Seit 80 Jahren gibt es sie nun schon und am 15. Mai war es wieder einmal so weit: Rund 200 Personen trafen sich zur Mittagszeit vor dem Derendinger Gemeindehaus, um auf die beliebte Seniorenausfahrt zu gehen. Alle genossen den Nachmittag in bester Gesellschaft, bei feinem Essen und vielen angeregten Gesprächen.

Selbst die dicken Wolken am Himmel schreckten niemanden ab. Alle Gäste waren bestens gelaunt, als es mit vier Cars Richtung Zentralschweiz losging. Doch je mehr sich der Konvoi dem Ziel am Vierwaldstättersee näherte, umso heftiger begann es zu regnen. Die heilige Sophia, also die letzte der sogenannten Eisheiligen, machte ihrem Ruf an ihrem Namenstag alle Ehre. Bei der Ankunft vor dem prunkvollen Seehotel Waldstätterhof in Brunnen kamen jedenfalls die Regenschirme zum Einsatz.

Heiter war dafür die Stimmung im mondänen Speisesaal des edlen Hotels. Zuerst wurde ein feines Salatsträusschen an Parmesandressing serviert. Dann hielt Gemeindepräsident Kuno Tschumi eine kurze Ansprache. Er dankte dem Hoteldirektor Ernst Weiss für die Gastfreundschaft und erzählte aus der Geschichte des Hauses: „Als am 17. Juni 1870 das Hotel Waldstätterhof eröffnet wurde, herrschten in Europa unruhige Zeiten. Zwei Tage später brach der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich aus. Die Schweiz wurde zu einer Insel des Friedens und die Erfolgsgeschichte des Waldstätterhofs mit seiner prachtvollen Aussicht direkt am See begann. Damals kostete eine Übernachtung zwischen acht und elf Franken. Eine Badewanne in jedem Zimmer, das bedeutete einen grossen Luxus.“

Dann zählte Tschumi ein paar klangvolle Namen von Gästen auf, die in den vergangenen 148 Jahren im Waldstätterhof übernachtet haben: Königin Victoria von England, König Alfons von Spanien, Winston Churchill, Hermann Hesse, George Bush, Köbi Kuhn.

Nachdem Albert Auf der Maur, Präsident der Gemeinde Ingenbohl, zu der auch Brunnen gehört, die Derendinger Seniorinnen und und Senioren im Waldstätterhof willkommen geheissen hatte, ging es mit der Hauptspeise weiter: Fleischvogel an Rotweinsauce mit Kartoffelstock und Gemüse.

Dann war es Zeit für die Ehrungen. Gemeindepräsident Tschumi gratulierte der ältesten Teilnehmerin: Im vergangenen Februar wurde Frieda Flury 95 Jahre alt. Sogar noch auf fünf Lebensjahre mehr darf Johann Misteli zurückblicken, der im Februar seinen 100. Geburtstag feierte. Und dann gab es auch noch einen bemerkenswerten Rekord: Edi Kaiser hat seit 20 Jahren keine Seniorenfahrt verpasst. Kuno Tschumi gratulierte mit den Worten: „Lieber Edi, zur Belohnung darfst Du das nächste Mal gratis mitkommen.“

Mit dem Dessert, gebrannter Crème mit Greyerzerrahm, guckte in Brunnen endlich auch die Sonne zwischen den Wolken hervor. Das war die perfekte Aufforderung für einen kleinen Spaziergang an der Seepromenade entlang. Die mit Nebelschwaden verhangene Bergwelt mit ihren schroffen Felswänden rund um den Urnersee, Willhelm Tells Heimat also, sorgte für eine ganz besondere Atmosphäre.

Und so ging es in heiterer Laune über Vitznau, Weggis und Küssnacht am Rigi in Richtung Luzern auf den Heimweg. Zu Hause angekommen rundete die Musikgesellschaft Derendingen mit einem kleinen Konzert für einen wunderbaren Abschluss der diesjährigen Seniorenausfahrt.