Vor dreissig Jahren hat Susanne Meier-Müller das Traditionsgeschäft der Familie Haag übernommen und nun geht das Licht aus. Aus der ehemaligen Lingerie wurde 1985 das hübsche „Wullestübli“ eingerichtet. Dankbar schaut das Ehepaar auf drei Jahrzehnte zurück.

Wie es dazu kam, wollte der Schreiberling wissen. Susanne Meier und ihr Ehemann Hansueli Meier sitzen am Tisch in der gemütlichen Stube und erzählen von ihrem Werdegang. „Ich ging einmal in der Woche zu Haags, um den Lottoschein anzugeben. Im Gespräch erwähnte die damalige Besitzerin, sie wolle das Geschäft altershalber auflösen“ erinnert sich Herr Meier. Er schlug seiner Frau vor, sich Gedanken zu machen, ob sie nicht dieses als Wollgeschäft eröffnen wolle und ihr Hobby zum Beruf machen. „Nach den Abklärungen mit der Bank, dem damaligen Vermieter und in der Familie, wagte meine Frau ein JA zu diesem Unternehmen“.

Bis 1984 konnten Lottoscheine abgegeben werden. Eine chemische Reinigung war in den Räumlichkeiten intergiert, sowie konnte man schöne Pyjamas, BH’s, Hü-Gü’s, aber auch Wolle, Knöpfe und einiges mehr kaufen. Das Ehepaar wollte nicht in diesem „grossen Stil“ auffahren, nicht diese Vielfältigkeit anbieten. Susanne Meier knüpfte Kontakte mit Woll-, Garn und Knopflieferanten, eine Renovation liess den Verkaufsbereich erstrahlen. Sie freute sich immer mehr auf die Eröffnung am 1. März 1985. Die bunten Wolle und Garne, Knöpfe mit unterschiedlichsten Sujets, eine Nische mit Pyjamas in verschiedenen Grössen und Artikel für Babys hauchten den Vierwänden neues Leben ein. Liebevoll selbstgestrickte Pullover, Jäckchen, Mützen und Bebésocken zierten den Raum.

„Ich liebte die Nähschule“
Die in Aarau aufgewachsene Susanne Meier erzählt, dass sie schon als kleines Mädchen lieber „Lismi-Nadeln“ in den Händen hielt, als sich sonst in der Schule mit anderen Fächern auseinander zu setzen. „Ich liebte die Nähschule. Schade, dass es heute diese nicht mehr in diesem ursprünglichen Sinn gibt.“ Ihre Kundschaft sei Altersdurchzogen. Sie stammen aus der umliegenden Region, erzählt sie weiter. Heute kämen auch ganz junge Menschen und liessen sich beraten. „Eigentlich sind es vier Generationen, die ich bediene. Grossmütter kommen mit ihren Enkeln und eine Dame hat nun auch schon eine Urenkelin, die sich für diese Handarbeit interessiert“, berichtet sie. „Kundinnen der ersten Stunden kommen immer noch. Dies bestätigt, dass wir mit unserer Entscheidung richtig lagen“. So könnte man doch sagen: „vom ersten bis zum letzten Tag mit dabei gewesen“.

An der Oltnerstrasse 39 geht wieder ein zum Dorfbild, gehörendes Geschäft zu und zwar am 28. März 2015. Was daraus wird, wissen die Meiers noch nicht. Sie möchten, ihre im 1992 erstandene Liegenschaft gerne verkaufen. Geschäftsladen, gute 150 m2 Wohnfläche in den oberen Etagen und ein grösserer Anbau gehört dazu. Doch es sei schwierig, bestätigen sie. Das Haus werde für die Beiden zu gross. Am liebsten würden sie in ein kleines Häuschen oder eine Eigentumswohnung ziehen. Aber das will Weile haben.

Was bringt die Zukunft
„Uns wird nicht langweilig werden“, bestätigen die rüstigen Rentner. Susanne Meier würde gerne die ganze Schweiz bereisen. „Es gibt so viele Orte, die ich sehen möchte. In den Schwarzwald oder nach Österreich fahren. Dann möchte ich wieder ausgiebig in der Küche stehen. Kochen und backen was das Herz begehrt.“ Hansueli Meier strahlt, dass er sich vermehrt der Musik und dem PC widmen möchte oder das Kochen erlernen oder der Modelleisenbahn oder sonstigem Modellbau hingeben. Die Schreiberin wollte wissen, wie es denn mit der Strickerei sei. Herr Meier verneint, damit hätte er nichts am Hut. Seine Frau hingegen will weiterhin: „Inestäche, omeschlo, dorezieh ond abeloh“. Genau wie im Lied von Subzonic „Titelgschicht Lyrics“, bloss, dass „Mikrofon ond Kamera“ im Refrain bei Susanne Meier gegen „Wolle ond Nodle“ ausgetauscht werden.

„Wir sind unserer treuen Kundschaft, aber auch den Gelegenheitsbesuchern zu Dank verpflichtet. Dankbar, dass diese uns ermöglicht hat, viele gute Begegnungen zu haben, gute Gespräche zu führen und zu erkennen, dass wir ohne diese liebenswürdigen Menschen nicht so viel hätten erleben können“, schliessen Susanne und Hansueli Meier das Gespräch.

Verena Fallegger