Ende August trommelte Bildungskoordinatorin Helen Marti sechs Mitlagerleitende und alle Erst-Lehrjahr-Lernenden der Praktischen Ausbildung nach INSOS (PrA) zusammen. Ihre Mission: Während dem Bildungslager sich unbekannte Menschen zu einem starken Team zusammenführen.

Claudio Kupferschmid, Lernender Unterhaltspraktiker, sah der Projektwoche auf der «Obere Wechten» ob Mümliswil kritisch entgegen. «Ich kannte kaum jemanden, das machte mir Sorgen.» Nach drei Tagen findet er die Zeit, hier oben auf dem Berg, super. «Das Wandern hat mir mega gut gefallen». Auch Sanja Pajkic, Lernende Hauswirtschaft und Pflege, war nicht zu Beginn weg Feuer und Flamme für das Lager. «Ich wusste nicht, was hier oben auf mich zukommen wird». 

Raus aus der Komfortzone

«So geht es den meisten Lernenden», meint Roland Wyler, Leitung Bildung und Betreuung. Für viele bedeutet diese Projektwoche das Verlassen ihrer gewohnten Strukturen, sie sind das erste Mal von Zuhause weg. Sie müssen sich in einer Gruppe von 30 Menschen behaupten, sie aushalten. Doch die Widerstände sind oft rasch verschwunden. Schnell wird man hier eine eingeschworene Gemeinschaft.

Das Hauptziel der Projektwoche ist der soziale Umgang. Zusammen etwas bewirken, einander helfen, Hilfe annehmen lernen, gemeinsam für ein Ziel einzustehen. Die Projektwoche wird schon seit vielen Jahren durchgeführt. Zum vierten Mal auf der «Obere Wechten». Wie letztes Jahr greift man auch dieses Jahr Bergwirt und Gastgeber Jörg Saner unter die Arme und pflegt die Umgebung rund um das Restaurant. So restaurieren die Lernenden unter Anleitung Fensterläden, stellen Wanderwege in Stand und streichen den Geräteschuppen neu. Bereits am dritten Tag lässt sich die Verwandlung sehen. Das erfüllt die Jungen mit Stolz, wie Grigorji Haab: «Es sieht viel schöner aus als am Montag!» Grigorji ist im KV Vorbereitungsjahr und während der Lagerwoche für die interne Medienarbeit zuständig.

Out- und Indoor-Knigge

Nicht nur handwerklich sind die Jungen gefordert. So erklärt Thomas Liechti den VEBO Knigge – also welche Werte man in der VEBO lebt und pflegt. Dabei hält er nicht etwa einen Monolog. In überraschenden Theatersequenzen macht das Team auf Littering aufmerksam. Oder zeigt auf, wie nervig das Handy während dem Mittagessen ist.

Berufsstolz fördern

Leonora Zairi, Lernende Servicefachfrau, deckt aufwendig die Tische mit ihren Kolleginnen. «Heute kann ich meiner Chefin zeigen, was ich bereits kann. Das macht mich etwas nervös, freue mich aber auch darauf.» Das Leiterteam hat alle Berufsbildner für den Abend eingeladen. Die Lernenden bereiten vom Apéro bis zum Risotto alles selbst zu. Damit soll auch der Berufsstolz gefördert werden und schliesslich schafft es jeder, sich auf seine Weise einzubringen. Das macht auch die Berufsbildenden stolz, wie Priska Magnaghi, Leiterin Restaurant Genusswerkstatt: «Die Lernenden verwöhnen uns und geben ihr Bestes, das berührt mich. Es ist auch schön, dass wir uns hier oben mal anders, als auf der Arbeit, begegnen können».