Coronavirus
Tempo oder Trödeln? Die Vor- und Nachteile der Impfstrategien beider Basel

Basel-Stadt wird derzeit mit Lob überschüttet, da der Kanton schon 80 Prozent der vorrätigen Impfdosen verimpft hat. Doch Lieferengpässe bringen ihn nun in Bedrängnis. Baselland ist langsamer, hat dafür aber für alle Geimpften die Zweitdosis an Lager.

Michael Nittnaus, Nora Bader
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Basel-Stadt gab von Beginn weg Gas beim Impfen.

Basel-Stadt gab von Beginn weg Gas beim Impfen.

Key (28.12.2020

«Impfkönig», «Musterschüler», «Express-Impfer»: Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger heimste in den vergangenen Tagen medial viel Lob für seine Impfstrategie ein. Diese fusst auf einem simplen Credo, wie Engelberger schon vergangene Woche dieser Zeitung sagte: «Wir setzen zur Vermeidung von zusätzlichen Covid-19-Opfern auf maximale Impfgeschwindigkeit.» In Zahlen heisst das: Basel-Stadt hat Stand vergangenen Donnerstag 10'856 der 13'575 vom Bund gelieferten Impfdosen bereits verimpft - also 80 Prozent. Von 100 Einwohnern konnten so 5,5 schon geimpft werden. Kein anderer Kanton kommt an diese Werte heran, wie die am Freitag erstmalig vom Bund veröffentlichte Übersicht zeigte.

Ganz anders Baselland. Noch bevor die Bundesstatistik erschien, wurde er als Trödel-Kanton kritisiert. Beim offiziellen Vergleich liegt das Baselbiet mit 2,4 Geimpften auf 100 Einwohner nun zwar leicht über dem Schweizer Schnitt, doch die 35 Prozent oder 6'989 Impfungen bei einem Bestand von 20175 wirken dennoch mager. «Wir sind nicht ganz so offensiv wie andere Kantone», gibt Roman Häring auf Anfrage zu. Der Sprecher des Baselbieter Krisenstabs verteidigt aber diese Impfstrategie. Natürlich wolle man auch gerne mehr Menschen impfen, doch sei es Baselland wichtig, in Sachen Zweit-Impfungen nicht kurzfristig in Bedrängnis kommen zu können, sollte es Lieferschwierigkeiten geben.

Basel-Stadt braucht in zwei Wochen Nachlieferungen

Und genau das ist nun passiert. Pfizer/Biontech hat kürzlich angekündigt, die kommenden Wochen nicht die eigentlich zugesicherte Menge an den Bund liefern zu können. Das setzt Impfkönig Basel-Stadt unter Druck: Im Gegensatz zu Baselland hat er nicht für jede geimpfte Person eine Dosis für die vorgeschriebene Zweitimpfung beiseite gelegt. Diese muss aber zwingend mit demselben Impfstoff gemacht werden, in den meisten Fällen ist dies derzeit noch Pfizer/Biontech. «Wir setzen unseren Pfizer-Impfstoff jetzt nur noch für Zweitimpfungen ein, er reicht noch bis zum 9. Februar», sagt die Basler Kantonsapothekerin Esther Ammann zur bz. Sie betont, dass bisher noch keine Impftermine verschoben werden mussten. Gleichzeitig legt sie aber offen, dass Basel-Stadt darauf angewiesen sei, die nächsten zugesicherten Pfizer-Lieferungen für die Zweitimpfungen ab dem 10. Februar zu erhalten.

Aktuell sind keine zukünftigen Lieferungen seitens Bund garantiert, nicht einmal die von morgen.

(Quelle: Roman Häring, Sprecher des Baselbieter Krisenstabs)

«Aktuell sind keine zukünftigen Lieferungen seitens Bund garantiert, nicht einmal die von morgen», sagt Häring zum Engpass. Er verweist zudem auf ein Schreiben, welches das Bundesamts für Gesundheit (BAG) gestern Montag den Kantonen zukommen liess. Darin steht klipp und klar: «Den Kantonen wird empfohlen sicherzustellen, dass sie über genügend Kontingente Pfizer/Biontech für die zeitgerechte Verabreichung der zweiten Impfdosis verfügen.» Ammann zeigt ein gewisses Verständnis für die Haltung des Bundes. Allerdings hält sie fest, dass er die Kantone bis vor Kurzem noch aufgefordert habe, den verfügbaren Impfstoff auch zu verimpfen. «Sonst hätten wir das doch nicht gemacht», sagt Ammann.

Baselland holt jetzt nach und nach auf

Auf den Status des Impfkönigs bildet sie sich nichts ein, aber: «Es ist uns wichtig, möglichst rasch möglichst viele Risikopersonen zu schützen.» Das Ranking der Kantone könnte sich in den kommenden Wochen allerdings verschieben. Seit die Bundesstatistik erschienen ist, impfte Baselland konstant weiter und liegt nun bei 8'315 Impfungen. Das sind 41 Prozent der vorrätigen Menge und damit sechs Prozentpunkte mehr als noch Mitte vergangener Woche. Basel-Stadt verharrt derweil bei 80 Prozent.

Dabei dachten nicht wenige Impfwillige, dass am Montagmorgen um neun Uhr auf der Homepage des Corona-Impfzentrums Basel-Stadt neue Termine aufgeschaltet würden. Schliesslich waren neue Informationen angekündigt. «Leider sind zurzeit keine Impftermine verfügbar. Nächste Aktualisierung am 27. Januar um neun Uhr», hiess es dann aber bloss. Also keine News, sprich keine neuen Impftermine. «Sobald wieder mehr Impfstoff vorhanden ist, können wir wieder täglich informieren und hoffentlich auch Termine anbieten», sagt dazu Ammann. Während letzte Woche auf der Internetseite täglich mitgeteilt werden musste, dass keine Impftermine verfügbar sind, geschieht dies nun nur noch am Montag, Mittwoch und Freitag. So müssen die Interessierten nicht mehr täglich auf der Seite nachsehen. Grund für diese Situation ist natürlich der Lieferengpass von Pfizer/Biontech. Dass noch keine Termine abgesagt werden mussten, sei erreicht worden, indem die ersten Impftermine nur kurzfristig vergeben wurden. Ammann: «Leider müssen wir die Leute nun um Geduld bitten.» Sie verstehe die Ungeduld, aber es gehe leider nicht anders.

Bloss 1'000 Betagte reagierten auf den Basler Aufruf-Brief

Momentan sind noch über 75-Jährige und Hochrisikopatienten mit dem Impfen an der Reihe. Rund 22'000 Briefe mit Informationen zum Impfen wurden an die Betroffenen verschickt (die bz berichtete). Bisher wurden etwa die Hälfte davon verschickt, davon seien gemäss Ammann bisher bloss knapp 1'000 Anmeldungen eingegangen. «Dies ist darauf zurück zu führen, dass bereits viele Ü75 geimpft wurden und sich wohl nicht alle werden impfen lassen», sagt die Kantonsapothekerin.

Eine Warteliste, wie sie Baselland ab heute Dienstag führt, sei in der Stadt kein Thema, so Ammann weiter. «Das Problem ist, dass wir zu wenig Impfstoff haben. Das löst keine Warteliste.» So werden momentan nur noch 500 bis 600 Personen täglich zum zweiten Mal geimpft. Möglich wären im Basler Zentrum bis zu 2'000 Impfungen täglich. Vergangene Woche wurde diese Quote auch erreicht - und machte Basel-Stadt zum Impfkönig.