Die Innensanierung der Kapelle Mariä Heimsuchung ist abgeschlossen. Pfarrer Gregor Domanski segnete sie an Heiligabend ein.

Neugierig strömten am späten Abend des 24. Dezember die Gläubigen zur Kapelle, um dem ersten Gottesdienst nach der Innensanierung beizuwohnen. Von aussen deutet nur wenig auf die Verwandlung des 94-jährigen Gotteshauses hin. Einzig die Fenstergitter wurden durch Sicherheitsglas ersetzt, nun sieht man die schönen Fenster auch von draussen. Die «Erleuchtung» kommt jedoch im Innern: Wände, Decken, Bilder und Statuen – alles leuchtet wieder! Staunend sassen die Gottesdienstbesucher in den Bänken. Pfarrer Gregor Domanski begrüsste die Freienwilerinnen und Freienwiler sichtlich zufrieden unter dem frisch gestrichenen Dach: «Wir geben diese Kapelle heute zurück an den Herrn.» Er segnete den Ambo, den neuen Zelebrationsaltar und die ganze Kapelle mit Weihwasser und Weihrauch. Dass die «Wiedereröffnung» ausgerechnet am 24. Dezember stattfand, gab der Einsegnung natürlich einen besonders feierlichen Rahmen. Zwei Christbäume und die Krippe mit Figuren von Vreni Burger verliehen der Kapelle zusätzlich einen schönen weihnachtlichen Touch.

Handwerker mit denkmalpflegerischer Ausbildung

Seit Anfang August war die Kapelle geschlossen, sie musste im Innern umfassend saniert werden. Der Aufwand war teilweise grösser als geplant. Unter den Wänden und Decken, die von Rissen durchzogen und dunkel verfärbt waren, fanden die Gipser auch Schimmel. Der Verputz musste darum komplett entfernt werden. «Leider war bei der letzten Renovation falsche Dispersion verwendet worden», erklärt Projektleiter Dieter Bock vom Badener Architekturbüro Castor Huser. Für die Arbeiten wurden diesmal fast ausschliesslich Handwerker engagiert, die denkmalpflegerisch ausgebildet sind. Die Rümlanger Firma Scholz Glaskunst restaurierte die Fenster des Zürcher Künstlers Kurt Wehrli aus dem Jahr 1897. Das grosse Altarbild des Münchner Kirchenmalers Ludwig Glötzle sowie die zwölf Kreuzweg-Bilder wurden vom Restaurationsatelier Stöckli in Stans gereinigt und bearbeitet. Auch die Maria- und Josefstatue links und rechts vom Altarraum wurden fachmännisch restauriert und stehen auf einem neuen Sockel.

Neuer Altar kann versetzt werden

Im Altarraum blieb fast kein Stein auf dem andern: «Mithilfe alter Fotos konnten wir den ursprünglichen Zustand des Altarraums rekonstruieren», erklärt August Schubiger von der Kirchenpflege Lengnau-Freienwil. Der alte Altartisch wurde zum Hochaltar zurückversetzt und das Podest wiederhergestellt. Der neue schlichte Zelebrationsaltar, der am 20. Dezember geliefert wurde, steht näher bei den Gläubigen und kann bei Bedarf verschoben werden. Die Kniebank neben der Sakristei wurde komplett entfernt und durch eine flexible Bestuhlung ersetzt. Dank dieser Massnahmen können künftig auch Konzerte in der Kapelle stattfinden.

Nicht neu ist übrigens der Klinkerboden im Altarraum: Er kam, genauso wie der Terrazzo-Boden im Schiff, unter dem alten Kokos-Teppich zum Vorschein, als dieser herausgerissen wurde. Bei der Treppe zur Empore hoch ist das Holz freigelegt worden. Und oben singt der Chor weiterhin auf dem (gereinigten) Teppich zu den Klängen der Orgel, die entstaubt und gestimmt wurde.  

Grosszügige Spender «retten» das Budget

Durch die unvorhergesehenen Mehrkosten bei der Bodensanierung sowie das nicht geplante Ersetzen der maroden Lautsprecheranlage ist das Budget von 224 000 Franken zwar um gut 10 Prozent überschritten worden. Dank der in Aussicht gestellten Beträge der Denkmalschutzpflege des BKS (38 000 Franken) und zahlreichen Spenden (45 000 Franken, rund die Hälfte davon von der Einwohnergemeinde Freienwil) wird die Rechnung trotzdem unter dem bewilligten Kredit liegen.