Mit "Chormusik pur" könnte man das denkwürdige Konzert der kantorei pro musica vom vergangenen Samstag in der Stiftskirche Schönenwerd umschreiben. Der Chor - ursprünglich aus dem Aargauer Lehrergesangsverein hervorgegangen - musiziert unter der Leitung des Kantoren Martin Neukom traditionellerweise in kleiner Besetzung mit rund 20 Ausführenden und stellt sorgfältig ausgesuchte Chormusik-Programme ins Zentrum. Da lässt sich nichts verdecken durch Orchester und mitspielende Instrumente; einzig die Schönenwerder Hausorganistin Elisabeth Frey-Bächli unterstützte wo nötig den Chor und spielte zwischen den Programmteilen die Choralvorspiele op. posth. 122 von Johannes Brahms - die einzigen und kompositorisch recht trocken geratenen Beiträge Brahms' zum Thema Orgelmusik.
Das Programm wirkte indessen gerade durch den roten Faden "Deutsche Romantik", zu dem Brahms ausgezeichnet passte, umso geschlossener, wenn man vom einzigen Fremdkörper, Verdis berühmtem, eigentlich a cappella gedachtes "Ave Maria" absieht. Die a cappella musizierten Stücke im zweiten Programmteil der kantorei gerieten so auch am eindringlichsten, auch wenn man sich gerade bei den Nachtstücken von Beethoven und Schubert noch etwas mehr Breite und Ruhe gewünscht hätte.
Die geistliche, lateinische Chormusik von Bruckner und Rheinberger zu Beginn des Konzertes hinterliess einen tadellosen Eindruck, was Chorklang, Balance, Ausgeglichenheit und Interpretation betrifft - gerade Rheinbergers orgelbegleitete, lateinische Hymnen zeigten erneut die Qualitäten und Beschlagenheit des liechtensteinischen Komponisten im Umgang mit Stimme und Orgel. Am innigsten in seiner Wirkung blieb die Wiederbegegnung mit Bruckners als Zugabe wiederholtem, berühmten "Locus iste", in welchem das kleine Ensemble Stimmqualität und den "grossen Bogen" auf schönste vereinigte.
Daniel Willi