Der Natur- und Vogelschutzvereins Oensingen spürte  50 verschiedene Vogelarten in den Gärten von Oensingen auf.

Am Sonntagmorgen des 21.April 2013 spielten sich kuriose Szenen in den Gassen von Oensingen ab. Trotz des schwachen Nieselregens und für die Jahreszeit kühlen Temperaturen, streiften Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins durch die Gassen von Oensingen. Bewaffnet mit Feldstecher, feinem Gehör und Schreibmaterial belauschten und beobachteten sie intensiv die Gärten der Einwohner von Oensingen und kritzelten irgendwelche Sachen auf ein Blatt Papier. Nach etwa 15 bis 20 Minuten legten sie dieses Blatt in den Briefkasten der Hausbewohner. Da stellte sich die Frage: Was wollten die nur?

Hier des Rätsels Lösung: Der Natur- und Vogelschutzverein von Oensingen (kurz NVVO) führte an diesem frühen Sonntagmorgen einen Gartenvogelaktion durch. Neu war diese Idee jedoch nicht. Hatte doch der Schweizer Vogelschutz schon im Jahr 2008 die Aktion „Stunde der Gartenvögel“ erfolgreich durchgeführt. Aber warum nicht altbewährtes wieder ins Leben rufen. Aus diesem Grund erstellte der NVVO in 100 Oensinger Gärten ein „Blitzinventar“ der Grundstücke. Dabei wurde nicht nur in den Gärten selber auf Vogelsuche gegangen, auch in der näheren und weiteren Umgebung gingen die Ornithologen auf die Vogelpirsch. Das Resultat konnte sich sehen lassen. Nicht weniger als 50 verschiedene Vogelarten wurden registriert. Nebst den üblichen Verdächtigen wie Hausrotschwanz, Grün- und Buchfink, Kohl- und Blaumeise, Elster und Rabenkrähe wurden auch ornithologische Spezialitäten gesichtet. So konnten sich die NVVO-ler an einem singenden Berglaubsänger an der Klusstrasse, einem Fichtenkreuzschnabel auf „seinem Baum“ entlang der Vogelherdstrasse und einem rasant durchziehenden Baumfalken erfreuen. Naturnahe gestaltete Grundstücke mit einheimischen Pflanzen und einem gewissen Wildwuchs waren reicher an verschiedenen Vogelarten.

Trotz intensivem suchen konnte wir leider keinen Gartenrotschwanz ausfindig machen. Gerade dieser hübsche Vogel ist auf artenreiche Baumgärten und Hostetten angewiesen, in denen er Brutplatz und Nahrung zugleich findet. Durch das Verschwinden dieser wichtigen Habitate, auf Kosten des Baubooms in Oensingen, verabschiedete sich bei uns nebst dem Gartenrotschwanz leider auch Wendehals, Wiedehopf, Steinkauz und Co. Ebenso düster sieht die Zukunft der Feldlerche aus. Hört man sie jetzt noch unerschöpflich über den Feldern von Oensingen singen, wird sie spätesten nach der dritten Schnitt verstummen. Ihre Bestände sind auf ein mickriges Minimum geschrumpft.

An einigen Gärten wurden die Hausbewohner auf die Vogelkundler aufmerksam und luden die frierenden und nassen Beobachter/innen zu Kaffee und Kuchen ein. Nach dem vierstündigen ornithologischen Rundgang durch Oensingen kam auch das gesellige nicht zu kurz. Bei einem feinen Apéro liessen die NVVO-ler einen rundum gelungen Sonntagmorgen ausklingen. In den nächsten Jahren wird der Natur- und Vogelschutzverein von Oensingen diese Aktion bestimmt wieder durchführen. Es wird spannend sein zu beobachten, ob die 50 beobachteten Vogelarten wieder erreicht oder gar übertroffen werden können. (mpo)