Das diesjährige Branchenforum der Raiffeisenbank Wasseramt-Buchsi avancierte zu einem atemberaubendem Höhenflug. Verantwortlich dafür war der Langenthaler Militärberufspilot Marcel Mühlethaler, der von seinen Erlebnissen als Pilot der legendären Flugstaffel Patrouille Suisse erzählte und interessante Einblicke in den Berufsalltag des Piloten-Teams gewährte.

Das Branchenforum der Raiffeisenbank Wasseramt-Buchsi mit Sitz in Derendingen hat sich als beliebter Netzwerkanlass etabliert. So erschienen auch dieses Jahr rund 100 erwartungsfrohe Personen im Sonnensaal in Herzogenbuchsee. Bevor der Berufsmilitärpilot Marcel Mühlethaler die Anwesenden auf einen Höhenflug mit der Patrouille Suisse mitnahm, wies Thomas Jäggi, Mitglied der Bankleitung, die Teilnehmer des Branchenforums auf eine einschneidende Änderung im Zahlungsverkehr hin, die in den nächsten Jahren bevorsteht. Der Schweizer Zahlungsverkehr wird in den nächsten Jahren auf der Basis des international anerkannten Standards ISO 20022 vereinheitlicht. Dabei werden die bis heute sehr verschiedenen Zahlungssysteme der Finanzinstitute zusammengeführt, alle bisherigen Formate sowie Verfahren abgelöst und die Einzahlungsscheine durch die neue QR-Rechnung ersetzt.

«Führen bei Tempo 1000»
Danach hiess es anschnallen  für eine eindrückliche Flugshow mit der Patrouille Suisse. Gastreferent Marcel Mühlethaler ist Berufsmilitärpilot und war von 1998 bis 2006 Mitglied der legendären Schweizer Flugstaffel. Daneben ist er seit 2005 als Referent tätig, mit dem Schwerpunktthema Teamwork. So lautete sein Titel für den Vortrag beim Branchenforum verheissungsvoll: «Führen bei Tempo 1000». Die Patrouille Suisse besteht aus sechs Flugzeugen des Typs Tiger F5. Geflogen werden sie von Militärberufspiloten. Rund 30 Prozent ihres beruflichen Engagements entfallen auf Flüge mit der Patrouille Suisse. Mühethaler gehörte von 1998 bis 2006 der bekannten Flugstaffel an. «Die Patrouille Suisse ist auch heute noch eine Visitenkarte der Schweizer Luftwaffe. Sie steht für Präzision, Zuverlässigkeit, Teamwork und Sicherheit», betonte der Langenthaler.

Bei den Flugshows sind die Tiger-Piloten mit Geschwindigkeiten zwischen 200 und 1000 km/h unterwegs. Der Minimalabstand zwischen den Flugzeugen beträgt drei Meter, die Minimalhöhe variiert zwischen 30 und 100 Metern über dem Boden. Damit dies funktioniere, müsse man über ein gut funktionierendes Team verfügen. «Aber, was macht dieses Team aus», fragte Marcel Mühlethaler in die Runde und lieferte sogleich die Antwort: «Jeder muss das gleiche Bild vom Ziel vor Augen haben.» Deshalb müsse man sich vor jedem Auftritt fragen: «Geht es darum, eine perfekte Show abzuliefern oder das Publikum zu begeistern?» Für Marcel Mühlethaler ist klar, dass es beide Elemente braucht. «Wir wollen präzise und spektakulär unterwegs sein.»

Fehler konsequent ansprechen
Dafür müsse sich jeder im Team bewusst sein, dass er mitverantwortlich ist, damit dieses Ziel erreicht werden kann. Deshalb werde zuvor, am Boden, entschieden, was genau in der Luft gezeigt werde. Jeder müsse sich einbringen. Das sei nicht immer einfach, vor allem dann nicht, wenn sich im Team auch «Alpha-Tiere» befinden. «Aber es ist wichtig, dass jeder seine Meinung kundtut und auch Zweifel äussert. Es darf keiner mit einem unguten Gefühl fliegen», erwähnte Mühlethaler. Denn am Ende gehe es nicht darum, einen Kompromiss zu treffen, der allen ein wenig gerecht werde, «nein, es ist von zentraler Bedeutung, dass wir die beste Lösung anwenden».

Und diese Lösung, die man gemeinsam getroffen habe, gelte es in der Folge konsequent umzusetzen. «Ab diesem Zeitpunkt müssen alle vom gleichen reden», erwähnte der Referent. Nach jedem Flug erfolge unmittelbar danach ein Debriefing. Dabei müssten auch Fehler konsequent angesprochen werden. «Es geht nicht darum, wer einen Fehler gemacht hat, sondern um die Frage, was müssen wir tun, damit dieser nicht mehr vorkommt.» Dazu sei eine gute Kommunikation untereinander wichtig. Diese müsse offen, sachlich und stufenlos sein, der militärische Grad dürfe dabei keine Rolle spielen. Es brauche Mut, hinzustehen und zu sagen, dass man dieses oder jenes nicht gut finde. Mühlethaler weiss aus Erfahrung, dass dieses Szenario eher der Theorie als der Praxis entspricht.

Doch als Mitglied der Patrouille Suisse sei ein Element von zentraler Bedeutung: Vertrauen. «Wenn man als Team Spitzenleistungen erbringen will, braucht es ein bedingungsloses Vertrauen untereinander», ist Mühlethaler überzeugt. Vertrauen entstehe einerseits durch Zuverlässigkeit und andererseits durch bewusstes Ansprechen von Fehlern. «Nur wenn man diese eingesteht und darüber diskutiert, kann das Vertrauen in den andern aufrechterhalten werden.» Wichtig sei, dass auch die Rollen im Team und die Verantwortlichkeiten klar geregelt seien. Letztendlich sei auch ein guter Teamspirit nötig. Für den ehemaligen Piloten der Patrouille Suisse kann dieser Spirit nicht aufgebaut oder eingeimpft werden, «vielmehr ist ein guter Teamspirit die Folge davon, wie man bei der täglichen Arbeit miteinander umgeht, respektvoll, vertrauenswürdig, kollegial und zielorientiert.» Das führt dann zum Fazit von Marcel Mühlethalers Referat: «Der Einzelne ist nur erfolgreich, wenn das Team erfolgreich ist.»