Rund 50 Männer und Frauen, vor allem aus Gretzenbach reisten im Mai für eine Woche mit Pfarrer Wieslaw Reglinski in seine Heimat Polen.

Die Reise führte uns in die Städte Warschau, Danzig und Thorn. Die moderne Hauptstadt Warschau ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stadt wurde im zweiten Weltkrieg zu 85% zerstört. Wir besuchten das Warschauer Ghetto. Es war für viele Juden Zwischenstation auf dem Weg in die Vernichtungslager. Im Curie-Museum lernten wir die geniale Naturwissenschaftlerin kennen. Sie hat als einzige den Nobelpreis in Physik und Chemie erhalten. In Warschau begegneten wir auch den Spuren von Chopin, auch er ein Pole.

Danzig, die Hansestadt an der Ostsee wurde auch zum grössten Teil im Krieg zerstört. Sie ist geprägt durch die Geschichte um Solidarnosc mit Lech Walesa dem Gewerkschaftsführer und späteren Präsidenten Polens und dem polnischen Papst Johannes-Paul dem Zweiten. Im Solidarnosc-Museum mit seiner genialen Architektur die an ein Schiff im Bau erinnert und den hellen und begrünten Innenräumen kann man auf einem Rundgang diesen Teil der Geschichte hautnah erleben. Die polnische Bevölkerung hat unter der Zeit des Eisernen Vorhangs schrecklich gelitten. Ein Spaziergang durch die liebevoll wieder aufgebaute Altstadt führte uns zum Hafen. Mit einem «Piratenschiff» fuhren wir durch die grossen Werftanlagen, entlang der Westernplatte mit dem Denkmal an den Widerstand der Polen und durch die Danziger Bucht nach dem Badeort Sopot mit der längsten Seebrücke Europas.

Die letzte von uns besuchte Stadt war Thorn. Sie ist Heimat von Kopernikus, der mit seinem heliozentrischen Weltbild mit der offiziellen Kirche in Streit geriet. Thorn konnte ihren alten Charakter am meisten bewahren und hat als Universitätsstadt ein jugendliches, aufgeschlossenes Flair.

Auf unserer Reise erlebten wir aber auch ausserhalb der Städte kulturelle Höhepunkte. So besichtigten wir die riesige Festungsanlage Marieneburg des Deutschen Kreuzritterordens mit seinen grossen warmluftgeheizten Sälen und den geschmückten Kreuzgängen. Weiter die barocke Kirche «Unter den Linden» mit ihrer gigantischen Orgel. Wir durften hier ein kurzes Konzert geniessen und einen Gottesdienst feiern.
Ein Kontrapunkt war der Besuch der Wolfsschanze dem Führerhauptquartier in Polen. Hier misslang der Anschlag von Stauffenberg auf Hitler. Diese riesige Bunkeranlage macht auch heute einen düsteren, fast unheimlichen Eindruck.

Der Höhepunkt unserer Reise waren aber die Masuren. Das Naturparadies im Nordosten Polens (auch «Amazonien Europas» genannt) bezaubert durch seine naturbelassene Landschaft mit dem Wechsel von Wäldern, Heiden, Mooren und hunderten von Seen. Dazwischen liegen kleine, typische Bauerndörfer. Von Nikolaiken, dem touristischen Zentrum aus erkundeten wir mit Stakbooten die wildromantische Krutyna und auf einer Bootsfahrt auf dem Oberlandkanal staunten wir über die deutsche Ingenieurskunst mit der die Touristenschiffe auf Schienenschlitten die Höhenstufen überwinden. Den Tag schlossen wir mit einem Grillabend im Seehotel ab. Fast kitschig, aber über uns flogen Scharen von Wildgänsen pfeilförmig in den Sonnenuntergang.

Genossen haben wir auf dieser eindrücklichen Reise auch das gute Einvernehmen in der Gruppe, das Singen im Car, die Gespräche beim Essen und die perfekte Organisation von Wieslaw Reglinski.
Verena und Hanspeter Jeseneg
Fotos auf www.niederamtsued.ch