Am Sonntagmorgen 12. Dezember um 11 Uhr fand in der Galerie am Bach im Rahmen der letzten Ausstellung eine Lesung mit Geschichten von Harriet Keller und Wilhelm Kufferath von Kendenich statt, die ein zahlreich erschienenes Publikum begeisterten.
Die Künstlerin Harriet Keller begann ihre Lesung mit einem Text von Heinrich Heine, einem romantischen Gedicht mit dem Titel „ Altes Kaminstück", das in feinen Bildern winterliche Weihnachtszeit in die Galerie zauberte. Anschliessend las sie eine eigene Weihnachtsgeschichte vor, die von einem blauen Stoffbären mit roten Füssen handelte, den niemand kaufen wollte und der allein in den Weihnachtsgeschenken und-dekorationen sitzen blieb. Eine junge Frau verstand die Botschaft, die dieses vergessene Bärchen ausstrahlte, nämlich dass auch etwas Fremdes oft ein Lächeln in die Gesichter der Menschen zaubert , denn wer einsam und allein ist, nimmt andere oft besonders liebevoll auf.
Wilhelm Kufferath von Kendenich las eine Eigenproduktion vor, eine Geschichte aus der Novemberzeit in seiner Kindheit, als eine wunderschöne ältere Dame im Parterre ihres Hauses in Deutschland wohnte. Er besuchte diese Frau oft, und sie zog ihn mit ihrem Lächeln und den tiefblauen Augen magisch an. Sie war sicher 30 Jahre älter als er, aber bis heute behält er sie als schöne Frau in Erinnerung. Eines Tages, als er in der Schweiz wohnte, telefonierte sie ihm und bat ihn zu kommen, sie hätte eine Frage. Er tat dies und die Frage lautete: Was geschieht nach dem Tod? Er wusste die gültige Antwort nicht, hoffte aber, das sie wie immer in ihr Herz hineinhorche, vielleicht fände sie dann die Antwort. Kurz vor ihrem Tod traf er sie noch einmal, und sie schämte sich ob ihres Alters, doch für ihn sah sie noch genauso wunderschön aus wie in seiner Kindheit, und diese Worte zauberten ein Lächeln auf ihr Gesicht.

Harriet Keller fuhr mit der Geschichte das Bären und des Wolfes von Fridolin Stier weiter, eine Fabel die den Bär zur Einsicht brachte, dass das Schaf aller Schafe existieren müsse, denn er rieche es in seiner Nase. Dieses Schaf mache, dass man nie mehr Hunger leiden müsse. Den Wolf konnte er nicht überzeugen, da trottete der Bär von dannen. Wilhelm Kufferath von Kendenich erzählte seinerseits die Geschichte aus Irland, die er vor vielen Jahren erlebte, als ein Esel sich in das neu erstellte Fabrikareal in Irland einschlich und die schönen Pflanzen auffrass. Niemand konnte sich erklären, wie der Esel hineingekommen war, denn die Abschrankung bestand aus einem Gitterrost, für Eselsfüsse nicht passierbar. Ein paar Abende hintereinander tauchte der Esel pünktlich auf und frass sich voll, zurück mussten sie ihm eine Eselsbrücke bauen, damit er über den Rost gehen konnte. Damit sie hinter das Geheimnis kamen, beobachteten sie die ganze Nacht das Areal.Da kam der Esel, ging vor dem Rost in die Knie, rollte sich geschickt seitwärts zusammen, warf seine Beine in Luft , drehte sich und landete auf der anderen Seite des Rostes, ein Meisterstück, er musste ein blitzgescheiter Esel gewesen sein. Plötzlich kam er nicht mehr, und niemand wusste, was mit ihm geschehen war, doch vergessen konnte ihn der Erzähler bis heute nicht.
Zum Schluss las Harriet Keller ein Gedicht von Tucholsky vor, weihnächtlich geprägt, mit ironischem Hintergrund über das Tun und Lassen der Menschen. Mit der Geschichte „Angekommen" rundete sie diesen interessanten Lesemorgen ab. Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus, die Geschichten gefielen.
Madeleine Schüpfer