzelle? Dickungspflege pro Are: Fr 28.-. Bei der Stangenholzpflege wird nochmals die Qualität begutachtet und die jungen Bäume werden in Haupt und Nebenbestand selektioniert. Der Nebenbestand wird früher geerntet, um eine Auslichtung für die Hauptbäume zu schaffen. Kosten pro Are Fr.29.-.

Produkteverkauf
Der Rohholzverkauf ist abhängig von der Nachfrage nach Laubholz oder Nadelholz, von der freien Marktwirtschaft (Importe, Eurokurs) und der Zertifizierung. 1981 wurden beispielsweise für Fichte, Klasse B Fr 170.- pro m3 erwirtschaftet, 2012 Fr.78.- Dabei sind die Lohnkosten gestiegen. Der Durchschnittserlös im Werderamt pro m3 belief sich 2012 auf Fr.78.90. Der Verkauf sollte die Kosten für Holzernte, Pflege, Pflanzung, Schlagräumung, Strassenunterhalt, Verwaltung, Planung und Öffentlichkeitsarbeit decken. Förster Kleger hat diesbezüglich Visionen zur Waldpolitik 2020. Wir möchten ihm und uns allen gönnen, wenn etwas davon umgesetzt würde.

Musik auf dem Köhlerplatz
Auf dem von schattenspendenden Bäumen umrahmten Köhlerplatz hatten die Behördenmitglieder von Bürgerrat und Forstkommission Tische und Bänke im Halbkreis platziert. Im Zentrum des Platzes stand das Feuerbecken, in welchem eben noch die letzten Flammen züngelten, vergingen - und die funkelnde Glut freigaben, welche zum Grillieren einlud. Das Zvieri, Wurst und Brot, kennen wir ja auch unter dem Namen „Waldfest“. Dieser Name passte präzis, spielte doch die Schönenwerder Musikgesellschaft auf mit wunderschönen Klängen, die eins wurden mit der harmonischen Umgebung. Präsident Reisenbauer stellte auch den neuen Dirigenten Christian Sommer vor, dessen Premiere eben mit diesem Auftritt stattfand. Bevor die Musikanten sich auch in die Rundesetzten, durftensie kräftigen Applaus und einen Zustupf, überreicht von Edgar Meier entgegennehmen. Gutgelaunte Menschen im Alter von zwei Monaten bis zu 90 Jahren genossen die Stunden bei Speis und Trank. Es wurde gescherzt oder diskutiert über die nachhaltigen Darlegungen von Förster Kleger. Dankbar für diesen inspirierenden Halbtag löste sich zu späterer Stunde die Gesellschaft auf, mit dem guten Vorsatz, in zwei Jahren wieder dabei zu sein. Verena Widmer-Hersperger