Kinderbuch

Von Hundenamen und Hexensuppen: Diese Geschichten haben Kinder miterfunden

Luna und Tim treiben gerne Schabernack.

Luna und Tim treiben gerne Schabernack.

Die Basler Autorin und Lehrerin Jacqueline Moser publiziert Texte für Leseanfänger – in ihrem aktuellen Werk «Tim und Luna bekommen einen Hund» erzählt sie von den Abenteuern zweier Kinder.

Es ist mit dem Schweizerischen Jugendschriftenwerk (SJW) ein bisschen wie mit dem Ozonloch. «Dass es das immer noch gibt!», denkt man von Zeit zu Zeit. Nur, was beim Ozonloch eine schlechte Nachricht ist, ist beim SJW eine gute. Dass diese Hefte, die uns an die eigene Kindheit erinnern, alles andere als verstaubt sind, zeigt das Heft der Basler Autorin Jacqueline Moser «Tim und Luna bekommen einen Hund».

Neu daran ist, dass es sich ganz besonders für «Erstleserinnen und Erstleser» eignet, wie Moser die Schüler nennt, die ganz am Anfang ihres Lese­lernens stehen. Die lustigen Geschichten über das Zwillingspaar Tim und Luna sind in ­kurzen und schlichten Sätzen gehalten. Das besondere an den Erzählungen: Sie sind sehr einfach zu ver­stehen, nahe am Erlebnishorizont der Kinder und gleichzeitig literarisch interessant.

Weder zu schwierig noch zu langweilig

Dass Jacqueline Moser als Autorin einen sehr bewussten Umgang mit der Sprache pflegt, wurde in ihren Romanen «Lose Tage» und «Ich wünsche, wir begegneten uns neu» deutlich. Weniger bekannt ist ihrer Leserschaft vermutlich, dass sie in ihrer Tätigkeit als Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache und als Förderlehrerin seit Jahren an Texten feilt, die für ihre jeweiligen Schülerinnen weder zu schwierig noch zu langweilig sein sollen. Viele der bereits existierenden Texte seien für Leseanfänger oft zu schwierig.
Das brachte Moser auf die Idee, selber solche zu verfassen. Im Austausch mit ihren Schülern kamen immer neue Geschichten und Abenteuer zusammen, welche die Zwillinge Luna und Tim erleben. Moser sagt dazu: «Ich lud die Kinder ein, sich beim Erfinden der Geschichten zu beteiligen. Tim und Luna brachten die Kinder zum freien Sprechen, was für einige Erstklässler der Kurse ‹Deutsch als Zweitsprache› eine richtige Herausforderung war. Tim und Luna waren bei den Kindern sehr beliebt!»

Das merkt man diesen Geschichten an. Ob im Schwimmbad oder beim Einkaufen, am Strand oder im Park, es sind Geschichten aus dem Erlebnis­horizont der Kinder in der bewussten Sprache einer Autorin, die gleichzeitig Pädagogin ist. Die Kinder streiten und versöhnen sich, treiben Schabernack und mixen eine Hexensuppe aus Abwaschmittel, Blütenblättern und Zweigen. Es steckt viel Freude und manch ein schönes Detail in diesen Miniaturerzählungen.

Die farbenfrohen, humorvollen Zeichnungen der Illustratorin Anete Melece passen sehr gut zu Mosers Text, gerade weil sie behutsam über die reine ­Illustration hinausgehen. Wenn Moser schreibt «Luna versteckt sich auch hinter einem Baum. Sie schaut hinter dem Baum hervor. Luna schaut, ob Tim schaut», dann erfindet Melece in der Bildsprache noch ein Eichhörnchen dazu, das ebenfalls schaut, ob Tim schaut. Sozusagen Alfred Hitchcocks «Rear Window» in nuce.

Als Lesende jeden Alters schliesst man die fröhlichen Zwillinge Luna und Tim sofort ins Herz. Nicht nur Kinder werden sich nach der Lektüre dieses Heftes darauf freuen, dass nach dem ersten Band, der im Frühling und Sommer spielt, nächstes Jahr noch ein zweiter zum Thema Herbst und Winter folgen wird.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1