Winterschwimmen
Warum in Basel regelmässig Weihnachtsbäume oder Gartenzwerge den Rhein hinuntertreiben

Immer wieder sieht man Hartgesottene durch den winterlichen Rhein schwimmen. Doch in den vergangenen Monaten treiben hie und da noch ganz andere Gegenstände den Fluss hinunter. Zum Beispiel Kunstwerke, Plastikpinguine oder gar Schneemenschen.

Oliver Spiess
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Hans Peter Brugger schwimmt mit seinem riesigen Gartenzwerg den Rhein runter (vom Vierten König bis ins St. Johann).

Hans Peter Brugger schwimmt mit seinem riesigen Gartenzwerg den Rhein runter (vom Vierten König bis ins St. Johann).

Bild: Kenneth Nars

Was tun, wenn plötzlich die Hallenbäder geschlossen sind und die Wassertemperatur im Rhein gleichzeitig in den Bereich des Ungemütlichen herabsinkt?

«Mit dem Rheinschwimmen einfach nicht aufhören im Herbst, dann gewöhnt man sich daran.»

Diesen Tipp gaben einige Winterschwimmerinnen und -schwimmer Hans Peter Brugger, als er sie verwundert nach ihrem Geheimrezept fragte. Inzwischen ist er selbst regelmässiger Winterschwimmer – und steigt hie und da auch mit spezieller Begleitung in den eisigen Rhein.

Eigentlich sei er ein bisschen ein «Gfröhrli», wie Brugger selbst sagt. Aber: «Es ist auch eine Kopfsache.» Seit er vergangenen Herbst mit dem täglichen Rheinschwumm begonnen habe, sei fast kein Tag mehr ohne vergangen. Und wenn er mal unterwegs war, verschaffte er sich anderweitig Abhilfe.

Beispielsweise während eines Kurzaufenthalts im Berner Oberland, wo er sich stattdessen einige Minuten in den Schnee gesetzt hat. Trotz der zunehmenden Gewöhnung gibt Brugger denn auch zu: «Ich gehe immer noch nicht gerne ins kalte Wasser.» 30 Grad und Sonnenschein – das sei halt «einfach lässig».

Der Rheinschwimmer bezeichnet sich als «Gfröhrli»

Der Rheinschwimmer bezeichnet sich als «Gfröhrli»

Bild: Kenneth Nars

Und hier kommen nun die kreativen Begleiter ins Spiel. Am 24. Dezember sagte die Familie Brugger coronabedingt die Weihnachtsfete ab. So entschied sich der Winterschwimmer für eine alternative Form der Feier – und setze kurzerhand seine Weihnachtstanne auf ein styropornes Flösschen.

Im Januar folgten dann etwa eine 3D-Interpretation von Banksys Kunstwerk, dem Mädchen mit dem roten Ballon, oder ein Plastikpinguin. Und mit dem üppigen Schneefall in Basel entschied sich Brugger gar, einen kleinen Schneemenschen auf eine Tour über den Fluss auszuführen. Doch weshalb?

Ein Gartenzwerg auf Reisen: Vom Antiquitätenladen in den kalten Fluss

Die Erklärung ist pragmatisch: «Es fällt einem einfach leichter, in den saukalten Rhy zu steigen, wenn damit noch eine kleine Unterhaltung, eine kleine Challenge verbunden ist.» Die Unterhaltung dient aber nicht nur ihm selbst. So sei es auch schön, wenn sich gelegentliche Schaulustige an den witzigen Aktionen erfreuten.

Oder auch Altbekannte: Inzwischen habe er ein sehr gutes Verhältnis zum Fährimaa und der Polizei. Jenen winkt er auf seinen frostigen Touren jeweils beglückt zu. Und einmal durfte er gar einer begeisterten Schulklasse einen Vortrag halten. Über die Freuden des Winterschwimmens, aber auch über die zu treffenden Vorkehrungen und potenziellen Gefahren.

Die jüngste Aktion Bruggers fand erst am Mittwoch statt. Dieses Mal wurde er von einem fast lebensgrossen Gartenzwerg begleitet, dem er zuvor in einem Antiquitätenladen begegnete. Die bewährte Styroporplatte vermochte den Zwerg nicht zu tragen, und so konstruierte Brugger mit Hilfe auftreibender PET-Flaschen ein neues Gefährt.

Aber weshalb eigentlich ein Gartenzwerg? «Ich dachte, das passe zum Frühlingsbeginn», sagt Brugger lachend. «Aber ganz generell: Wenn mich wieder etwas anspringt, dann muss ich es einfach tun.» Und der riesige Gartenzwerg aus dem Antiquitätengeschäft als neuste Challenge; der hatte es ihm angetan.