Trotz Coronapandemie
Während der Tourismus leidet: Basler Firma MyCamper profitiert von Ferien in der Schweiz

Der vergangene Sommer bescherte dem Basler Jungunternehmen MyCamper gute Zahlen. Die ersten Monate von 2021 zeigen ebenfalls: Die Schweizerinnen und Schweizer verreisen gerne mit dem Camper.

Silvana Schreier
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Michele Matt hat MyCamper vor fast genau sechs Jahren gegründet.

Michele Matt hat MyCamper vor fast genau sechs Jahren gegründet.

Roland Schmid

2020, das Jahr der Nichtferien, des Zuhausebleibens, der Ferien auf Balkonien. Für viele Reisefreudige stellte das vergangene Jahr einen Einbruch in der persönlichen Reisestatistik dar. Statt Strandferien oder Safaritouren blieben die meisten Schweizerinnen und Schweizer zu Hause. Nicht wenige begaben sich auf Entdeckungsreise durch die Schweiz. Nichtsdestotrotz verzeichnete die Schweizer Hotellerie laut Tourismusstatistik des Bundes 40 Prozent weniger Logiernächte.

Hotels litten, Touristenziele blieben alleine. Wer aber von der Coronapandemie fast schon profitierte, ist die MyCamper AG. Das Basler Jungunternehmen ist das Bindeglied zwischen Mietern und Vermietern von Campervans. Ein «Airbnb der Wohnmobile» also.

Umsatz von drei Millionen Euro im 2019

MyCamper war vergangenes Jahr so erfolgreich, dass die «Financial Times» das Unternehmen mit dem 53. Rang der 1000 am schnellsten wachsenden Firmen Europas belohnt – als erstes Schweizer Unternehmen. In diese Liste schafft man es nur, wenn man zwischen 2016 und 2019 beim Umsatz jährlich um mindestens 35,5 Prozent zugelegt hat. Kein Problem für MyCamper: Die Firma steigerte den Umsatz gar um 171,5 Prozent jährlich. 2019 setzte sie rund drei Millionen Euro um.

«Der 53. Rang ist eine unglaubliche Anerkennung», sagt Michele Matt. Er gründete MyCamper 2015 und leitet das Jungunternehmen seither.

«Auch wenn wir älter als fünf Jahre sind, haben wir weiterhin diesen Start-up-Groove, auch beim Wachstum.»

Guter Sommer nach Kurzarbeit im Frühling

Matt relativiert denn auch: Das Jahr 2020 sei für MyCamper schlecht gestartet. «Als der Lockdown kam, sind bei uns die Buchungen komplett eingebrochen. Wir waren nur noch mit Stornierungen beschäftigt», so der Basler. In den Anfangswochen musste die Firma deshalb Kurzarbeit verhängen. Denn solange die Campingplätze aufgrund der Coronapandemie geschlossen bleiben mussten, wollten nur wenige Reisende einen Camper mieten.

Dank des guten Wetters zu Beginn des Jahres und der bitteren Aussichten für Auslandsreisen nahmen die Buchungen bei MyCamper schliesslich wieder Fahrt auf, so Matt. «Wir befinden uns in einer Nische, das hilft uns sehr», so Matt. Der Abschluss des Coronajahres 2020 bleibt dennoch unter dem ambitionierten Vor-Corona-Budget.

«Der Sommer konnte nicht alles wettmachen. Seit der Coronapandemie ist alles sehr viel kurzfristiger.»

Expansion in den Norden läuft

Das neue Jahr 2021 startet für die junge Basler Firma mit guten Zahlen. Laut Matt übertreffen die Monate Februar und März bereits diejenigen des Vorjahres deutlich. Deshalb konzentriert sich MyCamper nun auf die Expansion in den Norden Europas.

Seit 2020 ist MyCamper mit zwei Mitarbeitenden in Schweden aktiv – dazu kommen sechs Mitarbeitende im Technologieteam in Bosnien sowie insgesamt 18 Mitarbeitende in Basel. Für die Ansiedlung in Skandinavien habe man sich entschieden, da die Region die höchste Camperdichte aufweise, so Matt. Nach Schweden sollen Norwegen, Finnland und Dänemark folgen. Und auch den Markt im Raum Deutschland hat MyCamper im Blick.