Unsere kleine Stadt
Servus!

Wie geht es der Stadt und was gibt es zu tun? Unser Kolumnist Daniel Wiener hat sich darüber jahrelang Gedanken gemacht. Mit dem heutigen Text verabschiedet er sich von den bz-Leserinnen und
-Lesern.

Daniel Wiener
Daniel Wiener
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Unsere kleine Stadt im Werden: Luftbild von Basel.

Unsere kleine Stadt im Werden: Luftbild von Basel.

Bild: Erich Meyer (Archiv)

Heute werde ich von der bz Basel pensioniert. Die Kolumne «Unsere kleine Stadt» ist wie eine Fernsehserie. Sie kommt in Staffeln. Die erste Staffel startete im Juli 2004. Der Kulturteil der «Basler Zeitung» publizierte bis 2008 vierzehntäglich 160 Episoden. Zwischen 2011 und 2013 erschienen 94 weitere, diesmal wöchentliche Betrachtungen auf der Meinungsseite desselben Blattes. Die dritte Staffel von «Unsere kleine Stadt» begann im Sommer 2016 in der bz Basel und endet heute mit der 82. Kolumne.

Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben mich auf den vielfältigen Reisen durch unseren lokalen Kosmos stets treu begleitet. Oft mit Zustimmung, aber auch mit Gegenreden bis hin zu Protesten. Von diesem Echo lebt ein Kolumnist (nebst seinem Honorar). Nie ging es mir darum, für Vorgänge und Phänomene am Rheinknie die ultimative Erklärung zu geben. Ich versuchte vielmehr, Fragen neu zu stellen oder darzustellen. In der Diskussion rangen wir dann gemeinsam um die «richtigen Antworten».

Apropos Pensionierung: Aktuell liegt der Vorschlag des Bundesrates auf dem Tisch, das Frauen-Rentenalter um ein Jahr auf 65 zu erhöhen. Damit will er die AHV kurzfristig sanieren. Ein Vorschlag, der ziemlich schief in der Landschaft steht. Die schon fast abschliessenden Worte, um dies zu illustrieren, fand unsere Baselbieter Ständerätin Maya Graf in der Debatte der Kleinen Kammer. In die Runde blickend sagte sie: «Niemand kann mir die einfachste Frage beantworten: Weshalb soll die AHV ausgerechnet auf Kosten der finanziell ohnehin benachteiligten Frauen saniert werden?»

In der Tat gäbe es viele andere Möglichkeiten, etwa eine Erbschaftssteuer für Superreiche, eine Kapital-Transaktionssteuer oder, wenn es die AHV sein muss: Die Erhöhung des Rentenalters um ein Jahr – für alle. Also für Frauen auf 65 und für Männer auf 66. Eigentlich erstaunlich, dass noch niemand auf diese Idee kam. So müssten sich auch Männer mit der Frage quälen, was es bedeuten würde, ein Jahr länger zu arbeiten. Das überlassen sie im Moment grosszügig den Frauen. Weil die Sanierung für alle ist, müssten meiner Ansicht nach auch alle das Portemonnaie zücken.

Das Pensionsalter 66/65 ist aber auch nur eine (relativ gerechte) Übergangslösung. Denn sämtliche Parteien (und die Bundesverfassung) sind für Gleichstellung: beim Lohn, bei der AHV und den Pensionen. Sobald beim Lohn die wirkliche Gleichberechtigung erreicht ist, kann sich auch das Rentenalter von Frau und Mann angleichen. Das ist Konsens. Je nachdem, wie eine längerfristige Sanierung des ganzen Pensionswesens aussieht, würden dann entweder alle bis 66 arbeiten oder das Rentenalter der Männer könnte wieder von 66 auf 65 sinken. Und eine Flexibilisierung nach persönlichen Präferenzen oder Gesundheit gäbe es noch obendrein.

Ob 65 oder 66: Mit meinen 67 Jahren bin ich ohnehin überfällig. Ich gehe also in Pension. Vorläufig. Eine vierte Staffel von «Unsere kleine Stadt» auf diesem oder einem anderen Kanal ist aber nicht ausgeschlossen. In diesem Sinn: Servus, danke und auf Wiederlesen!