„Ich kann Ihnen gleich zu Beginn eine Spezialität anbieten", freute sich Martin Sebastian von der IG Schweizer Folklore an der traditionellen Folklore-Weihnacht in Niedergösgen am Sonntagnachmittag. „Die Nachwuchs-Volksmusiker „Niesefäger" aus Spiez treten nämlich auf mit zwei Schwyzerörgeli und einer Folklore-Flöte respektive einer Solo-Blockflöte." Das Flötenspiel sei selten geworden in der Volksmusik, und jetzt sei mit Oliver Marti ein richtiges Talent aufgetaucht. Oliver musiziert mit seinen Kollegen Nicolas Greber und David Tschan. Sie werden am Bass begleitet von Jvan Jesenek, Olten. Er ist auch der musikalische Leiter des Trios.

Der Nachwuchs ist gesichert
Seit neun Jahren findet die Folklore-Weihnacht, also der Abschluss des Nachwuchswettbewerbs Jodeln und Volksmusik, in der Mehrzweckhalle Niedergösgen statt. Organisiert wird der Anlass von Hans Eng, Präsident des OK Schweizer Folklorenachwuchs unter der Trägerschaft EJV, VSV und DRS Musikwelle. Er ist Mitglied des „Jodlerklubs Echo Niedergösgen-Schönenwerd", deren Mitglieder für das leibliche Wohl sorgen. „Wir dürfen jedes Jahr mehr Besucher bewirten", sagte der Präsident des Klubs Peter Meier. An diesem Tag wird die CD „Folklore-Vollträffer" getauft im Beisein der CD-Gotte, der bekannten Jodlerin Luise Beerli aus Höngg. Sie schenkt allen Jugendlichen, welche das Final erreichen (fünf in der Kategorie Jodel; fünf in der Kategorie Volksmusik), seit Jahren eine CD. Sie hielt fest, sie staune jedes Jahr neu über die hohe Qualität der Vorträge: „Wir glaubten früher, wir könnten singen und musizieren und unterhalten und nach uns gebe es nichts mehr." Doch sie stelle fest, dass der Nachwuchs in jeder Beziehung besser sei. „Die Alten können abtreten; unser Nachwuchs ist gesichert", meinte sie lachend ins Mikrofon.

Das Händchen halten
Folklore-Experte Martin Sebastian, der den Wettbewerb 1994 initiierte (er organisierte allerdings seit 1981 Konzerte für Kinder und Jugendliche) führte durch den gemütlichen Nachmittag. Dabei stellte man eine Vertrautheit zwischen ihm und den Auftretenden fest. Viele Monate hatte er die Kinder und Jugendlichen begleitet, ihnen zugesprochen vor Auftritten im Fernsehen, Radio und vor riesigem Publikum. „Das geht manchmal bis zum Händchenhalten, wenn ein Kind speziell nervös ist", verriet er schmunzelnd. An der Folklore-Weihnacht ist die Stimmung dagegen locker. Die jungen Folklorestars werden begleitet von Eltern, Grosseltern, Paten, Onkeln, Tanten, Nachbarn. In der Halle hört man Dialekte aus der ganzen Schweiz. Nervös brauchen sie jetzt nicht mehr zu sein, denn ihre Siege haben sie im Sack.

Starke Halbkantone Appenzell
Die Stunden sind unterhaltend, bunt und fröhlich. Gerade so wie das Jugendchörli Appenzell AI, Gesamtsieger Kategorie Jodel. Die 35 Mädchen und Knaben in ihren wunderschönen Trachten reisten an im Car mit ihrem „strengen aber guten" (O-Ton eines Buben) Leiter Stephan Streule-Gmür. Die grosse Gruppe sieht nicht nur schön aus; sie singen und jodeln ebenso schön. Auch die Gesamtsieger Kategorie Volksmusik stammen aus dem Appenzellischen, jedoch aus den äusseren Rhoden, nämlich aus Teufen. Es sind die vier Geschwister Linder, ebenfalls eine Augenweide und „lüpfig" spielend. Offensichtlich hat die Jury die richtigen Sieger erkoren, denn das Publikum wollte nach den beiden Vorträgen nicht mehr aufhören mit Klatschen.

Die weiteren acht Vorträge bereiteten nicht weniger Freude, aber sie kamen in der Aufmachung bescheidener daher. An den Stimmen der Jodlerinnen Juliana Kubli, Kradolf TG, Caroline Martig, Steg VS, Duett Martina Hofer-Stefanie Kämpfer, Dürrenroth BE, sowie Terzett Geschwister Weber, Reigoldswil BL gab es nichts zu mäkeln. Ebenso die Auftritte der drei jungen Männer vom Echo vom Weideggä, Rothenturm SZ, sowie Janine und Daniel Bösiger, Matten BE, erfreuten das Herz. Auf die Frage aus dem Publikum, weshalb auf der Bühne auch ältere Leute stehen würden, wenn doch die Teilnahme am Wettbewerb nur bis zum 20. Altersjahr möglich sei, antwortete Martin Sebastian, dass Personen an Begleitinstrumenten über 20 sein dürften.

Volksmusik-Formationen gesucht
Thedy Christen, Regionalvertreter VSV Verband Schweizer Volksmusik der Zentralschweiz und Juryobmann Jungmusikanten, lobte Organisatoren und Auftretende mit ihren Betreuern für ihren Einsatz. Er würde es gerne sehen, wenn sich mehr Formationen zum Wettstreit anmelden würden. „Es gibt unzählige gute Volksmusik-Formationen von Jugendlichen, aber sie halten sich zurück, am Nachwuchswettbewerb teilzunehmen." Martin Sebastian fügte an, dieser Wettbewerb könne ein Sprungbrett bedeuten, denn die Karrieren von beispielsweise Melanie Oesch, Nicolas Senn, Nadja Räss sowie Seppli und Florian Brun hätten beim Folklore-Wettbewerb begonnen.

Ausserhalb Konkurrenz fiel der kleine Elias auf, der mit seinem Gotti als Gast anwesend war. Schweizer Brauchtum muss ihm im Blut liegen, schliesslich ist sein Vater ein ehemaliger bekannter Schwinger aus Eppenberg. Der Kleine nahm den Nuggi aus dem Mund und sang und jodelte (!) besonders bei den Appenzeller Kindern mit. Zur Ländlermusik schlug er mit seinem rechten Füsschen den Rhythmus und bewegte auch sein Kuscheltier im Takt. Wir werden uns nicht wundern, wenn Elias in ein paar Jahren in Niedergösgen auf der Bühne steht ...

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