Strafgericht Basel-Stadt
Es war keine versuchte Tötung: Trotzdem muss der Beschuldigte im Gefängnis bleiben

Der 30-Jährige hatte sich wegen eines Angriffes auf zwei Polizeibeamte in Basel zu verantworten. Das Gericht beurteilt ihn als nur vermindert schuldfähig und lobt die Polizisten für ihren Einsatz.

Silvana Schreier
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Der Beschuldigte machte keine Aussagen zu den Vorwürfen. Darum stützte sich das Strafgericht auf die Einvernahmen von Augenzeugen und betroffenen Polizisten.

Der Beschuldigte machte keine Aussagen zu den Vorwürfen. Darum stützte sich das Strafgericht auf die Einvernahmen von Augenzeugen und betroffenen Polizisten.

Nicole Nars-Zimmer

Er soll zwei Polizisten Ende Oktober 2020 vor dem Migros Claramarkt angegriffen haben. In jeder Hand hielt er ein Messer. Erst nach mehrmaligen Aufforderungen sowie nach zwei Tasereinsätzen konnten die Beamten Arlind C.* festnehmen. Am Montag musste er sich vor dem Basler Strafgericht verantworten. Ihm wurde unter anderem mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte vorgeworfen.

Am Dienstagvormittag fällte das Strafgericht nun das Urteil. Arlind C., der seit dem Vorfall in Untersuchungshaft sitzt, muss weitere drei Monate absitzen – damit erhält er eine Freiheitsstrafe von neun Monaten. Dazu kommt eine Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu 30 Franken aufgrund der Beschimpfungen.

«Es war unbestritten eine gefährliche Situation für die Polizisten»,

sagt der vorsitzende Richter Dominik Kiener bei der Urteilsverkündung. Die beiden Beamten hätten vorbildlich und professionell gehandelt. Auch der zweimalige Einsatz des Tasers sei nicht anzuzweifeln.

Keine versuchte Tötung, aber ein tätlicher Angriff

Dennoch könne das Gericht den Beschuldigten nicht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung belangen.

«Gewisse Punkte müssen wir offenlassen, da wir sie nicht abschliessend beantworten können»,

so der Richter. Die Polizisten hätten stets einen genügend grossen Abstand zu Arlind C. halten können, weshalb das alleinige Halten zweier Messer nicht ausreichend sei für diesen Straftatbestand. «Aber der Beschuldigte hat den Beamten gedroht, sie tätlich angegriffen sowie beschimpft.»

Mit den neun Monaten Freiheitsstrafe fällt das Gericht auf den ersten Blick ein mildes Urteil. Dies resultiere jedoch aus der verminderten Schuldfähigkeit von Arlind C., sagt der Richter. Aufgrund seiner verminderten Intelligenz, der Verhaltensstörung sowie der Schizophrenie könne er nicht vollständig für seine Taten verantwortlich gemacht werden.

Weil er durch die Maschen fällt

Die Krankheit des Beschuldigten ist denn auch der Grund, warum sich das Strafgericht gegen einen Landesverweis entschieden hat. «Das Risiko der Verwahrlosung im Kosovo ist nicht von der Hand zu weisen», so Kiener. Hier in der Schweiz habe er dank der Unterstützung seiner Mutter und der Kesb ein «feines Netz», das ihn auffangen könne. Dieses funktioniere zwar auch nur halbwegs, aber «wenigstens fallen Sie hier weicher», sagt der Richter zu Arlind C. Im Kosovo hingegen gäbe es diese Unterstützung nicht.

Staatsanwaltschaft und Beschuldigter können das Urteil anfechten. Es ist damit noch nicht rechtskräftig.

* Name geändert.

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