Auch alles Gute hat ein Ende: Nach 15 Jahren als Rotkreuz-Fahrer steigt der Belllacher Georg Schmitt aus – und geht als singender Chauffeur in die Annalen ein.

«Klinge Munotglöckelein, grüsse mir die Liebste mein...» Mit seiner Tenorstimme füllt Georg Schmitt den Raum. Nicht nur zu Hause in seiner Küche singt er, sondern auch in zwei Chören – und bis vor Kurzem im Auto: Damit erfreute und tröstete der 80-Jährige viele Menschen, die er im Auftrag des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Kanton Solothurn in eine Therapie, in eine Tagesstätte, zum Arzt oder auf den Friedhof fuhr. Mit Volksliedern wie dem Schaffhauser Lied und mit Arien aus der Lustigen Witwe oder dem Zigeunerbaron sang sich Georg Schmitt in die Herzen seiner Gäste. «Etliche», sagt er mit etwas Stolz in seiner Stimme, «haben ausdrücklich gewünscht, sich in die Obhut des singenden Fahrers begeben zu dürfen.»

Höchstens eine Woche Ferien

Fünfzehn Jahre lang war Georg Schmitt regelmässig für das SRK Kanton Solothurn mit dem grösseren Bus oder mit seinem privaten Auto, unterwegs. «Alles in allem», sagt er, «habe ich fünf Mal die Erde umrundet.» Diese stolze Zahl war möglich, weil er sich höchstens eine Woche Ferien im Jahr gegönnt habe. «Ich hatte den Plausch, denn ich bin ein kontaktfreudiger und humorvoller Mensch. Das Fahren gab mir eine Aufgabe – und ich hatte einen Grund, am Morgen aufzustehen. Zudem hatte ich das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Dieser Job war auf mich zugeschnitten.»

Ein Job, in den er hineingerutscht sei: Via einen Bekannten, dem er sein Interesse an einer solchen Aufgabe signalisiert habe, sei er vom Roten Kreuz angefragt worden. Schon immer sei er ein Helfer gewesen; habe als gelernter Schreiner und gewiefter Handwerker bei diversen Vereinen angepackt, wenn Not am Mann war. «Einer meiner drei Söhne hat mich mal gefragt, warum ich dauernd helfen will. Damit ich in den Himmel komme, habe ich geantwortet. Darauf meinte mein Sohn: Da kannst du aber noch lange herumfahren.»

Die Wartezeit überbrücken

Obwohl Georg Schmitt diese Anekdote im Spass erzählt, steckt doch ein Körnchen Wahrheit drin: Aufgewachsen in Bayern, ist er von der katholisch-christlichen Überzeugung geprägt, dass sich ein rechtschaffener Menschen für bedürftige Menschen einzusetzen habe.

Nun ist er vom (Fahr-)Dienst am Mitmenschen pensioniert – die zweite Pensionierung nach der intensiven Arbeit als Aussendienstler. Denn Rotkreuz-Fahrer dürfen höchstens achtzig Jahre alt sein. Das akzeptiert Georg Schmitt wie ein Gentleman, «obwohl nun eine Lücke klafft und ich am liebsten weiterhin fahren würde.»

Nun hat er mehr Zeit für seine neun Enkel sowie für Basteleien im und ums Haus. Und für Kreuzworträtsel – wie zu seinen Zeiten als Fahrer: So hat er jeweils die Wartezeiten überbrückt.

Für andere unterwegs

Etwas Sinnstiftendes tun: Dies ist für die rund 250 freiwilligen Fahrerinnen und Fahrer des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Kanton Solothurn die Belohnung für ihr freiwilliges Engagement. Die Rotkreuz-Fahrer sind gefragt: Viele Menschen schätzen es, sicher und zu einem passablen Tarif zur Therapie, zum Arzt ins Spital oder auf den Friedhof gefahren zu werden. Darum braucht der Fahrdienst Verstärkung. Etwas Zeit, Freude am Kontakt mit Menschen, ein gültiger Fahrausweis sowie ein eigenes Auto sind die Voraussetzungen. Alle Fahrerinnen und Fahrer besuchen zur Einstimmung einen Einführungskurs, sind während ihres Einsatzes versichert und erhalten eine Entschädigung für Spesen.

Interessierte melden sich bitte beim SRK Kanton Solothurn: 032 622 37 20; info.solothurn@srk-solothurn.ch, www.srk-solothurn.ch