Bildung

Weil Computer fehlen – Actelion und Kallysoft beschenken Allschwiler Schulen

Je länger der Lockdown dauert, desto eher setzen Lehrkräfte auch auf Online-Tools. In Allschwil sind jetzt alle 800 Schulkinder der höheren Klassen mit Geräten versorgt.

Je länger der Lockdown dauert, desto eher setzen Lehrkräfte auch auf Online-Tools. In Allschwil sind jetzt alle 800 Schulkinder der höheren Klassen mit Geräten versorgt.

Nicht alle Kinder haben zuhause einen Internet-Zugang. In Allschwil haben zwei Firmen der Primarschule rund 50 PCs, Laptops und Tablets gespendet. In anderen Gemeinden sind die Geräte ebenfalls rar – in Muttenz etwa ist man jedoch der Meinung, Online-Konferenzen seien nichts für Primarschüler.

Am Freitag, 14. März, war Martin Münch gezwungen, etwas zu tun, was einem Schulleiteiter eigentlich gar nicht behagt: Er musste verkünden, dass die Schule geschlossen bleibt – bis auf weiteres, Dauer: unklar.

Dem Gesamtschulleiter der Primarstufe Allschwil bereitete auch etwas anderes Bauchschmerzen. Viele Kinder besitzen zu Hause keinen Computer. Wenn die Lehrkräfte irgendwann dazu übergehen, zumindest die etwas älteren Kinder auch online anzuleiten und mit Lernstoff zu versorgen, führt das zu einer Ungleichbehandlung. Über die Frühlingsferien löste sich dieses Problem. Die Kallysoft AG aus Allschwil kam auf die Schulleitung zu und erklärte sich dazu bereit, 35 Computer zur Verfügung zu stellen, inklusive Software und Kameras.

Die Schule fragte auch Actelion an. Das Unternehmen rief die Mitarbeitenden dazu auf, nicht mehr gebrauchte Geräte zu spenden. So kam nochmals über ein Dutzend PCs, Laptops und Tablets zusammen, sodass nun alle rund 800 Allschwiler Primarschülerinnen und Primarschüler der 3. bis 6. Klassen online arbeiten können.

Muttenz will nichts wissen von Online-Unterricht

«Wir sind sehr froh um diese spontane und unkomplizierte Hilfe der zwei Unternehmen», sagt Martin Münch zur bz. Zwar habe Allschwil erst kürzlich beschlossen, die Primarschulen mit iPads auszustatten. Doch Corona war schneller.

Die Primarschulen im Baselbiet unterstehen der Hoheit der Gemeinden. Diese sind auch für die IT-Infrastruktur zuständig. Was den Einsatz von Online-Tools betrifft, gehen die Meinungen auseinander. David Rychen von der Primarschulleitung Muttenz schreibt auf Anfrage: «Wir sehen grundsätzlich keinen Unterricht via Videokonferenzsysteme vor.» Die Schule könne die Verfügbarkeit von Geräten und Software sowie den technischen Support nicht sicherstellen, ergänzt Rychen. Das seien aber nur zwei von mehreren Gründen, warum man nicht auf Online-Unterricht setze: Zum einen könne die selbstständige Bedienung von Videokonferenzsystemen durch Primarschulkinder nicht vorausgesetzt werden. Dann sei auch die Umsetzbarkeit in vielen Familien derzeit «alles andere als selbstverständlich», schreibt Rychen. «Und schliesslich stellt sich auch die Frage nach dem konkreten Nutzen von Frontalunterricht via Videokonferenzsystem für Kinder von vier bis zwölf Jahren, und dies vor allem im Ganzklassenverbund.»

Für Schulkinder, die spezifisch gefördert würden, habe man aber ebenfalls vereinzelt Geräte für den Heimgebrauch abgegeben, etwa für heilpädagogische Zwecke. Rychen: «Für 1 : 1-Situationen und allenfalls in Kleingruppen erachten wir eine spezielle Begleitung als sinnvoll und machbar.»

Auch der Kanton lieh 600 Schülern Geräte aus

Martin Münch sagt, auch in Allschwil sei zu Beginn des Lockdown «analog» gearbeitet worden. «Die ersten Wochen haben wir uns noch mit Arbeitsblättern per Papier ausgeholfen, die vorbeigebracht oder zu vereinbarten Zeiten abgeholt werden mussten. Doch auf die Dauer war diese Lösung nicht praktikabel.»

Die Schulen sind jedoch dazu verpflichtet, die Chancengleichheit zu wahren – mit der Spende, sagt Münch, sei dieser mögliche Missstand gelöst. Auch in Reinach stellte man fest, dass Geräte fehlen, schreibt Oliver Sprecher, Gesamtschulleiter der Primarstufe. Die Schul-IT habe nun rund 50 Laptops aus der schuleigenen Zweitnutzung entsprechend aufbereitet. «Diese Geräte haben wir nach den Frühlingsferien mit einem ‹Ausleihvertrag› den Kindern für die Dauer des Fernunterrichts zur Verfügung gestellt.» Spenden habe es keine gegeben.

Das Hardware-Abdeckungsproblem kennen nicht nur die Gemeinden. Christoph Straumann, Leiter des Stabs Informatik bei der Baselbieter Bildungsdirektion, sagt auf Anfrage, bislang habe man rund 600 Geräte ausgeliehen, vor allem an Jugendliche der Sekundarstufe, vereinzelt jedoch auch an Schülerinnen und Schüler der Gymnasien und Berufsfachschulen.

Was in Allschwil für Freude sorgen dürfte: Zunächst waren die rund 50 Computer nur geliehen. Doch mittlerweile geht die Primarschulleitung davon aus, dass man sie jenen, welche die Geräte wirklich brauchen, auch dauerhaft überlassen kann.

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