Vom Schattendasein der Farben

Vernissage der Kunstausstellung ‚Unterwasserfotografie’ im Dorfmuseum Lostorf

VON RAPHAELA GLÄTTLI-GYSI

Zahlreiche Vernissage-Besuchende hatten sich zur achten Kunstausstellung im Dachstock des Dorfmuseums Lostorf eingefunden. Die farbexplosiven Unterwasserfotografien von Piero Ambrosone sprächen für sich und seien Ausdruck von sehr viel Geduld und Warten, sagte Rolf Kohler, Vorstandsmitglied des Vereins Dorfmuseum zur Begrüssung. Luana Vögeli, das Patenkind von Piero Ambrosones Partnerin stimmte folgend die Vernissage-Besucher mit einer passenden Unterwassergeschichte auf die Ausstellung ein. Iris Schelbert-Widmer begann ihre Laudatio mit den Worten: „ Ich bin Betrachterin von Fotografie-am liebsten schwarz weiss.“ Sie liebe das Meer, schaue gerne den Wellen zu vom Strand oder beim Rudern. Also am liebsten von aussen oder oben. Wenn sie dann doch einmal Taucherbrille und Schnorchel anziehe und im seichten Wasser unter die Oberfläche schaue, finde sie den Anblick seltsam und schön aber auch etwas unheimlich. Alles scheine grau-grün und nach schon wenigen Metern verschwimmen die Konturen. Und jetzt stehe sie da, inmitten dieser geheimnisvollen Unterwasser-Bilder. Sie habe Piero Ambrosone viele Fragen gestellt, alle seien beantwortet worden. Nur bei den Fragen zur fotografischen Technik habe sie sehr schnell gemerkt, dass da ein Tüftler, ein Perfektionist, ein professioneller Handwerker, ein suchender Entdecker, ein sehr disziplinierter Mensch und für sie- ein Alchemist, ein Zauberer-am Werk sei. Aber es sei etwas ganz Wunderbares passiert; eine ganz neue, völlig unbekannte Welt habe sich für sie aufgetan. Natürlich schaue sie im Fernsehen Dokumentationsfilme über Korallenriffe und Meerestiere. Aber es gehe dort um Information, Verweilen sei nicht möglich. Ganz anders sei die Erfahrung beim Betrachten der Bilder von Piero Ambrosone. Man habe Zeit mit den Augen zu erkunden, Formen und Farben zu erfassen. Und sie werde nie diese Lebewesen mit eigenen Augen sehen, das mache die Bilder noch spezieller. Sie habe sich mit dem Künstler unterhalten, was die Betrachtenden an den Fotografien fasziniere und was den Fotografen. Das könne niemals dasselbe sein. „Piero Ambrosone fotografiert im Supermakrobereich, also nur einen Zentimeter vom Objekt weg. Er sieht die Farben auch nicht, das diffuse Blau der Tiefe lässt die Farben verschwinden“, ergänzte Schelbert. Aber Ambrosone, welcher seit dem Jahr 2000 die beiden Hobbies Tauchen und Fotografieren verbindet, wisse, wie er die Szenerien ausleuchten müsse, damit solche Farbexplosionen entstehen könnten. Nach den Tauchreisen beginne die Arbeit im Atelier am Computer. Erst dort werde für Ambrosone ersichtlich, welches Bild für die Weiterverarbeitung genüge. Der Zufall bei jedem Tauchgang spiele mit. Einmal stimme alles, ein anderes Mal nichts. Berühre man mit der Kamera aus Versehen eine Anemone oder Koralle, ziehen diese sich zurück oder schliessen sich und der Moment sei vorbei. „Wir können kaum erahnen, welches Gefühl ein weisses Seepferdchen oder eine seltene Koralle, welche noch in keinem Bestimmungsbuch aufgeführt ist, bei Piero Ambrosone auslöst“, ergänzt Schelbert. Ihr habe Ambrosone auch von den Tauchgängen mit seiner Partnerin erzählt. Sie habe ein besonders gutes fotografisches Auge. Sie sei ihm eine grosse Unterstützung auch bei den Reisevorbereitungen für in den fernen Osten. Die meisten Tauchgänge unternimmt das Paar im sogenannten Korallendreieck vor der Küste Indonesiens und Papua-Neuguineas. Dort sei die Biodiversität am grössten.