Fasnacht

Wenn es beginnt zu kribbeln vor dem «Chienbäse»

Tania Zbinden ist eine routinierte Chienbäse-Macherin und weiss, worauf es ankommt.

Tania Zbinden ist eine routinierte Chienbäse-Macherin und weiss, worauf es ankommt.

Wie Tania Zbinden den faszinierenden Feuerbrauch in Liestal erlebt.

Bald juckt es Tania Zbinden wieder. Dieses Gefühl werden auch viele andere verspüren, die am Chienbäse-Umzug am Sonntagabend teilnehmen und den Kantonshauptort in einen Feuerzauber verwandeln.

Nervosität ist noch dieselbe wie früher

Etwa zum zwanzigsten Mal ist die Liestalerin schon als aktive Chienbäse-Trägerin dabei. Und es ist für sie immer noch genau gleich wie zu ihren Anfängen als 13-jähriges Mädchen. «Das Kribbeln beginnt, wenn wir uns anziehen, und wird dann oben auf der Burg vor dem Umzug immer stärker», erzählt Tania Zbinden, Mutter von vier Söhnen. In den vergangenen Jahren trug jedes Mitglied der sechsköpfigen Familie einen Chienbäse, heuer sind sie zu viert; der älteste Sohn verzichtet, einer weilt für einen Sprachaufenthalt in Südafrika.

Auch die Nervosität sei noch dieselbe wie früher: «Haben wir die Handschuhe eingepackt, damit wir geschützt sind?» Immer ein spezieller Moment sei, wenn man den Besen in die Feuerwanne tauche, bis er brenne. «Brennt er nun richtig?» Dies sei «sehr aufregend». Einmal lief Zbinden weg, als ihr Chienbäse noch nicht richtig Feuer gefangen hatte, und sie musste zurückkehren.

Die 46-Jährige weiss nur zu gut, weshalb sie die Handschuhe erwähnt. Die Schutzausrüstung ist enorm wichtig. Als Teenager war sie einmal mit zu viel intus zusammen mit einer Freundin dabei. Sie hätten ihre Besen zwar hinuntergebracht, sich aber am Hals verbrannt. 2018 ereilte Zbindens zweitältester Sohn ein ähnliches Schicksal – auch ohne Alkohol. Sein am Helm angebrachter Nackenschutz fing Feuer. Zwar konnte der Jugendliche den Helm vom Kopf reissen. Dennoch zog er sich Verbrennungen zu. «Hier bekam mein Sohn wahnsinnig Angst», erinnert sich seine Mutter.

Aber die eingefleischte Fasnächtlerin will nicht nur über schlimme Sachen reden. Prägend sei natürlich das jährliche Erlebnis, den Feuerbesen durchs Stedtli tragen und Teil dieser Menge sein zu dürfen, welche diesen Brauch lebt. «Und die staunenden Leute am Strassenrand, das geht tief ins Herz hinein», schwärmt Tania Zbinden.

Diese pfeift zudem seit bald drei Jahrzehnten in der Goldbrunne-Clique, der Zbinden seit kurzem als Co-Präsidentin vorsteht. Für den «Chienbäse» klinken sich die Familienmitglieder aus, danach stürzen sie sich wieder ins Kostüm und pfeifen weiter.

1986 erlebte Tania Zbinden ihre Feuertaufe als Chienbäse-Trägerin. Begleitet wurde sie von ihrem Vater, dem einstigen Präsidenten des Fasnachtskomitees Liestal. Die ersten 13 Male war sie ununterbrochen dabei, danach schaltete sie eine längere Pause ein. Seit fünf Jahren wieder ist sie mit Söhnen und Mann als Besenträgerin in Aktion.

Was Tania Zbindens Vater vorgelebt hat

Zbinden spricht von verschiedenen Phasen. Nach den Anfängen kam sie ins Revoluzzer-Teenageralter, während dessen sie jeweils mit Kollegin und Kollege zusammenspannte. Als sich dies auseinandergelebt hatte, kam die Familie. «Ein erneuter Höhepunkt war, als ich mit meinen Kindern erstmals mit Chienbäse das Stedtli runterlief», sagt Tania Zbinden mit funkelnden Augen. Für sie ist klar, dass sie alle auch heute noch den Besen nach alter Sitte zur Burg hinauftragen. Dies habe der Vater vorgelebt: «Ein richtiger Besenträger trägt den Chienbäse auch hinauf, nicht nur hinunter.» Diesen Brauch pflegen heute nicht mehr so viele.

Erstmals ganz ohne Hilfe baute die Liestalerin einen Chienbäse vor etwa zehn Jahren. Es gilt darauf zu achten, dass er nicht zu schwer wird. «Tendenziell baut man ihn zu gross», weiss die 46-Jährige. Dies war letztes Jahr so, «wir hatten wahnsinnig gelitten.» Zbinden und ihr Mann sind in einem Alter, in welchem sie sich nichts mehr beweisen müssen. Ganz im Gegensatz zu ihren Söhnen: Diese befinden sich nun in einem Stadium, in dem sie sich gerne überbieten.

Als Frauen und Mädchen noch die Ausnahme waren

Wenn der Besen einmal brennt, verliert er rasch an Gewicht. Oder man lässt ihn länger in der Feuerwanne, damit er leichter wird. Seit zwei, drei Jahren fällt Zbinden das Bauen von Chienbäse leichter. Nach ihrem längeren Unterbruch kennt sie die Kniffe wieder. Früher konnte sie stets auf Helfer zählen. Die Männer hätten sie als Frau immer «sehr nett» behandelt.

Mitte der 1980er-Jahre liefen noch nicht viele Frauen und Mädchen am Chienbäse mit. Aber es sei schon seinerzeit geschätzt worden, dass man als junge Frau Besen macht, erinnert sich Tania Zbinden. Und weiter: «Fürs Publikum war es damals etwas Besonderes, wenn es unter dem Helm eine junge Frau erkannte.» Heute sind Besen tragende Frauen gang und gäbe. Für Zbinden ist die Fasnacht ein jährliches Highlight – «extrem stolz» ist sie auf den Chienbäse-Umzug.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1