Muri (AG)

Betriebsbesichtigung der SVP - Ortspartei Muri

megaphoneaus Muri (AG)Muri (AG)
Die Teilnehmer versammelten sich zum Schluss vor dem PET - Fisch

Gruppenbild vor dem PET - Fisch

Die Teilnehmer versammelten sich zum Schluss vor dem PET - Fisch

Solidaritätskundgebung für die "gilets jaunes" in Muri?

(WR) Nein, gleich vorweg: es wurde keine Solidaritätskundgebung für die «gilets jaunes» in Muri abgehalten. Es hatten sich einige Dutzende Mitglieder, Sympathisanten und Interessierte auf Einladung der SVP – Ortspartei Muri, beim Mitte Dezember eröffneten «Recycling – Paradies» der Unternehmerfamilie Bertschi eingefunden, um sich über die umweltgerechten Recycling – Abläufe informieren zu lassen.

Gleich zu Beginn verteilte die «Abfall – Königin» Karin Bertschi an jeden Teilnehmer eine gelbe Leuchtweste, damit die Sichtbarkeit während der Führung «im laufenden Betrieb» gewährleistet war und fuhr dann -nach einer kurzen Begrüssung des Präsidenten, Roman Roth- gleich fort mit der Einführung zum Betrieb.

Die Firmen der Familien Bertschi entstanden parallel zum landwirtschaftlichen Betrieb und bestehen heute aus der Bertschi Mulden + Container Transport AG und der Recycling – Paradies AG. Zwei Generationen zuvor, bekannt als «Klefeli – Bertschis» Dürrenäsch, wurden schon Altmetalle gesammelt und auf dem Bauernhof sortiert. Mit Monika und Albert Bertschi -den Gründern der heutigen Firmen- wurde Transport und Entsorgung professionalisiert und die Entsorgung für grosse Auftraggeber, wie zum Beispiel die JOWA AG, übernommen. Am Standort in Reinach, wurde auch bald nach Anfrage der Gemeinde im Jahr 1999, die Sammelstelle der Gemeinde in privater Regie zu führen, der Grundstein zu den heutigen «Recycling – Paradiesen» gelegt, da die Menge der Abfallfraktionen aufgrund der Nachfrage durch die Benutzer, neben den Klassikern wie Altglas und Aluminiumdosen, schon bald stark ausgeweitet werden musste.

Nach einer KV – Lehre und absolviertem Militärdienst, stellte sich für Karin Bertschi die Frage, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte. Weiterhin einfach im kaufmännischen Bereich tätig sein? Die Anregung ihres Vaters, durch das veränderte Entsorgungsverhalten, eine neue Idee einzuführen, fiel auf fruchtbaren Boden. Vier Monate Zeit, um die Idee zu entwickeln, eine Halle einzurichten und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, war das Angebot von Albert Bertschi an seine Tochter. Die nachmalige Eröffnung wurde ein grosser Erfolg und es musste nur noch an einigen Feinheiten gefeilt werden.

Das Wort «Abfall» impliziert das Gefühl von Schmutz –«Recycling – Paradies» sollte aber den Kunden das Gefühl von sauberer, angenehmer Entsorgung vermitteln. Viel Wert wird daher auf stets aufgeräumte, saubere und geordnete Lokalitäten gelegt, ebenso auf freundliche und zuvorkommende Bedienung durch das Personal -wovon sich alle Benutzer bereits im Vorfeld bei der Entsorgung überzeugen konnten. Nebenbei: die Firma «Recycling – Paradies macht sich auch stark für die Beschäftigung von Mitarbeitern in Teilzeit, welche diesen Anstellungsmodus sehr schätzen, wie auch für Mitarbeiter aus dem zweiten Arbeitsmarkt, das heisst, mit körperlichen und / oder geistigen Beeinträchtigungen, welche mit Verständnis und Zutrauen geführt und angeleitet werden und dadurch oft über sich hinauswachsen. Dass dies auch honoriert wird, beweisen die zahlreich zugeeigneten Znüni – Gipfeli und Kuchen, die den Mitarbeitern von den Kunden mitgebracht werden.

Heute führt Karin Bertschi, zuständig im Unternehmen für die Bereiche Geschäftsführung und Öffentlichkeitsarbeit, Führungen für Erwachsene und Schulkinder (bis zu 3500 Personen jährlich), sowie schweizweit Beratungen für Gemeinden in diesem Sektor durch. Bruder Daniel Bertschi ist der Erfinder -er erfand auch den Unternehmensnamen, die ältere Schwester Sabine fungiert als offenes Ohr und ist zuständig für das Personal, während die jüngere Schwester Olivia die Buchhaltung führt und mit detektivischem Gespür Abfallsünden bei falsch entsorgtem Material ahndet -die ganze Familie ist so also erfolgreich eingebunden.

 Die Firma wurde durch das Engagement in diesen Bereichen auch schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: Karin Bertschi als «Aargauerin des Jahres 2011», die Firma mit dem «Prix Evenir 2011», dem «Golden Creativity Award 2012» und dem «AKB Jungunternehmerpreis 2014».

Beim nun folgenden Durchgang durch das Murianer «Recycling – Paradies», wurde auch gleich erklärt, wann der detektivische Spürsinn gefragt ist: so zum Beispiel wenn zu entsorgende Möbel mit Glas oder Bauschutt aufgefüllt werden, was dann zum Beispiel zu Problemen bei der Verbrennung in der Kehrichtverbrennungsanlage und Reklamationen beim Lieferanten führt. Glas ist sortenrein getrennt ein wertvoller, gesuchter und gutbezahlter Rohstoff; dies gilt ebenso für Metall oder auch Papier und Karton, wovon die Firma von allen Standorten (Reinach, Hunzenschwil und Muri) täglich 25 Tonnen, während fünf Tagen in der Woche, transportiert. Bei Fraktionen mit vorgezogener Recyclinggebühr, wie Aludosen, Batterien, Leuchtmitteln und PET, erhält die Firma entsprechend den Tonnagen, einen Betrag aus dem Fonds der SENS (Stiftung Entsorgung Schweiz). Tetra Paks und Korkzapfen werden bei der Firma Swiss Recycling im Kanton Thurgau zur Weiterverarbeitung abgegeben -sind aber finanziell ein Nullsummenspiel. Für diese Fraktionen sind die von den Gemeinden, beziehungsweise deren Einwohnern geleisteten Sockelbeiträge, an die Firma «Recycling – Paradies» zu überweisen.

Nach diesem ausführlichen und interessanten Rundgang durch den Aussenbereich und die Halle, war Zeit für eine kleine Fragerunde. Ein Besucher monierte die allgemeine Verpackungsflut. Karin Bertschi gab dem Mann absolut Recht: gerade zum Beispiel bei der Vermeidung von Styroporverpackungen, sollen Kunden aber die Händler über die Hotlines direkt auffordern, die Menge zu verringern, darauf zu verzichten oder auf leichter recyclebare Stoffe auszuweichen. Ein anderer Besucher zeigte sich froh darüber, dass nun Kunststoffverpackungen ebenfalls gesondert abgegeben werden könnten und stellte dies in Zusammenhang mit der vieldiskutierten Frage der Mikroverunreinigung des Wassers in den Ozeanen. Karin Bertschi führte aus, dass der «wertvollste» Kunststoff für das Recycling, derjenige von Shampoo- oder Waschmittel – Flaschen sei. Bei den oft verwandten Tiefziehverpackungen kämen für die Deckfolie zwei Schichten, getrennt durch Silikate und für die Schale ein anderer Kunststoff zum Einsatz -also drei verschiedene Stoffe in einer einzigen Verpackung! Die kostengünstige Separatsammlung könne aber durchaus dazu beitragen, dass allgemein weniger Kunststoffe in der Umwelt eingetragen würden. Einigen Mitgliedern der SVP stellte sich dann aber beim Apéro die Frage, was mehr Sinn ergäbe, einen Kanal von der örtlichen Abwasserreinigungsanlage (ARA) in die Reuss zu bauen oder eine Aufrüstung der ARA mit einer Mikroverunreinigungsanlage (MVA) zu erstellen. Schnell war man sich einig, dass der Einbau einer MVA das einzig Richtige für die ARA Muri sei -denn nur mit einer MVA kann gewährt werden, dass so wenig Mikroplastik wie möglich in den Vorfluter gelangt.

            Nach dieser sehr interessanten und kurzweiligen Führung und Fragerunde, stellten sich die Teilnehmer vor dem auf fünf Fasnachtsumzügen präsentierten Walfisch aus gebrauchten PET – Flaschen zum obligaten Gruppenbild in Positur und wurden danach von der Familie Bertschi zu einem währschaften Apéro geleitet, wo noch genug Zeit für den Meinungsaustausch blieb.

Wir danken sehr herzlich für diesen interessanten Nachmittag und wünschen weiterhin viel Erfolg!

Teilnehmer und Vorstand der SVP – Ortspartei Muri

Meistgesehen

Artboard 1