Gebenstorf

Premierenkonzerte von callia blu

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Am vergangenen Wochenende konnte das Publikum callia blu zum ersten Mal live in concert erleben. Das neue Vokalensemble präsentierte eine Bühnenperformance, die in dieser Form wohl einmalig ist.

Schon die Eröffnungsszene war aussergewöhnlich. Einzeln oder in Gruppen betraten die Sängerinnen und Sänger nacheinander die Bühne und nahmen, wie einem geheimen Plan folgend, ihre Plätze ein – ein eindrückliches Bild. Dem aufmerksamen Betrachter wurde bald klar, dass es sich um die Nachstellung des Ensemble-Fotos auf dem Konzertflyer handeln musste.

Dieselbe Bildhaftigkeit und Symbolkraft durchzog das gesamte Programm. Mit individuellen und ausdruckstarken Interpretationen hauchten die Sängerinnen und Sänger jedem Song eine Seele ein. Einige Szenen dürften so manchem Zuhörer unter die Haut gegangen sein, wie zum Beispiel in „Hide and Seek“ von Imogen Heap. Die darin beschriebenen Gefühle von Machtlosigkeit und Ausgeliefertsein stellten die Sängerinnen und Sänger mit roboterhaften Bewegungen dar. In der rebellischen Passage „What d’ya say, that you only meant well?“ untermalten sie die trotzigen Aussagen mit stampfenden Bewegungen, bis die Stimmung im aggressiv anklagenden „You don’t care a bit!“ schliesslich kulminierte. Eine Präsentation, die nur so strotzte vor Energie und Spannung. Und genau das ist es, was das neue Ensemble ausmacht. Nicht der musikalische Stil, denn da lässt sich das Ensemble nicht gerne festlegen und präsentiert neben modernen auch klassische Songs, sondern die ausdruckstarke Präsentation und die intensive Bühnenpräsenz.

Eine besondere Erwähnung gebührt an dieser Stelle den diversen Solisten aus dem Ensemble, sowie den beiden Instrumentalisten Cornelius Schock am Piano und Daniel Schwenger, Perkussion, die mit dem Ensemble eine perfekte Einheit bildeten und auch und in den Interludes sehr überzeugten.

Immer wieder liess sich das Publikum überraschen von Inszenierungen, die nie übertrieben oder plakativ waren, sondern auch ohne grosse Gesten auskamen wie in „Der Weg“ von Herbert Grönemeyer. «Ausdruck entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Präzision», betonte der künstlerische Leiter und Dirigenten Richard Geppert, der die Sängerinnen und Sänger in intensiver Probenarbeit an diesen Punkt geführt hat.

Eine der grossen Qualitäten des neuen Ensembles ist neben Präsentation und Bühnenpräsenz der klare, kompakte Gesamtklang. Die Sängerinnen und Sänger profitieren dabei vom Know-how des Dirigenten Geppert, der in Deutschland ein renommierter Vocalcoach ist. Was in der kurzen Zeit seit der Gründung auf die Beine gestellt wurde, übersteigt in jedem Fall das, was man von einem herkömmlichen Chorkonzert erwartet. Auf die weitere Entwicklung von callia blu darf man gespannt sein.

Ruth Weber Suter

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