Die Tiktoker - Teil 3
Tiktokerin Simona sorgt für Streitereien zwischen Baslern und Solothurnern

Wie sprechen Sie das Wort Geld aus? Etwa als «Gält» oder gar «Gäud»? Das ist eine der vielen Fragen, die Simona aus Basel alias Simomo ihren Followern auf Tiktok stellt.

Deborah Gonzalez
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Immer wieder setzt sie sich mit Freunden zusammen und dreht Videos über die verschiedenen Aussprachen alltäglicher Wörter. Damit entfacht sie regelrechte Diskussionen in den Kommentaren.

«Gäld!! Was für Gäud?!», «Gäld. Baseldütsch beste» oder aber «Gäud. Ig chume vo Soli und das tönt füu besser». Dass über 700 Menschen unter dem Video über die Aussprache des Wortes Geld diskutieren, ist Simonas Ziel: «Ich finde es lustig, dass die Leute sich damit auseinandersetzen, weil es auch in meinem Freundeskreis immer wieder Thema ist.»

Mit ihren 28 Jahren gehört Simona bereits zur älteren Generation der Tiktoker. Die beliebtesten App-Nutzer sind nicht älter als 20. Ein Blick auf ihr Profil zeigt: Ihre Freunde sind erheblich jünger als sie.

Tiktokerin Simona Bucolo

Tiktokerin Simona Bucolo

Roland Schmid

Ihr Partner sowie ihr bester Freund, ebenso auf Tiktok präsent, sind gerade mal 19 Jahre alt. Für die Grafikerin stellt das Alter jedoch kein Problem dar: «Ich merke den Unterschied nicht einmal. Ich bin noch sehr jung geblieben. Ausserdem schätzt man mich immer jünger, als ich bin.»

Negative Kommentare werden ignoriert

Einen Vorteil habe das Alter dann aber doch. Bereits vor sechs Jahren hat Simona ihre Videos auf der Vorgänger-App hochgeladen. Während es heute vor allem um das Aussehen der Tiktoker gehe, habe die Kreativität früher einen höheren Stellenwert gehabt, findet die 28-Jährige. «Ich habe zum Teil drei Stunden für ein 15-sekündiges Video, das danach einfach nicht so wertgeschätzt wird, weil es keine Challenge ist, die gerade im Trend ist.» Letztere würde immer auf der Hauptseite erscheinen und somit viel mehr Views und Reichweite erzielen.

Deshalb sind auf ihrem Profil viele Challenges zu sehen. Mal sind es Tanzeinlagen, mal ist es ein Video mit ihrem Freund. Eines ihrer beliebtesten Videos wurde über 140 000 Mal geliked. Es zeigt Simona mit ihrem Freund, wie sie versuchen, bei bekannten Liedern nicht mitzusingen. «Couple-Challenges sind auf Tiktok sehr beliebt. Ich mache sie sehr gerne», sagt Simona. Im Gegensatz zu ihren Tiktok-Kollegen spezialisiere sie sich nicht auf eine Richtung. Sie beschreibt sich selbst als Allrounder.

Fast eine halbe Million Follower scheint sie damit zu erreichen, knapp zehn Millionen Likes konnte sie mit ihren Videos einbringen. Doch unter den Beiträgen sind nicht nur Fans zu finden. «Viele nehmen sich das Recht heraus, einen zu kritisieren – sei es für das Aussehen oder halt etwas Persönliches», sagt Simona. Mit der Zeit habe sie gelernt, mit negativen Kommentaren umzugehen, sich davon nicht beeinflussen zu lassen und sie zu ignorieren. «Ich lese nicht alles. Wieso auch? Ich kann daran eh nichts ändern.»

Sie nehme sich selbst nicht allzu ernst. Auf vielen Videos macht die 28-Jährige sich über sich selbst lustig. Lieblingsthema: ihre Grösse. Und das kommt bei ihren Followern an, denn alleine mit einem Video hat sie über 263 000 Views und mehr als 32 000 Likes erreicht. «Ich bin nun mal sehr klein, und wenn ich selbst Witze darüber mache, dann nehme ich den Hatern den Wind aus den Segeln», erklärt sie. Dass sie immer wieder auf ihr Aussehen reduziert wird, nervt die Tiktokerin. «Ich will, dass die Leute mich witzig finden und mir nicht nur folgen, weil sie mich schön finden.» Mit ihrem ganz eigenen Video-Stil hat Simona sich ein Nebeneinkommen sichern können.

Neben ihrem eigentlichen Job als Grafikerin und Content Creator für Social Media, arbeitet die Baslerin mit grossen Marken wie Sephora, Sony pictures, Dosenbach, Universal Music oder Zalando. Sie dreht Videos für die jeweiligen Marken und gibt ihnen somit mehr Reichweite auf den sozialen Medien. «Es ist zwar nicht mein Hauptjob, kostet mich aber trotzdem sehr viel Zeit und das sehen viele nicht», sagt sie.

Bis zu drei Stunden könne es gehen, bis das fertige Video auf Tiktok hochgeladen wird. Doch das müsse man jeden Tag in Kauf nehmen, weil man aktiv bleiben müsse. Verschwindet man auch nur einen Tag von der Bildoberfläche, verliert man Follower. Es gleicht einem Teufelskreis. Dessen ist sich Simona bewusst: «Es ist wirklich nicht normal. Ich verbringe mehrere Stunden am Tag auf Tiktok. Ich will nur fünf Minuten vor dem Schlafengehen reinschauen, und am Ende wird es dann doch wieder eine Stunde.»