Grossaufmarsch auf dem Reckenacker oberhalb von Attiswil: Über 400 Attiswiler Burger und Gäste trafen sich am Samstag, 13. September, im Festzelt neben der Reckenacker-Hütte zum traditionellen Fest der örtlichen Burgergemeinde. Dieses findet nur alle vier Jahre kurz vor Ende der jeweiligen Amtsperiode des Burgerrates statt.

Fester Bestandteil der seit über 50 Jahren durchgeführten Veranstaltung ist der vorgängig angebotene Waldgang von Attiswil zu der auf 795 m ü.M. gelegenen Reckenacker-Hütte. Zahlreiche einheimische und aus allen Landesgegenden angereiste Burgerinnen und Burger nahmen die Gelegenheit wahr, sich unterwegs von Revierförster Martin Rathgeb und Forstwart Fritz Scheidegger über die Bedeutung und Entwicklung des Burgerwaldes informieren zu lassen. Zum Gebiet der Burgergemeinde gehören 70 Hektaren Land und 211 Hektaren Wald auf einer Höhe zwischen 423 bis 1088 m ü.M. Der Wald wird auf Grund eines längerfristigen Konzepts gehegt und gepflegt, damit er auch den nachfolgenden Generationen erhalten bleibt und in vielseitiger Weise genutzt werden kann - so etwa in der Freizeit als Erholungsgebiet und für sportliche Betätigungen. Der Wald bietet aber auch Schutz und Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Das Kulturland wird von den ortsansässigen Burger-Landwirten bewirtschaftet.

Wechsel im Burgerrat

Zu diesen Landwirten gehört auch Burgerpräsident Hanspeter Hohl, der im Festzelt letztmals offiziell vor den Besuchern sprach. Ende Jahr tritt er reglementskonform nach zwei Amtsperioden aus dem siebenköpfigen Rat zurück. Gleiches gilt für Burgerrat Jörg Hohl, während Burgerrat Jörg Ryf aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Hanspeter Hohl gab zudem bekannt, dass neben Forstwart Fritz Scheidegger künftig auch dessen Sohn Peter in einem Teilzeitpensum im Burgerwald mitarbeiten wird.

Ein entschleunigter Tag

Marc Häusler, Regierungsstatthalter des Oberaargaus, unterstrich die grosse Bedeutung des im Kanton Bern von den Burgergemeinden gelebten Milizsystems und bezeichnete die Burgergemeinde Attiswil als eines der besten Beispiele hiefür. „Wir leben heute in einer Beschleunigungsgesellschaft, die geprägt wird von einem SMS-Boom, von Bewertungen in digitalen Netzen und von einer abnehmenden Gesprächskultur“, sagte Häusler. Umso wichtiger und wohltuender sei es deshalb, an einem Anlass wie dem Burgerfest wieder einmal Zeit zu haben, um sich in aller Ruhe und Offenheit miteinander zu unterhalten. „Wir dürfen hier alle einen entschleunigten Tag geniessen“, freute er sich. Häusler informierte ausserdem anhand von Beispielen sehr anschaulich über die Auswirkungen des Anfang 2013 in Kraft getretenen Namen- und Bürgerrechts.

Umwandlungen stoppen

Vreni Jenni, Präsidentin des Verbandes Bernischer Burgergemeinden und burgerlicher Korporationen, zeigte sich besorgt ob des zunehmenden Trends, öffentlich-rechtliche Burgergemeinden oder burgerliche Kooperationen in privatrechtliche Vereine umzugestalten. Angesichts des gerade auch in Attiswil spürbaren Gemeinschaftssinns und der vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten, die von den Mitgliedern einer Burgergemeinde ausgeübt würden, sei dieser Trend zu stoppen, sagte sie. Die Grüsse und den Dank der Einwohnergemeinde überbrachte Gemeindepräsident Daniel Zumstein.

Die Besucher des diesjährigen Attiswiler Burgerfestes wurden nicht nur ab 11 Uhr bis gegen Abend rundum bewirtet, sondern auch bestens unterhalten: Für die musikalische Begleitung sorgte der Akkordeonist Andreas Flury aus Matzendorf. Und mit dem Simmentaler Martin Sumi hatten die Burger einen Witzbold und Musikanten engagiert, der mit seinem halbstündigen Auftritt für einen Lacher nach dem anderen sorgte.